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StartseiteKommentare und Themen der WocheSöder erfindet sich neu19.11.2018

Kandidatur für CSU-VorsitzSöder erfindet sich neu

Die Kandidatur für den CSU-Vorsitz ist ein wohl überlegter Schachzug von Markus Söder, kommentiert Nikolaus Neumaier. Er verspreche Führung im Team. Das sei nicht unklug. Der bayerische Ministerpräsident habe sich verändert und könne der Verantwortung nicht mehr aus dem Weg gehen.

Von Nikolaus Neumaier

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Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder und CSU-Parteichef Horst Seehofer stehen bei einer Pressekonferenz vor Mikrofonen. (imago)
Ministerpräsident Markus Söder und CSU-Parteichef Horst Seehofer (imago)
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Als Schauspieler muss Markus Söder noch etwas üben, denn seine Beteuerungen, dass es ihn viel Überwindung gekostet habe, für den CSU Vorsitz zu kandidieren, wirkten doch etwas auswendig gelernt. Schwer vorstellbar, dass der Machtpolitiker Söder lange nachdenken musste, ob er wirklich Parteichef werden möchte. Er wollte den Chefposten nur nicht, als ihn Horst Seehofer damit aus Bayern nach Berlin wegloben wollte.

Jetzt aber will Söder natürlich Parteichef werden. Das offenbarten schon seine ersten Sätze, mit denen er seine Kandidatur begründete. Sie waren wohlüberlegt. Söder präsentierte ein Konzept, mit dem er sich gleichzeitig auch von Horst Seehofer abgrenzte: So will Söder auf keinen Fall mehr die Gemeinschaft mit der CDU in Frage stellen. Er will eine scharfe Abgrenzung zur AfD.

Er will die CSU wieder auf die bürgerliche Mitte ausrichten und weg vom rechten Rand. Und den fast schon blutigen Kampf zwischen CSU und CDU nennt er "schwierigste Zeiten". Dass er daran auch selbst an vorderster Front beteiligt war und im Streit mit Angela Merkel zu einem Endspiel der Glaubwürdigkeit aufrief, will er jetzt am liebsten vergessen machen.

Asylstreit soll keine Rolle mehr spielen

Söder hat das Wahlergebnis genau analysiert. Er weiß, dass er nicht der Quotenbringer war und er weiß, dass die Wähler sich wegen des selbstsüchtigen Streits von den Unionsparteien abgewandt haben. Vielleicht hat Söder noch keine Vision von der Zukunft der CSU. Sicher ist aber, dass er genau weiß, was die CSU nicht mehr machen kann und deswegen erfindet sich Söder gerade neu.

Nach dem neugewählten Ministerpräsidenten, der fortan den eigenen Ministern mehr Freiheit geben und den bayerischen Bürgern mehr Zeit lassen will, um sein Regierungshandeln zur Kenntnis zu nehmen, kommt jetzt der CSU-Chef Markus Söder als Teamspieler. Söder erklärt die Zeit der One-Man-Shows für beendet und verspricht Führung im Team. Mit der kommenden CDU-Spitze und vor allem mit Manfred Weber.

Tandem der CSU Zukunft

Das ist nicht unklug. Weber ist an der CSU-Basis sehr beliebt. Die Aussicht nächster EU-Kommissionspräsident zu werden, elektrisiert viele in der CSU. Da macht es für den wahrscheinlichen neuen CSU-Chef nur Sinn, sich mit diesem sympathischen Politikstar zu verbünden. Webers Erfolg erleichtert es Söder sogar einen Kurswechsel in der Europapolitik zu versprechen. Er will Europa nicht mehr in Frage stellen, sondern sich proaktiv um das europäische Projekt bemühen. Richtig glaubwürdig freilich ist das noch nicht.

Gut, Söder war mit seinem Kabinett in Brüssel und er weiß, dass der Zickzackkurs bei der letzten Europawahl der CSU geschadet hat, aber Söder war in der Vergangenheit auch immer mit dabei, wenn es um Kritik an Europa und an Brüssel ging. Doch die Zeiten haben sich geändert, Söder hat sich verändert und er kann der Verantwortung nicht mehr aus dem Weg gehen. Jetzt muss sich Markus Söder um all das kümmern, wofür er in den letzten Monaten noch Horst Seehofer und Angela Merkel verantwortlich machen konnte. Das Textbuch dafür hat er schon geschrieben.

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