Kommentare und Themen der Woche 25.08.2019

Kampf um die ArktisTrumps Grönland-Kaufwunsch hat einen ernsten KernVon Gunnar Köhne

Beitrag hören Einsame Eisbrocken treibt an der grönländischen Stadt Kulusuk vorbei (AFP / Jonathan Nackstrand)Grönland verliert 280 Milliarden Tonnen Eis - pro Jahr. Noch treiben Eisbrocken an der Stadt Kulusuk vorbei. (AFP / Jonathan Nackstrand)

Die Arktis ist begehrt, dort gibt es Rohstoffe und Land. US-Präsident Donald Trumps Grönland-Kaufwunsch sei tatsächlich nur die Spitze des Eisbergs, kommentiert Gunnar Köhne. Längst machten sich gierige Großmächte bereit für eine Zeit nach den Gletschern.

Vielleicht kam Donald Trump die Idee, Grönland zu kaufen, als er vor einigen Wochen zufällig auf Twitter las, dass die Insel in absehbarer Zeit eisfrei sein werde. Viermal so schnell wie noch vor 15 Jahren schmelze dort das Eis, meldeten Wissenschaftler. Möglicherweise hat der US-Präsident auch eines der kursierenden Fotos gesehen, die Grönländer in T-Shirts zeigen. Als er dann noch las, dass auf der Nachbarinsel Island erstmals ein Gletscher vollständig dahin geschmolzen ist, stand sein Entschluss fest: Grönland nicht retten, sondern kaufen. Ein Gebiet sechs Mal so groß wie Germany und reich an Bodenschätzen, die bald nicht mehr unter Eis liegen werden. Ein guter Deal.

Es folgten Spott und Fassungslosigkeit, nicht zuletzt in Dänemark, zu dessen Hoheitsgebiet Grönland gehört. Doch langsam dämmert es auch dem letzten Spaßvogel: Die Polit-Posse um Grönland hat einen bitterernsten Kern. Der Kampf um die Arktis geht in seine heiße Phase. Je unwirtlicher unsere eigenen Lebensräume durch die Klimakatastrophe werden und je mehr wir unsere eigenen Ressourcen aufbrauchen, desto öfter schauen wir uns in Regionen wie der Arktis um. In ein paar Jahrzehnten wird man auf Grönland überall siedeln können. Vor der eisfreien Küste kann man dann ungehindert nach Öl- und Gas bohren. Und über die dann eisfreie Nordostpassage können die Schiffe in Rekordzeit zwischen Amerika und Ostasien hin- und herfahren. Da denken die Trumps dieser Welt: Great.

Verteilungskampf ist längst im Gange

Nicht nur die USA, auch die anderen Arktis-Anrainer Russland, Kanada, Dänemark und Norwegen können fröhlich Pläne für die Arktis schmieden, weil es den Vereinten Nationen immer noch nicht gelungen ist, ein Abkommen für diese Erdregion hinzubekommen. Ähnlich wie für die Antarktis, für die schon 1961 vertraglich festgelegt wurde, dass der Kontinent bis 2041 nur für Forschungszwecke genutzt werden darf. Aber für eine Arktis-Einigung wäre es vermutlich schon zu spät. Der Wettkampf um Neuland, Schifffahrtsrouten und Meeresboden ist in vollem Gang.

Dafür wird die Arktis weiter aufgerüstet. Russland hält dort regelmässig Militärübungen ab, die dänische Regierung hat angekündigt, die Präsenz ihrer Marine um Grönland herum auszuweiten, die US-Marines trainieren verstärkt unter Kaltwetterbedingungen. Und dann ist in der Kälte noch ein Arktis-Interessent aufgetaucht: China. Die Chinesen unterhalten auf Grönland geologische Versuchsstationen auf der Suche nach den vermuteten Seltenen Erden. Es gibt auch unter den Inuit, den Ureinwohnern Grönlands, solche, die bereit wären, für Geld ihre Heimat zu opfern.

Mehr Sensibilität für Arktis wäre wünschenswert

"Unser Haus steht in Flammen", ruft Frankreichs Präsident Macron der Weltgemeinschaft zu angesichts des brennenden Amazonas. Man wünschte sich einen ähnlich eindringlichen Appell für die Rettung der Arktis. Allein Grönland verliert 280 Milliarden Tonnen Eis - pro Jahr. Ist sämtliches Eis erst mal weg, könnte der Meeresspiegel um sieben Meter ansteigen. Während Skandinavier und Kanadier zur wirtschaftlichen Zurückhaltung in der Arktis bereit sind, drücken Russen und Amerikaner aufs Tempo. Trump will Grönland, und Putin hätte gerne Spitzbergen, wo es bereits russische Siedlungen gibt.

Hinter all dem steht die Gier nach Land und Rohstoffen; dieselbe Gier, die in diesen Tagen den Amazonas zu vernichten droht.

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