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StartseiteKommentare und Themen der WocheMarkus Söder gewinnt so oder so11.04.2021

Kanzlerkandidatur in der UnionMarkus Söder gewinnt so oder so

Die Kanzlerkandidatenkür der Union sei eine Win/win-Situation, aber nur für Markus Söder (CSU), kommentiert Dlf-Bayernkorrespondent Michael Watzke. Denn auch wenn CDU-Chef Armin Laschet Kanzlerkandidat werde, werde der forsche Franke Söder in Bayern an Popularität gewinnen.

Ein Kommentar von Michael Watzke

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Einer hat hier klar die Nase vorn, meint Dlf-Bayernkorrespondent Michael Watzke - Markus Söder (CSU) läuft vor Armin Laschet (CDU), seinem Konkurrenten um die Kanzlerkandidatur der Unionsparteien, auf einen Fotografen zu (picture alliance / Associated Press / Tobias Schwarz)
Einer hat hier klar die Nase vorn, meint Dlf-Bayernkorrespondent Michael Watzke (picture alliance / Associated Press / Tobias Schwarz)
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Markus Söder gewinnt so oder so. Der Franke ist gerade in einer persönlichen Win-Win-Situation. Er hat heute seine Ambition auf die Kanzlerkandidatur angemeldet. Setzt er sich tatsächlich gegen Armin Laschet durch, hat er realistische Chancen, der nächste deutsche Bundeskanzler zu werden. Setzt sich aber Armin Laschet durch – und das ist wahrscheinlich – dann ist Söder in Bayern trotzdem in einer perfekten Position.

(dpa | Michael Kappeler) (dpa | Michael Kappeler)Armin Laschet oder Markus Söder - wer wird Kanzlerkandidat von CDU und CSU?

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Denn dann gilt er als beliebter und erfolgreicher CSU-Ministerpräsident, den die CDU nicht als Kanzlerkandidat wollte, obwohl er mutmaßlich die besseren Erfolgs-Chancen gehabt hätte. Die Bayern werden Söder dafür nicht bestrafen, sondern belohnen. Sogar für viele Nicht-CSU-Wähler wäre der Bayer Söder der Kanzler-Kandidat der Herzen. Und er könnte entspannt beobachten, wie sich Armin Laschet schlägt. Noch mal: CSU-Chef Söder gewinnt so oder so.

Je länger die Kür, desto besser Söders Chancen

Für Armin Laschet dagegen gilt: Morgen früh ist Tag der Entscheidung. Dann trifft sich das CDU-Präsidium und wird sich – so hofft Laschet – einstimmig für ihn als Kanzler-Kandidaten der Union aussprechen. Sollte das nicht einstimmig passieren, sollte es Zweifler und Abweichler geben und am Ende die Aussage, man werde jetzt sondieren und einen Fahrplan entwickeln, dann hat Laschet ein Problem. Je länger der Prozess dauert, desto besser werden Söders Chancen.

Kurz nach der CDU tagt morgen Vormittag in München die CSU. Das Präsidium der Christsozialen wird Söder demonstrativ den Rücken stärken – wobei so mancher Teilnehmer insgeheim hoffen wird, dass Söder nicht Kanzler-Kandidat wird. Das wäre für die CSU vor allem in Bayern die bequemere Lösung.  Dann kann sie ihre erfolgreiche Doppelrolle weiterspielen: daheim in Bayern auf den Einfluss in Berlin verweisen und gleichzeitig auf Berlin schimpfen.

Besser keine Sprüche über Sex-Appeal mehr

Söder muss jetzt nur gut darauf achtgeben, nicht illoyal zu wirken. Er darf Armin Laschet nicht offensichtlich in den Rücken fallen. Seinen rotzfrechen Kommentar von vor einer Woche, dass es für eine Kanzlerkandidatur Sex-Appeal brauche, sollte er besser nicht wiederholen. Nicht etwa, weil er sich mit einer solchen Sottise selbst Sex-Appeal zuschreibt – was zu seinem grenzenlosen und bisweilen überbordenden Selbstbewusstsein passt. Nein, Söder muss nur achtgeben, dem wahrscheinlichen Kandidaten Armin Laschet etwas abzusprechen, was sich der bis zum Wahltag im September nicht mehr aneignen kann. So sehr sich Laschet auch bemühen und an sich arbeiten mag: Sexy wird der CDU-Chef ganz sicher nicht.

Wäre Söder der bessere Kanzlerkandidat der Union? Der Bayer hat gute Argumente: nicht nur seine hohen Beliebtheits-Werte, sondern auch die große Zustimmung der bayerischen Bevölkerung zur Arbeit der Staatsregierung. Söder hat den Freistaat in den vergangenen Jahren leidlich gut regiert. Mutig, fleißig, umsichtig. Wo Veränderungen notwendig waren, hat er sie angepackt – auch gegen Widerstände in der eigenen Partei. Mit dem Koalitionspartner in Bayern, den Freien Wählern, ist er geschmeidig umgegangen. Die Zusammenarbeit läuft weitgehend reibungslos – am meisten profitiert hat davon Söder.

Söder war selten ein Zauderer

Natürlich ist es leichter, in einem Bundesland wie Bayern zu regieren, mit soliden Staatsfinanzen, einer funktionierenden Bürokratie und einem fähigen und motivierten Beamten-Apparat. In Berlin zu herrschen, dürfte deutlich anstrengender werden – aber Söder war nie ein Zauderer. Er ist Herausforderungen selten aus dem Weg gegangen. In seiner politischen Karriere war er bisher – anders als Helmut Kohl und auch anders als Angela Merkel – kein Aussitzer, kein Probleme-vor-sich-Herschieber, sondern ein Anpacker. Ein Macher.

Noch etwas spricht für den forschen Franken: die Aussicht auf eine schwarz-grüne Koalition in Berlin nach der Bundestagswahl. Söder wäre der richtige Mann für dieses Regierungs-Bündnis. Ein kraftvoller Aufbruch in eine neue Ära der deutschen Innen- und Außenpolitik wäre ihm eher zuzutrauen als Armin Laschet.

Michael Watzke  (©Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Michael Watzke (©Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Michael Watzke, geboren 1973 in Remscheid, absolvierte die Deutsche Journalistenschule. Er studierte Politik und Soziologie in München und Washington DC. Nach Stationen bei SZ und BILD arbeitete er als Chefreporter für Antenne Bayern. 2003 gewann er den Axel-Springer-Preis. Danach Ausbildung an der Drehbuch-Werkstatt der HFF München. Als Autor des TV-Dramas "Das letzte Stück Himmel" (Regie: Jo Baier) erhielt er den Robert-Geisendörfer-Preis und war für den Deutschen Fernsehpreis nominiert. Arbeit als Regisseur und Produzent. Seit 2010 berichtet er für Deutschlandradio als Bayern-Korrespondent aus München.

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