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StartseiteKultur heuteKanzlerbungalow museumsreif?03.05.2004

Kanzlerbungalow museumsreif?

Das Bonner Haus der Geschichte würde gern den Kanzlerbungalow museal nutzen

<strong>Holger Noltze:</strong> In Bonn, da steht ein Bungalow, da wohnten einst unsere Kanzler drin, von Erhard bis Kohl, die Bonner Herrlichkeit ist aber lang vorbei, mittlerweile gehören die meisten ehemaligen Regierungsbauten, (außer dem Palais Schaumburg und der Villa Hammerschmidt) in die Obhut des nicht ganz so hauptstadtaffinen Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit. Im Ex-Kanzleramt soll demnächst das Ministerium selbst wohnen; im Bungalow aber, müssen wir heute im SPIEGEL lesen, stellt es alte Möbel und Akten ab. Das riecht nach Entweihung, nachdem der WDR in den gewesenen heiligen Flachhallen der Macht schon eine politkritische Sendung veranstaltet hat. Nun gibt es einen Interessenten für das Objekt, das ist Hans Walter Hütter vom Haus der Geschichte in Bonn, Herr Hütter ist am Telefon: hätten Sie den Bungalow gern, weil Sie dann noch ein Haus der Geschichte in Bonn mehr zu bespielen hätten?

Gespräch mit Hans-Walter Hütter

Einstige Gastgeber im Kanzlerbungalow: Hannelore Kohl und ihr Mann Helmut  auf dem Wolfgangsee, 1986 (AP Archiv)
Einstige Gastgeber im Kanzlerbungalow: Hannelore Kohl und ihr Mann Helmut auf dem Wolfgangsee, 1986 (AP Archiv)
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Hans-Walter Hütter: Nein, wir wollen nicht den Bungalow als Liegenschaft übernehmen, das würde unsere Möglichkeiten als Stiftung bei weitem überstrapazieren. Wir sind vor einiger Zeit vom Bundeskanzleramt gebeten worden, nachzudenken, wie die historischen Räume des Palais Schaumburg, der Park und gegebenenfalls auch die Repräsentationsräume des Kanzlerbungalows historisch-museal der Öffentlichkeit präsentiert werden können.

Holger Noltze: Was heißt museal? Das in einem Zustand herzustellen und zu konservieren, der dann die Bonner Republik repräsentieren könnte?

Hans-Walter Hütter: Da gibt es viele Möglichkeiten. Beim Palais Schaumbug gehen wir davon aus, dass man die historischen Räume in der Form grundsätzlich präsentiert, wie sie beim Umzug von Parlament und Regierung verlassen wurden, sie dann jedoch sensibel museal angereichert werden, um den Besuchern die historische Bedeutung der Räume besser verdeutlichen zu können.

Holger Noltze: Wenn jetzt der Spiegel schreibt, der Bungalow (wir sprachen jetzt vom Palais Schaumburg) würde im Augenblick als eine Art Bundesabstellkammer genutzt, trifft das auch Ihren Eindruck?

Hans-Walter Hütter: In der Tat, die Repräsentationsräume werden im Moment als Möbellager genutzt. Wie das BNZ, das zuständig ist, in der Antwort auf eine kleine Anfrage jetzt mitteilte, ist dies wohl die Folge eines Wasserschadens in einem anderen Gebäude gewesen, so dass man sich aus der Not heraus dieser Räumlichkeiten bedient hat.

Holger Noltze: Das Objekt steht unter Denkmalschutz, nun steht manches unter Denkmalschutz. Es ist eine Art von Bauhaus-Stil, ist das auch architekturgeschichtlich gesehen ein zu bewahrendes Kleinod?

Hans-Walter Hütter: Sepp Ruf hat mit diesem Bungalow sicherlich architekturgeschichtlich ein hochinteressantes Ensemble geschaffen, es ist vor allem natürlich auch von großer Bedeutung, wenn man das Gebäude in Bezug setzt zu den historischen Ereignissen, die dort geschehen sind, vorbereitet wurden, den historischen Treffen, die dort stattgefunden haben und insofern kann ich aus der Sicht eines Historikers heraus sagen: ja, dieses Gebäude ist es wert, zeitgemäß der Öffentlichkeit erhalten und präsentiert zu werden.

Holger Noltze: Was und wie würden Sie tun, wenn Sie es hätten?

Hans-Walter Hütter: Darüber gibt es noch keine abschließenden Konzepte. Erste Überlegungen durchaus. Es geht darum, vor allem die ehemaligen Repräsentationsräume so zu präsentieren, dass der Besucher sich ein Bild von dem machen kann, was Regieren ausmacht, also ein stückweit Regieren und Repräsentieren, auch als Bestandteil von Regierungsmacht. Dies könnten Aspekte sein, die bei der Planung eine Rolle spielen.

Holger Noltze: Wobei man ja fast von einem Negativbefund sprechen müsste, denn diese Architektur ist alles andere als eine Architektur der Macht.

Hans-Walter Hütter: Aber dies ist gerade das Spannende, um auch die Bescheidenheit der ersten Jahre der deutschen Demokratie nach dem Zweiten Weltkrieg zu präsentieren. Wie bescheiden im Grunde genommen die Kanzler gelebt und gewohnt haben, auch die Republik sich nach außen gegeben hat in diesem Gebäude, durchaus in einem sehr schönen Park mit einem herrlichen Blick auf den Rhein, auch eine außerordentlich bescheidene Regierungszentrale, auch interessant im Zusammenhang mit Vergleichen, die man jetzt anstellen könnte zu den Regierungsbauten, die jetzt in Berlin entstanden sind.

Holger Noltze: Wie geht das jetzt weiter, wie wollen Sie Frau Wieczorek-Zeul das Haus entwinden?

Hans-Walter Hütter: Wir wollen das Haus nicht entwinden.

Holger Noltze: Sie wollen es bespielen.

Hans-Walter Hütter: Ja, die Nutzung ist zu diskutieren und da haben wir nicht mit der Entwicklungshilfeministerin zu reden sondern die Bitte, die an uns gerichtet worden war, kam seitens des Bundeskanzleramtes und wenn dieses sich in dieser Angelegenheit erneut an uns wenden würde, würden wir gerne das Gespräch fortführen.

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