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StartseiteKommentare und Themen der WocheCDU-Chef Laschet in schwieriger Lage06.04.2021

Kanzlerkandidatur und CoronaCDU-Chef Laschet in schwieriger Lage

Erst für Lockerungen, dann für den Lockdown - diese Ambivalenz illustriere, in welch schwierige Lage sich CDU-Chef Laschet innerparteilich manövriert habe, kommentiert Stephan Detjen. Im Rennen um die Kanzlerkandidatur könnte sich Widerstand gegen ihn in der Unionsfraktion zusammenbrauen.

Ein Kommentar von Stephan Detjen

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1002. Bundesratsitzung in Berlin Aktuell, 26.03.2021, Berlin, Armin Laschet CDU der Ministerpraesident von NRW und CDU Vorsitzender im Interview bei der 1002. Sitzung des Bundesrat in Berlin Berlin Berlin Deutschland *** 1002 meeting of the Bundesrat in Berlin News, 26 03 2021, Berlin, Armin Laschet CDU the State Premier of North Rhine-Westphalia and CDU Chairman in interview at the 1002 meeting of the Bundesrat in Berlin Berlin Germany (Imago Images / Political Moments)
NRW-Ministerpräsident Armin Laschet ist Parteivorsitzender der CDU (Imago Images / Political Moments)
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Armin Laschet verbrämte seinen jüngsten Vorstoß in der Corona-Politik mit einer Wortneuschöpfung, die mehr verschleiert als erklärt: "Brücken-Lockdown". Laschets Kollege Bodo Ramelow hatte sich in ähnlicher Lage im letzten Herbst verständlicher und ehrlicher ausgedrückt.

"Angela Merkel hatte recht, ich hatte unrecht", gestand der linke Regierungschef von Thüringen knapp und reumütig, nachdem die Ministerpräsidenten die damaligen Mahnungen der Kanzlerin in den Wind geschlagen hatten und die Infektionszahlen darauf hin wieder in die Höhe geschossen waren.

Nie wirklich geradliniger Corona-Kurs

Eine ähnliche Offenherzigkeit hätte Armin Laschet heute wahrscheinlich die politische Führungsrolle gekostet, die er jetzt und in der Zukunft für sich beansprucht. Dennoch kann der Aspirant auf die Kanzlerkandidatur von CDU und CSU nicht verbergen, dass sein jüngster Vorstoß eine Kehrtwende in seinem nie wirklich geradlinigen Corona-Kurs bedeutet.

Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, spricht während einer Pressekonferenz im Aachener Impfzentrum. (picture alliance/dpa | David Young) (picture alliance/dpa | David Young)Debatte über Corona-Maßnahmen - Nun wird es hektisch und konfus
Der von CDU-Chef Laschet jetzt vorgeschlagene "Brücken-Lockdown" ist richtig, kommt aber zu spät, kommentiert Theo Geers. Von Führung in der Krise, wie es die Mehrheit im Lande erwarte, sei immer weniger zu spüren.

Noch vor wenigen Wochen profilierte sich Laschet als Vorreiter schneller Lockerungen. Das Kalkül aber, die Rolle der Zuchtmeisterin ganz der Kanzlerin zu überlassen, um selbst als Überbringer guter Öffnungsnachrichten zu glänzen, ist nicht aufgegangen. Laschet hat nicht nur die längst bekannte Infektionsdynamik unterschätzt, sondern auch die Bereitschaft einer Mehrheit der Bürger, harte Einschränkungen in ihrem Leben hinzunehmen, um sich das Virus wirksam vom Leibe zu halten.

Wie so oft wird am Ende Konsequenz, Ehrlichkeit und messbarer Erfolg in der Politik honoriert werden. Evident ist heute, dass der von Laschet verfrüht vertreten Öffnungskurs nicht hielt, was er versprach. Seine jetzige Forderung nach einem verschärften Lockdown ist deshalb ein Offenbarungseid. Laschet verbindet ihn mit dem Ruf nach einer vorgezogenen Bund-Länder-Runde, mit der er zugleich politischen Führungsanspruch markiert.

Braut sich da was zusammen?

Diese Ambivalenz seiner Botschaften illustriert, in welch schwierige Lage sich der CDU-Chef auch innerparteilich manövriert hat. Mit Blick auf die Kanzlerkandidatur ist seine größte Stärke im Augenblick nur noch das Fehlen eines geschlossenen Machtblocks in der CDU, der ihm die Spitzenrolle absprechen und den Vorsitzenden der bayerischen Schwesterpartei zu Hilfe rufen könnte.

Am ehesten könnte sich der Widerstand dieser Tage in der Bundestagsfraktion zusammenbrauen. Als sie vor zweieinhalb Jahren Volker Kauder als Fraktionschef stürzten und Ralph Brinkhaus zu ihrem Vorsitzenden wählten, haben die Unionsabgeordneten bewiesen, dass sie zu einem konspirativ vorbereiteten Coup durchaus in der Lage sind. Und schon einmal – 1979 – hat die Fraktion die Entscheidung über die Kanzlerkandidatur an sich gezogen und Franz Josef Strauß zum erfolglosen Kandidaten gekürt.

Stephan Detjen  (Deutschlandradio / Bettina Straub)Stephan Detjen (Deutschlandradio / Bettina Straub)Stephan Detjen, Chefkorrespondent von Deutschlandradio. Studierte Geschichtswissenschaft und Jura an den Universitäten München, Aix-en-Provence sowie an der Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer. Rechtsreferendariat in Bayern und Redakteur beim Bayerischen Rundfunk. Seit 1997 beim Deutschlandradio, zunächst als rechtspolitischer Korrespondent in Karlsruhe. Ab 1999 zunächst politischer Korrespondent in Berlin, dann Abteilungsleiter bei Deutschlandradio Kultur. 2008 bis 2012 Chefredakteur des Deutschlandfunk in Köln. Seitdem Leiter des Hauptstadtstudios Berlin sowie des Studios Brüssel.

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