Montag, 21.01.2019
 
Seit 02:00 Uhr Nachrichten
StartseiteKommentare und Themen der WocheDeutschland braucht Griechenland als Partner11.01.2019

Kanzlerin in AthenDeutschland braucht Griechenland als Partner

Kanzlerin Angela Merkel und Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras haben über Parteigrenzen hinweg großen Respekt füreinander entwickelt, kommentiert Michael Lehmann. Doch für den künftigen Erfolg der deutsch-griechischen Zusammenarbeit zähle, ob die Appelle dieses Besuchs erhört werden.

Von Michael Lehmann, ARD-Korrespondent Athen

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Alexis Tsipras, Premierminister von Griechenland, gibt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach der gemeinsamen Pressekonferenz die Hand (dpa / Angelos Tzortzinis)
Deutschland braucht nicht nur die griechischen Fachleute, sondern auch einen Partner in Flüchtlingsfragen. Griechenland braucht dagegen deutsche Investoren, meint Michael Lehmann. (dpa / Angelos Tzortzinis)
  • E-Mail
  • Teilen
  • Tweet
  • Drucken
  • Podcast
Mehr zum Thema

Merkel-Besuch bei Tsipras Deutsch-griechische Harmonie

Merkel trifft Tsipras Die Griechenlandkrise ist nicht vergessen

Griechenland Rentner haben immer noch nicht genug zum Leben

Angela Merkel ist während ihres kurzen Athen-Besuchs in nur 24 Stunden viel gelungen: Sie hat Griechenland für seinen Spar- und Reformkurs die Anerkennung gezeigt, die das Land verdient hat. Und sie hat vielen in der griechischen Bevölkerung erklären können, dass die Bundeskanzlerin wie auch viele andere Deutsche Respekt haben vor der Selbstdisziplin, der Leidensfähigkeit und dem Durchhaltewillen des griechischen Volkes während der Krise.

Das alles tat Merkel natürlich auch, weil Griechenland für Deutschland und für Europa in den letzten Jahren unabhängig von der Finanzkrise wichtiger geworden ist - durch die verschlechterten Beziehungen zur Türkei beispielsweise.

Deutschland braucht Griechenland

Europa und allen voran das reiche Deutschland braucht Griechenland nicht nur als immer beliebteres Reiseziel - junge, gut ausgebildete Griechen, die nach Deutschland kommen, weil sie zuhause in der Krise keine Perspektive sehen, sie helfen mit, den enormen Wohlstand zu sichern, über den sich auch die Bundeskanzlerin freuen kann. Denn Merkel wird von vielen Bürgern immer noch als Kanzlerin des Wohlstands anerkannt.

Deutschland braucht Griechenland aber auch als einen verlässlichen Partner in Flüchtlingsfragen - Merkel hat auch hier den richtigen Ton gefunden - sie lobte das Land an der Ägäis für stolze Leistungen bei der Aufnahme und Versorgung so vieler Migranten - sie hat heute sich bekannt zu dem Satz, dass Abschreckung durch miserable Unterbringung nicht ihre Sache ist … und damit hat Merkel auch Flüchtlingshelfer angesprochen, die Europa vorwerfen, zu wenig gegen überfüllte Camps und inhumane Lebensbedingungen in Massenunterkünften zu tun.

Hier muss allerdings Deutschland nachbessern und mithelfen, gerade jetzt im auch kalten griechischen Winter, dass vor allem Familien mit Kindern schneller in sichere Unterkünfte kommen können. Zu Recht hat Merkel in Athen abermals an alle europäischen Länder appelliert, die Augen vor der Flüchtlingsnot nicht weiter zu verschließen und Migranten aufzunehmen.

Das Interessanteste an der Begegnung der konservativen deutschen Kanzlerin mit dem linken griechischen Regierungschef in Athen war, dass sich hier zwei ideologisch gesehen sehr unterschiedliche Partner getroffen haben.

Merkel und Tsipras haben über Parteigrenzen hinweg großen Respekt füreinander entwickelt. Dass gegen Merkel seit gestern Abend nur noch kleinere Gruppen von Demonstranten protestiert haben, ist ein weiteres Zeichen für ein wieder sehr gutes deutsch-griechisches Verhältnis. Und dass Merkel in der schwierigen Mazedonien-Frage einen konservativen Parteichef in Athen trifft, der den für ganz Europa wichtigen Namenskompromiss blockiert, zeigt ebenfalls - Parteigrenzen haben sich in Krisenzeiten verschoben.

Ziemlich beste Freunde bleiben?

Entscheidend für einen Erfolg der deutsch-griechischen Zusammenarbeit wird jetzt unter anderem sein, ob die Appelle dieses Besuchs erhört werden: Noch mehr deutsche Unternehmer sollten mutig in Griechenland investieren - denn das ist für das Land natürlich noch viel besser als griechische Fachkräfte bei uns in Stuttgart, München oder Hamburg aufzunehmen.

Und für eine weiterhin stabile deutsch-griechische Freundschaft wird auch wichtig sein, dass Griechenland in diesem Jahr erneut Disziplin zeigt bei seinem Spar- und Reformkurs. Dann könnten zumindest bis zur griechischen Parlamentswahl in diesem Jahr die Regierungschefs beider Länder ziemlich beste Freunde bleiben.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk