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StartseiteKommentare und Themen der WocheEine Vollkatastrophe für Trudeau06.03.2019

Kanadas Premierminister unter DruckEine Vollkatastrophe für Trudeau

Weltoffen, liebenswürdig, integer: Lange galt Kanadas Ministerpräsident Justin Trudeau als Hoffnungsträger all Derjenigen, die den Politikstil Donalds Trumps verachten. Doch jetzt setzt ausgerechnet Trudeau eine Korruptionsaffäre zu. Für die Liberalen eine Katastrophe, meint Georg Schwarte.

Von Georg Schwarte

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Der kanadische Ministerpräsident Justin Trudeau (AP/The Canadian Press/Adrian Wyld)
Der kanadische Ministerpräsident Justin Trudeau (AP/The Canadian Press/Adrian Wyld)
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Pop-Premier. Feminist in Chief. Kennedy von Kanada. Anti-Trump. Das Gesicht des besseren Amerikas. Multilateralist. Oberster Klimaschützer. Dieser Justin Trudeau, er war so vieles. Als er mit einem Erdrutschsieg 2015 die bleiernen Jahre des konservativen kanadischen Premiers Stephen Harper beendete, war sein schönes Gesicht zugleich Projektionsfläche für die Wünsche der Welt. Im Süden Obama. Im Norden Trudeau. Yes we can. Das waren Zeiten damals. Sunny ways. Sonnige Zukunft. Sein Motto.

Die Liberalen: Unter Trudeau eine Ein-Mann-Partei

Heute, knapp dreieinhalb Jahre später, heißt es: Cloudy days. Düstere Wolken über dem Gesicht, das Instagram zum politischen Mittel und Motiv-Socken zum Thema von G-7-Gipfeln machte. Justin Trudeau, der Chef der Liberalen Partei, hat nicht nur das ohnehin liebenswürdige Image Kanadas in noch überzeichnetere Sphären gehoben, er ist damit auch zur liberalen Ein-Mann-Partei geworden.

Die Liberalen sind Trudeau. Und die Liberalen schauen gerade verstört auf ihre Projektionsfläche und bekommen eine Ahnung davon, was passieren könnte, wenn dort nichts mehr außer Skandal zu sehen ist.

Die Vorwürfe gegen Trudeau sind toxisch

Der Vorwurf gegen Trudeau, gemessen an dem, was beim großen Nachbarn im Süden, den USA seit Donald Trump passiert, ein großer Witz. Gemessen an kanadischer Ethik aber eine humorfreie Katastrophe. Korruption, nichts was der korrekte Kanadier entschuldigen würde. Ein Premier, der eine Firma, die unter Korruptionsverdacht steht, schützen will? Nichts, was Kanadier mögen.

Ein Premier, der dazu eine Justizministerin unter Druck setzt, obendrein eine Angehörige der First Nations, doppelt toxisch. Ein Premier und Feminist, der wegen all dem zwei Ministerinnen und seinen engsten Berater verliert, eine davon Trudeau beim Rausgehen noch nachruft, dass er seinen eigenen moralischen Standards nicht mehr genüge. Eine Vollkatastrophe.

Cloudy Days statt Sunny Ways

Jetzt muss der Meister des Politselfies, der Mann, der sogar Merkel schwärmen ließ, kämpfen. Denn seit Monaten schon scheint Justin Trudeau nichts mehr zu gelingen. Stahlstreit mit den USA, Handelskrieg. Böse Worte und Strafzölle der Trump-Regierung. Da war der geplatzte G-7-Gipfel von Quebec, ein amerikanischer Präsident, der Trudeau eine schwache Person nannte. Zugleich zeigen die Chinesen der Welt gerade am Beispiel von Trudeaus Kanada, was sie machen können, wenn ein Land sich China in den Weg stellt. Kanada, derzeit zwischen allen Stühlen und Trudeau im freien Fall.

Der Vater Pierre Trudeau war auch Premier. Wurde übrigens damals auch von den Amerikanern beschimpft. Nixon nannte ihn einen Eierkopf. Pierre Trudeau allerdings regierte 15 Jahre und 164 Tage. Gut möglich, dass für seinen Sohn und Pop-Premier Trudeau im Oktober schon nach vier Jahren Schluss ist. Cloudy Days statt Sunny Ways eben.

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