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StartseiteEuropa heuteMadrids gute Erfahrungen mit Fahrverboten03.04.2019

Kampf gegen LuftverschmutzungMadrids gute Erfahrungen mit Fahrverboten

Seit vier Monaten dürfen alte Autos mit Benzin- und Dieselmotoren nicht mehr in die Madrider Innenstadt fahren. Die Fahrverbote sind in der spanischen Hauptstadt umstritten – aber sie funktionieren. Eine erste Bilanz.

Von Marc Dugge

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Verkehr auf der Prachtstraße Gran Via in Madrid. (picture alliance / Imagebroker)
Für bessere Luft: Der Verkehr auf der Prachtstraße Gran Vía in Madrid soll abnehmen (picture alliance / Imagebroker)
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Am Anfang hat es sich ein bisschen wie Sonntag angefühlt. Am 30. November, dem ersten Tag des Autoverbots, waren viele Madrider selbst verblüfft. "Es scheint, als wären die Autos aus der Stadt verschwunden", sagte damals eine Verantwortliche der Stadt Madrid der Zeitung El País. Mittlerweile scheint sich die Stadt an "Madrid Central" gewöhnt zu haben.

Madrid Central: Das ist eine Reihe von neuen Regeln, die dafür sorgen sollen, die Zahl der Autos in der Stadt zu reduzieren und den Durchgangsverkehr zu verbannen. Verkehrsdezernentin Inés Sabanes sagte im vergangenen Jahr:

"In Madrid werden 80 Prozent des öffentlichen Raums von Autos besetzt, die aber nur 20 Prozent der Bewohner gehören. Was die Straßen im Zentrum angeht, haben Fußgänger, Radfahrer und öffentlichen Nahverkehr oft das Nachsehen, die Priorität haben bisher private Autos."

Ein Plan, in dem die Anwohner im Mittelpunkt stehen

Mit "Madrid Central" sollen die Anwohner Priorität haben. Besucher dürfen grundsätzlich nur noch in die Stadt fahren, wenn sie ihren Wagen in Parkgaragen abstellen. Nummernschild-Scanner sollen sicherstellen, dass das auch geschieht – sonst drohen Strafen. Außerdem benötigen die Autos eine spezielle Umweltplakette. Ältere Dieselfahrzeuge dürfen beispielsweise überhaupt nicht mehr in die Stadt fahren – und auch für Motorräder gibt es Beschränkungen. Elektro- und Hybridautos dagegen haben freie Fahrt und auch günstigere Parktarife. Inés Sabanes:

"Die Frage ist, wie viel uns die Gesundheit unserer Bürger wert ist. Ist sie uns wichtiger als das Recht von Menschen, jeden Tag mit dem Auto in die Stadt zu fahren?"

Mehr Busse, mehr Bäume, breitere Bürgersteige

Die Stadt will Pendler dazu animieren, den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen. So hat sie die Frequenz der Busse erhöht. Außerdem hat sie Fahrspuren für breitere Bürgersteige geopfert – und Bäume pflanzen lassen. Beispielsweise an der Gran Vía, eine der wichtigsten Verbindungsachsen zwischen dem Osten und Westen der Stadt. Hier hat der Verkehr der Stadtverwaltung zufolge um rund ein Viertel abgenommen. Rita Maestre, Sprecherin der Stadtverwaltung:

"Madrid Central ist ja nur eine von 30 Maßnahmen, die Luftqualität zu verbessern. Die Umweltorganisation Ecologistas en Acción hat ja schon darauf hingewiesen, dass die Luftverschmutzung im Dezember an 19 von 24 Messstationen zurückgegangen ist."

Um die Luft zu verbessern, verhängt die Stadtverwaltung neuerdings auch Tempolimits und Fahrverbote.

Fahrverbote sind umstritten

All das habe aber wenig geholfen, die Abgasbelastung zu reduzieren, meint José Luis Martínez Almeida. Er ist Kandidat der konservativen Volkspartei bei den Kommunalwahlen Ende Mai. Almeida bezieht sich auf andere Zahlen, nach denen die Luftverschmutzung sogar leicht zugenommen hat. Er verspricht: "Madrid Central wird am 26. Mai enden. Es ist ein gescheitertes Experiment der Stadtregierung, die es nicht geschafft hat, die Abgasbelastung und die Nutzung von Privatautos zu verringern."

Tatsache ist aber auch, dass Autos nur für einen Teil der Luftverschmutzung im Winter verantwortlich sind. Veraltete Heizmethoden spielen auch eine Rolle.

Vier Monate nach Start sorgt "Madrid Central" weiter für ein geteiltes Echo. Viele Anwohner der Innenstadt freuen sich über weniger Lärm und Staus. Anlieferer dagegen beschweren sich über Bürokratie, Geschäftsbetreiber in der Innenstadt klagen über Umsatzeinbußen. Insgesamt scheinen die Madrider aber mit den neuen Regeln gelassen umzugehen. "Madrid Central" dürfte trotzdem eines der großen Themen des Kommunalwahlkampfs werden.

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