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StartseiteKultur heuteVertrauen ist gut, Frankreich ist besser28.03.2018

Kampf gegen RaubkunstVertrauen ist gut, Frankreich ist besser

Seit Jahren mühen sich internationale Institutionen wie die UNESCO, gegen den illegalen Kunsthandel vorzugehen. In Frankreich hat man bereits ein weltweit einmaliges Kontrollorgan, um den Verkauf verdächtiger Kulturgüter zu verhindern.

Von Suzanne Krause

Das antike Weltkulturerbe von Palmyra am 26. März 2016 (picture alliance / dpa / Valery Sharifulin)
UNESCO-Weltkulturerbe Palmyra in Syrien (picture alliance / dpa / Valery Sharifulin)
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Catherine Chadelat ist der Herkunft eines verdächtigen Kunstwerks auf der Spur und steht vor dem Archivschrank mit den Versteigerungskatalogen. Chadelat ist Präsidentin des Conseil des Ventes Volontaires, abgekürzt CVV.


Beim CVV handelt es sich um eine traditionsreiche unabhängige Einrichtung, die sämtliche öffentlichen Kunstauktionen im Land kontrolliert. Die überwacht, dass die Preise nicht künstlich überteuert und dass nicht Fälschungen, Hehlerware, Raubkunst gehandelt werden. Gegebenenfalls kann sie den Verkauf eines verdächtigen Kunstobjekts verhindern. Eine weltweit einmalige Institution. Das ist nur eine Eigenheit des französischen Kunstmarkts, sagt Catherine Chadelat.

"In Frankreich wird auch der Beruf des Auktionators seit jeher strikt reglementiert. Die Ausbildung ist anspruchsvoll. Der Auktionator muss die Herkunft eines Kunstwerks überprüfen, er unterliegt einem Ethikkodex, einer Sorgfaltspflicht. Wenn er dagegen verstößt, können wir Disziplinarmaßnahmen ergreifen."

Transitland für geschmuggelte Kulturgüter

Frankreich steht auf Platz 4 der weltweiten Kunstmarktliste, wenn auch weit abgeschlagen hinter China, den Vereinigten Staaten und Großbritannien. Archäologische Objekte zweifelhafter Provenienz seien hier in öffentlichen Auktionen noch nicht aufgetaucht, versichert die CVV-Präsidentin. Doch Frankreich spiele wohl eine Rolle als Transitland für geschmuggelte Kulturgüter, sagt Expertin Chadelat.

"Die Herkunftsbestimmung von Kulturschätzen aus den aktuellen Konfliktzonen im Nahen Osten ist sehr schwierig. Es fehlt uns schlicht an Informationen zur Identifizierung. Im Jemen zum Beispiel werden die Kulturgüter nicht wie bei uns museumsgemäß erfasst. Aber wir wissen, dass es dort Raubgrabungen gibt."

Der Jemen gilt als neues Eldorado illegaler Grabungen, deren Erlös terroristischen Organisationen in die Tasche fließt. Darauf wurde kürzlich bei einer internationalen Konferenz in Paris aufmerksam gemacht: Die UNESCO und die EU-Kommission hatten Kulturinstitutionen und Kunstmarkt-Akteure aus dem In- und Ausland geladen. Eine Premiere. Zum Auftakt definierte Ieng Srong, bei der UNESCO für den Bereich Museen zuständig, die Ziele der Veranstaltung, darunter:

"Wir wollen die Zusammenarbeit zwischen den Kunstmarkt-Akteuren verstärken, sei es im öffentlichen wie auch im privaten Bereich, und den Austausch vorbildhafter Praktiken anregen."

Praktische Alltagshilfe für Museen, Galeristen, Auktionshäuser

Dass in der Branche ein Umdenken einsetzt, zeigt die jüngste Entwicklung bei The European Fine Art Fair, TEFAF abgekürzt, der überaus renommierten Kunstmesse in Maastricht. Seit Jahren bietet sie im Rahmenprogramm Fachvorträge zum Thema illegaler Handel an. Bei der letzten TEFAF-Ausgabe herrschte dort erstmals großer Andrang, berichtete der Messe-Präsident bei der UNESCO-Konferenz. 

Diese bot Gelegenheit, an die internationalen Regelwerke zum Kampf gegen illegalen Kunsthandel zu erinnern wie auch an die Datenbanken, in denen gestohlene Werke dokumentiert sind. All diese Informationen will die UNESCO auf einem Webportal zusammenfassen, als praktische Alltagshilfe für Museen, Galeristen, Sammler, Auktionshäuser in der ganzen Welt. Bei der Konferenz präsentierte Catherine Chadelat von der französischen Kontrolleinrichtung für öffentliche Versteigerungen einmal mehr ihre Arbeit.

"Vor zwei Jahren war ich bei einem UNESCO-Treffen mit Vertretern von Regierungen und öffentlichen Kultureinrichtungen. Nach meinem Vortrag kamen Kulturbeauftragte aus mehreren Ländern auf mich zu und baten um meine Visitenkarte. Für den Fall, dass ein geschmuggeltes Kulturgut aus ihrer Heimat bei einer öffentlichen Versteigerung in Frankreich auftauche. Sie waren begeistert zu erfahren, dass wir Handhabe bieten einzuschreiten und den Verkauf zu unterbinden."

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