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StartseiteKommentare und Themen der WocheInvestitionsruinen, die das Klima ruinieren02.12.2020

Kampf gegen globale ErwärmungInvestitionsruinen, die das Klima ruinieren

Angesichts der Klimakrise wollen immer mehr Staaten klimaneutral werden. Ihre Investitionsplanung passt dazu jedoch nicht, kommentiert Georg Ehring. Es ist dringend erforderlich, Projekte zum Ausbau der Infrastruktur für Kohle, Öl und Gas zu stoppen - sonst werden sie zu Investitionsruinen.

Ein Kommentar von Georg Ehring

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Heizkraftwerk Moorburg von Vattenfall Europe, vorne die Kirche von Dorf Moorburg, St. Maria-Magdalena mit Friedhof, Deutschland, Hamburg, Moorburg coal-fired power station Moorburg of Vattenfall Europe, in front church St. Maria-Magdalena of the village Moorburg with graveyard, Germany, Hamburg, Moorburg BLWS620154 *** Moorburg cogeneration plant of Vattenfall Europe, in front the church of village Moorburg, St Maria Magdalena with graveyard, Germany, Hamburg, Moorburg coal fired power station Moorburg of Vattenfall Europe, in front church St Maria Magdalena of the village Moorburg with graveyard, Germany, Hamburg, Moorburg BLWS620154 Copyright: xblickwinkel/C.xKaiserx (Imago Images / Blickwinkel)
Das Kohlekraftwerk Moorburg wird zur Investitionsruine (Imago Images / Blickwinkel)
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Nach gerade einmal sechs Jahren wird Moorburg zur Investitionsruine. Rund drei Milliarden Euro hat der Bau des Kohle-Heizkraftwerks im Süden von Hamburg verschlungen, solche Großinvestitionen rechnen sich erst nach jahrzehntelanger Laufzeit. Doch jetzt ist es offenbar wirtschaftlich, das Kraftwerk schon im kommenden Jahr stillzulegen.

Die Co2-Aufbereitungsanlage des Vattenfall Kraftwerk mit Co2-Abscheidung in Schwarze Pumpe (Brandenburg), aufgenommen am 05.09.2013. Seit 2008 arbeiten Experten in der Pilotanlage an der Abtrennung des Klimagases Kohlendioxid aus Rauchgas. Dadurch lässt sich der Klimakiller unterirdisch speichern (Carbon Capture and Storage - CCS-Technik) oder anderweitig nutzbar machen. Im Interview mit dpa spricht der Geschäftsführer der VE Technology Research GmbH, über Ergebnisse und Probleme. Foto: Arno Burgi/dpa (zu dpa-Interview am 06.09.2013) | Verwendung weltweit (picture alliance / dpa / Arno Burgi) (picture alliance / dpa / Arno Burgi)Wie wir das Klima reparieren könnten - vielleicht 
Die Welt lässt sich viel Zeit mit dem Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas, während das Klima sich immer weiter erwärmt. Ein Ausweg könnte sein, das Treibhausgas CO2 nachträglich aus der Atmosphäre zu entfernen und dann zu speichern. Doch das ist bislang wenig erforscht.

Eine Millionenzahlung aus dem Bundeshaushalt dürfte den Verlustschmerz beim Betreiber Vattenfall zwar lindern – den der Steuerzahler wird er allerdings vergrößern. Doch es gibt ein Überangebot auf dem Strommarkt und der CO2-Preis macht das Verfeuern von Kohle immer mehr unwirtschaftlich.

Die Folgen des Ausbaus fossiler Energieträger

Weltweit sind hunderte solcher Investitionsruinen im Bau beziehungsweise in der Planung. Dies ergibt eine Studie, die das UN-Umweltprogramm zusammen mit dem Stockholm Environment Institute und anderen Partnern verfasst hat.

Das Ergebnis: Wenn die Weltgemeinschaft das Ziel des Pariser Abkommens einhalten und den Anstieg der Temperaturen unter 1,5 Grad halten will, dann muss der CO2-Ausstoß aus der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas ab sofort Jahr für Jahr um rund sechs Prozent sinken. Die Planungen laufen stattdessen auf einen Anstieg um zwei Prozent jährlich heraus. Wenn sie umgesetzt würden, dann wäre das Klima ruiniert.

Welche Folgen der Ausbau fossiler Energieträger hätte, das hat der Bericht der Welt-Wetterorganisation WMO wieder einmal deutlich gemacht: 2020 wird zu den drei wärmsten Jahren seit Beginn der Messungen gehören. Die Weltgemeinschaft hat sich vorgenommen, die Erwärmung bis zum Jahr 2100 möglichst unter 1,5 Grad zu halten, doch es ist gut möglich, dass dieser Wert schon in den nächsten vier Jahren erreicht wird.

Mehr Erdgas aus Russland braucht niemand

Auch im Corona-Jahr 2020 steigt die CO2-Konzentration in der Atmosphäre weiter. Die Folge: Der Trend zu immer verheerenderen Naturkatastrophen wird sich fortsetzen. 2020 gab es 30 Wirbelstürme über dem Atlantik, auch das ein Rekordwert.

Immer mehr Staaten haben sich angesichts dieser Aussichten vorgenommen, langfristig, also bis etwa zur Mitte des Jahrhunderts klimaneutral zu werden. Nicht nur die Europäische Union, auch China und Japan sind dabei, und die USA werden mit dem neu gewählten Präsidenten Joe Biden dazu kommen. Die Investitionsplanung für die nächsten Jahre passt dazu überhaupt nicht. Umsteuern müssen die Staaten jetzt, sonst ist Klimaneutralität innerhalb von nur 30 Jahren nicht mehr erreichbar. Es ist absehbar und dringend erforderlich, dass die Projekte zum Ausbau der Infrastruktur für Kohle, Öl und Gas gestoppt werden, sonst werden sie zu Investitionsruinen.

Womit wir bei Nordstream 2 wären. Die Gasleitung soll jetzt fertig gebaut werden. Doch mehr Erdgas aus Russland braucht niemand, wenn Deutschland den Klimaschutz ernst nimmt. Die nächste Investitionsruine, deren feierliche Einweihung bald bevorstehen könnte.

Georg Ehring  (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Georg Ehring (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Georg Ehring, Jahrgang 1959, hat in Dortmund Journalistik und Politikwissenschaften studiert, später an der Fernuniversität Hagen Volkswirtschaft. Er arbeitet beim Deutschlandfunk als Redaktionsleiter Wirtschaft und Umwelt. Berufliche Stationen zuvor waren die zentrale Wirtschaftsredaktion der Nachrichtenagentur Reuters in Bonn und zuvor in den 1980er Jahren freiberufliche Tätigkeit überwiegend für den WDR in Dortmund.

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