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StartseiteKalenderblattKampf der weißen Pest24.03.2007

Kampf der weißen Pest

Vor 125 Jahren entdeckte Robert Koch den Tuberkulose-Erreger

Tuberkulose ist weltweit auf dem Vormarsch. Jährlich erkranken über acht Millionen Menschen. Den 24. März hat die Weltgesundheitsbehörde zum Welt-Tuberkulosetag erklärt. Denn am 24. März 1882 hatte Robert Koch die Entdeckung des Tuberkulose-Erregers bekannt gegeben.

Von Anne Preger

Eine Büste von Robert Koch, der für seine Forschung den Nobelpreis erhielt. (AP Archiv)
Eine Büste von Robert Koch, der für seine Forschung den Nobelpreis erhielt. (AP Archiv)
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Arme sterben früher
Ehrgeiziger Plan

Schwindsucht, die Motten, die weiße Pest. Tuberkulose hat viele Namen. Die Plage sucht die Menschheit schon seit Tausenden von Jahren heim. Wer früher daran erkrankte, für den gab es keine Heilung. Besonders während der Industrialisierung traf es viele Menschen, wie Christoph Gradmann weiß. Er ist Professor für Medizingeschichte an der Universität Oslo.

"Die Tuberkulose war mit einiger Sicherheit die wichtigste, die gefährlichste Infektionskrankheit des 19. Jahrhunderts. Man kann davon ausgehen, dass ungefähr 15 Prozent aller Menschen, die starben, an irgendeiner Art und Weise an Tuberkulose starben. Und wenn man als Mediziner, als medizinischer Forscher, wirklich groß rauskommen wollte, dann war das ein sehr gut gewähltes Objekt, über Tuberkulose zu arbeiten."

Die Ursache der Schwindsucht war damals noch unbekannt. Manche hielten Tuberkulose für eine Erbkrankheit. Robert Koch hingegen, ein Laborleiter am kaiserlichen Gesundheitsamt in Berlin, war überzeugt, dass winzige Lebewesen die Krankheit verursachen. Der Arzt war versiert in der Untersuchung von Mikroben. Er hatte Methoden entwickelt, wie man Bakterien züchtet und unter dem Mikroskop sichtbar macht. Nur acht Monate, nachdem er mit der Erforschung der Tuberkulose begonnen hatte, konnte er die Verursacher dingfest machen. Am 24. März 1882 präsentierte der Arzt seine Entdeckung in einem Vortrag.

"Robert Koch trat im Alter von kaum 40 Jahren vor die Berliner Physiologische Gesellschaft. Das heißt, dort versammelten sich prominente Mediziner überwiegend aus Berlin. Und er stellte diesen Leuten am Abend seine Untersuchungsergebnisse vor. Er brachte Präparate mit, Gewebsschnitte, Bakteriumkulturen, und er erklärte sozusagen in einem Vortrag, welche Thesen er damit verband."

Aus seinen Thesen zieht Robert Koch zum Ende seines Vortrags den Schluss:

"Alle diese Tatsachen zusammengenommen berechtigen zu dem Ausspruch, dass die in den tuberkulösen Substanzen vorkommenden Bazillen nicht nur Begleiter des tuberkulösen Prozesses, sondern die Ursache desselben sind."

Damit hatte Koch erstmals ein Bakterium als Ursache für eine menschliche Krankheit identifiziert: die Tuberkelbazillen, wie er sie nannte. Seine Erkenntnis sah Koch als Grundlage für die Bekämpfung der Krankheit.

"Bisher war man gewöhnt, die Tuberkulose als den Ausdruck des sozialen Elends anzusehen, und hoffte von dessen Besserung auch eine Abnahme dieser Krankheit. Eigentliche gegen die Tuberkulose selbst gerichtete Maßnahmen kennt deswegen die Gesundheitspflege nicht. Aber in Zukunft wird man es im Kampf gegen diese schreckliche Plage nicht mehr mit einem unbestimmten Etwas, sondern mit einem fassbaren Parasiten zu tun haben."

Koch fand heraus, dass die Tuberkulose-"Parasiten" alle Organe befallen können. Ansteckungsgefahr bestand meist nur, wenn ein Patient an einer offenen Lungentuberkulose litt, bei der Bakterien über die Atemwege in die Umgebung gelangen.

1890 präsentierte Robert Koch der Weltöffentlichkeit ein Medikament gegen die Krankheit - das Tuberkulin. Es erwies sich jedoch bald als wirkungslos. Trotz dieses Desasters erhielt Koch für seine Tuberkuloseforschung 1905 den Nobelpreis.

Dass in Europa seit Ende des 19. Jahrhunderts immer weniger Menschen an Tuberkulose erkrankten und starben, lag in erster Linie nicht am medizinischen Fortschritt, sondern an der Verbesserung der Lebensumstände. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen dann die ersten Antibiotika auf den Markt und trugen dazu bei, dass heute in Deutschland weniger als 7000 Menschen an Tuberkulose erkrankt sind.

Es gibt allerdings keinen Grund zur Entwarnung. Die Weltgesundheitsbehörde WHO schätzt, dass heute ein Drittel der Weltbevölkerung den Tuberkulose-Erreger im Körper trägt. Infiziert bedeutet aber nicht zwangsläufig krank, wie Christoph Gradmann erklärt.

"Die Frage, ob Sie wirklich erkranken an der Tuberkulose, hängt ganz wesentlich davon ab, in welchen Lebensverhältnissen Sie sich befinden. Wenn Sie in schlechten hygienischen Verhältnissen leben, wenn Sie unterernährt sind, wenn Ihr Immunsystem geschwächt ist, dann können Sie an Tuberkulose viel leichter erkranken, unabhängig davon, dass die meisten Menschen irgendwann einmal der Gefahr einer Infektion ausgesetzt sind."

So hat Tuberkulose in Entwicklungsländern noch immer leichtes Spiel. Weltweit sterben über 1,6 Millionen Menschen im Jahr an einer Krankheit, die inzwischen heilbar ist. Und die Zahl der Erkrankten nimmt zu. Der Hauptgrund dafür ist HIV. Denn die Immunschwäche macht Menschen anfällig für Tuberkulose.

Die WHO will die Krankheit bis 2050 besiegen. Ein ehrgeiziges Ziel. Denn Tuberkulose zu bekämpfen bedeutet in erster Linie, Armut zu bekämpfen. Tuberkulose als soziale Krankheit - Robert Koch wollte diese Ansicht als veraltet ansehen, doch sie bleibt aktuell.

Der Welttuberkulosetag im Internet:
http://www.stoptb.org/events/world_tb_day/2007/

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