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StartseiteVerbrauchertippGrünes Investment mit Risiken16.10.2018

Kapitalanlage Bürgerwindparks Grünes Investment mit Risiken

Privatanleger erhoffen sich von Beteiligungen an Windparks eine gute Rendite. Doch in vielen Fällen werden die Erwartungen enttäuscht. Die Stiftung Warentest warnt nach einer Untersuchung nun vor zahlreichen Risiken des Investmentmodells.

Von Dieter Nürnberger

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Der Offshore-Windpark Butendiek, aufgenommen am 15.08.2016 etwa 30 Kilometer vor der Insel Sylt (Schleswig-Holstein) in der Nordsee. Die Stromproduktion der Windparks in der Nordsee hat sich im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum mehr als verdoppelt. (dpa/Daniel Reinhardt)
Investmentmodell mit Tücken: Offshore-Windpark vor Sylt (dpa/Daniel Reinhardt)
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Windkraftanlagen Rendite mit Risiko

Wind ist der bedeutendste Träger von erneuerbarer Energie in Deutschland. Laut Statistik gibt es in Deutschland inzwischen auch rund 600 Bürgerwindparks - meist in der Rechtsform einer Kommanditgesellschaft oder Genossenschaft. Wer als Anleger eine Beteiligung überlegt, sollte - wie bei jedem anderen Investment auch - zuerst einen Verkaufsprospekt anfordern. Auch Dokumente wie ein Ertragsgutachten sind wichtig. Doch in dieser Untersuchung zeigten sich die meisten Bürgerwindparks von vornherein wenig transparent, sagt Stefan Hüllen von der Stiftung Warentest:

"Wir haben natürlich Windparks angeschrieben und die Resonanz war sehr, sehr schlecht. Wir haben so gut wie überhaupt keine Antwort erhalten. Haben uns deswegen in den meisten Fällen die Unterlagen entweder über Online-Plattformen oder über die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht besorgt."

Keine feste Vergütung mehr für Strom

Das Geld wird meist für 20 Jahre angelegt. Ein langer Zeitraum, in dem sich viel ändern kann. Früher gab es beispielweise feste Vergütungssätze für den eingespeisten Strom aus einer Windkraftanlage. Das hat sich inzwischen geändert. 

"Jetzt werden die Vergütungspreise im Rahmen von Ausschreibungen festgelegt. Es kommen auch noch andere Faktoren hinzu: So ist mittlerweile der Preis an den Börsen relevant. Dass beispielsweise auch solche staatlichen Förder-Vergütungen eingestellt werden, wenn der Strompreis an der Börse negativ ist. Negative Strompreise findet man zeitweise und vor allem dann vor, wenn die Nachfrage nach Strom sehr gering ist und das Angebot sehr hoch. Beispielsweise kommen solche negativen Preise vor allem nachts vor. Da weht der Wind mitunter stark, aber Industrieanlagen sind meist nicht in Betrieb."

Was ein Windpark abwirft, hängt natürlich vor allem davon ab, wie gut oder schlecht der Wind weht. In der Vergangenheit waren viele Standortprognosen über das Windaufkommen allerdings zu optimistisch, sagt die Stiftung Warentest. Inzwischen seien die Prognosen zumindest etwas präziser.

Viele Stellschrauben für Erfolg - oder Verlust

Es gebe viele Stellschrauben für den Erfolg eines Windparks. Erfahrungsgemäß sollten etwa die Kosten für die Pacht des windstarken Standortes bei höchstens acht Prozent der Stromerlöse betragen. Sonst werde es schwierig, eine gute Rendite zu erzielen, so die Warentester.

In den meisten Fällen decken die Investitionen der Bürger rund 20 Prozent der Gesamtinvestitionssumme für eine Windanlage ab. Das heißt: Der größte Teil des Geldes stammt meist von einer Bank. Weshalb es zu Interessenkonflikten zwischen Entwicklern, Betreibern und Anlegern kommen kann. Ein hoher Anteil an Bankkrediten bei der Finanzierung erhöht zudem das Risiko, wenn es schlechter läuft, sagt Warentester Stefan Hüllen:

"Wenn sie also weniger Strom produzieren als erwartet, haben Sie entsprechende Einbußen bei den Ausschüttungen, die sie als Anleger erzielen möchten. Denn Sie müssen weiterhin unverändert hohe Beträge an Zinsen und Tilgungen an die Banken leisten. Deswegen bleibt dann allerdings auch weniger für die Eigenkapitalgeber übrig."

Auch können Behörden Genehmigungen beschränken oder Anlagen zweitweise sogar abschalten lassen, wenn Belange des Arten- oder Vogelschutzes verletzt werden.

Im Extremfall droht Totalverlust

Fazit der Stiftung Warentest: Auch Teilhaber von Bürgerwindparks müssen sich im Klaren sein, dass es ein unternehmerisches Risiko gibt. Es sollte nur Geld investiert werden, das langfristig nicht benötigt wird. Und da im Extremfall sogar ein Totalverlust droht, sollten Anleger nicht mehr als fünf Prozent des Vermögens in solche Beteiligungsmodelle stecken.

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