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StartseiteKalenderblattZweifler am Fortschritt09.01.2015

Karel ČapekZweifler am Fortschritt

Auf Roboter und Molche gründete sich der Weltruhm von Karel Čapek. Er gilt als früher Vertreter der Science Fiction und war einer der vielseitigsten Schriftsteller der 1920er- und 1930er-Jahre. Seine Biografie ist untrennbar mit der Ersten Tschechoslowakischen Republik verbunden. Vor 125 Jahren wurde Karel Čapek geboren.

Von Annette Kraus

Undatiertes Foto des tschechischen Schriftstellers Karel Čapek. (picture-alliance/ dpa - CTK)
Undatiertes Foto des tschechischen Schriftstellers Karel Čapek. (picture-alliance/ dpa - CTK)

"Meister Thagore, harmonische Stimme des Ostens, wir grüßen Sie aus der Tschechoslowakei, wo nun Schnee fällt, aus Europa, wo uns bang ist, aus der westlichen Welt, in der nicht einmal die fortschrittlichsten Nationen in der Lage sind, sich wie Brüder die Hände zu reichen."

Heiligabend 1937: Karel Čapek sendet über das Radio einen Friedensgruß nach Indien. Adressat ist der Nobelpreisträger Rabindranath Tagore. Eindringlich schildert der Schriftsteller Čapek die Angst vor einem neuen Krieg. Bedroht durch Hitlerdeutschland sieht er vor allem sein Heimatland. Seit der Staatsgründung im Jahr 1918 trat Čapek öffentlich für die erste Tschechoslowakische Republik ein. Jiří Holý, Professor für Bohemistik an der Prager Karlsuniversität:

"Er hat sich sehr, sehr viel engagiert. Er war kein Politiker, aber er wurde sozusagen zum kulturellen Symbol dieses Staates."

Geboren wurde Karel Čapek am 9. Januar 1890 in Malé Svatoňovice im Norden Böhmens. Sein Vater wirkte in der nördlichen Peripherie des Habsburgerreiches als Badearzt. Anfang des 20. Jahrhunderts zog die Familie nach Prag. Karel Čapek studierte Philosophie und Literaturwissenschaft, zugleich veröffentlichte er gemeinsam mit seinem älteren Bruder Josef erste literarische Werke. Als junger Autor zählte Čapek zur tschechischen Avantgarde.

"Da plädierte er für die Technik, für die moderne Kunst, für die Errungenschaften der Zivilisation."

Čapek und der Roboter

Doch die Kriegsmaschinerie des Ersten Weltkriegs, die Millionen Menschen in den Tod riss, ließ Čapek am Fortschritt zweifeln. Das ambivalente Verhältnis zwischen Mensch und Technik wurde fortan zu einem zentralen Punkt seines Schaffens. Den internationalen Durchbruch feierte er im Jahr 1921 mit dem Drama "R.U.R.", "Rossums Universal Robots". Ein Unternehmer will darin mit künstlichen Menschen das Original ersetzen.

"Ein Roboter ersetzt zwei und einen halben Arbeiter. Die menschliche Maschine, Fräulein Glory, war ungemein unvollkommen. Sie musste endlich einmal beseitigt werden."

Schnell wurde das Stück in 30 Sprachen übersetzt. Und: Es gab der Welt den Begriff des Roboters, der auf Čapeks Bruder Josef zurückgeht. Im Gegensatz zu seinen avantgardistischen Anfängen, richtete sich Karel Čapek nun an ein breites Publikum. Philosophische Fragen wurden ihm genauso zur Literatur wie seine Liebe zum Gärtnern oder sein Reisen durch Europa.

Čapek warnte vor Nationalsozialismus

Vielschreiber Čapek blieb dem Journalismus ein Leben lang treu. In der "Lidové noviny", der Volkszeitung, warnte er vor der Gefahr des Nationalsozialismus. Die Anhänger der neu gegründeten, demokratischen Tschechoslowakei fanden hier ihr Forum, in Anlehnung an eine philosophische Abhandlung von Čapek wurden sie später die Pragmatisten genannt. 1925 rief der Autor den Freitagsklub der "patečníci" ins Leben.

"Jeden Freitag trafen [sich] bei ihm im Haus Intellektuelle, meist diese pragmatische Generation. Aber da waren auch Kommunisten und andere dabei, die miteinander diskutierten. Und der Präsident Masaryk ist manchmal auch dazugekommen."

Über den ersten Präsidenten der Tschechoslowakei schrieb Čapek eine Biografie. Für die Nähe zu Tomáš Garrigue Masaryk musste der Autor auch Kritik einstecken. Als "Pressesprecher" der Burg wurde er verhöhnt, der rechten wie der linken Presse war Čapek ohnehin zu gemäßigt. Im Ausland allerdings galt er längst als wichtigster Autor der Tschechoslowakei. Als Hitler 1933 an die Macht kam, half Čapek Exilanten und unterzeichnete Petitionen gegen den Faschismus. Im Roman "Der Krieg mit den Molchen" entwarf er 1936 ein düsteres Szenario, in der Amphibien die Weltherrschaft übernehmen. Thomas Mann gratulierte Čapek 1937 in einem Brief; der Roman zeige die "abgründige Narrheit" Europas. Die Fiktion wurde bald zur Realität. Im Herbst 1938 leitete das Münchner Abkommen das Ende der Ersten Republik ein. Die rechte Presse der Tschechoslowakei schob die Verantwortung dafür auch den Repräsentanten der eigenen Nation zu. Čapek trafen die Verleumdungen hart. Am 25. Dezember 1938 starb er im Alter von 48 Jahren an einer Lungenentzündung.

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