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StartseiteCampus & KarriereSprachkurs für Neu-Skandinaven03.08.2015

Karriere im AuslandSprachkurs für Neu-Skandinaven

Wer als Berufseinsteiger ins Ausland will, muss die Sprache können und die Gepflogenheiten lernen. Bei einem zwölfwöchigen Kurs in Rostock lernen die Teilnehmer alles, was sie für ihre neues Leben brauchen.

Von Lenore Lötsch

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Es geht um korrekte Befehle zu Beginn der zweiten Woche des Norwegen-Sprachkurses im Rostocker Baltic Training Center. Die Teilnehmer des 12-wöchigen Kurses haben ihr Ziel hinter sich an der Wand: Eine große Norwegenkarte, jeder hat eine Traumregion. Oliver, der Maschinenbauingenieur aus Ilmenau, hatte sich im vergangenen August bereits dort beworben, die fehlenden Sprachkenntnisse verhinderten damals den Aufbruch. Nun plant er im Herbst den zweiten Versuch. "Dort, wo ich mich auch beworben hatte, das ist in Alesund. Mittlerweile sagt man Olesund nach 'ner Woche Norwegisch hier."

Dass ihr Nachname hier in diesem Seminarraum keine Rolle spielt, auch das ist Teil der Vorbereitung auf Norwegen erzählt Hanno Frick, der Sprachlehrer. "Also man sagt Du und das hat nichts damit zu tun, das man keinen Respekt vor dem Gegenüber hat, sondern das ist eben Usus. Man legt sehr großen Wert auf Familie: Es werden zum Teil wichtige Meetings abgebrochen, weil der Vorstandsvorsitzende seine Kinder aus dem Kindergarten abholen muss und sagt: Morgen ist auch noch ein Tag, an dem wir das weiterverhandeln können."

In der nächsten Übung sollen die Teilnehmer sich eine neue Identität basteln. Und so wird aus der Touristikexpertin Judith aus Potsdam eine Tänzerin aus China. Judith hat bereits in England gelebt, in Spanien, der Schweiz und Chile. Nun aber will sie nach Norwegen, gemeinsam mit ihrem Freund. Und dort vielleicht eine Familie gründen. "Also, ich hab vorher in einem Startup Umfeld gearbeitet in Berlin, wo man doch sehr viel Energie lässt und man ja einfach nur noch arbeitet und gar kein Privatleben groß hat und ich denke, das wir das dort finden können, also es geht uns um ein einfaches Leben, aber mit gewisser Entspannung und dort ist eben die Leistungsgesllschaft nicht so ausgeprägt wie bei uns. Es geht mehr um ein Miteinander, als um ein Gegeneinander."

Hanno Frick nickt und erzählt, dass es dafür gewissermaßen einen skandinavischen Kodex gibt, eine Art moralisches Grundgesetz: Das Jantegesetz.

Auf Zwischentöne achten

"Das gilt auch für Norwegen, dieses Janteloven. Das hat postive und negative Aspekte, aber es im Wesentlichen damit zu tun, das man nicht versuchen sollte, aus der Masse herauszustechen, das hat natürlich auch historische Gründe. In Norwegen ist es immer sehr wichtig gewesen, dass die Leute sich einig sind. Das wäre der postive Aspekt: Es soll sich keiner schlechter fühlen, als der andere, aber man solle auch nicht meinen, man könnte nach oben aus der Masse herausstechen und glauben, man wäre etwas Besseres, das wird nicht besonders gern gesehen."

Die interkulturellen Fallstricke zwischen Deutschen und Norwegern aber lauern längst nicht nur bei der Suche nach dem richtigen Maß von Individualität und Gemeinschaftssinn. Hanno Frick rät den zukünftigen Deutschnorwegern, auf Zwischentöne zu achten. "Zum Beispiel: Es ist ja in Norwegen nicht üblich, jemanden direkt ins Gesicht zu kritisieren und Probleme sofort anzusprechen, sondern es wird immer sehr viel vorsichtiger gemacht als hier. Da gabs dann schon manchmal Missverständnisse, wenn jemand meinte, er ist auf der sicheren Seite, weil in den letzten Wochen kein großer Krach in der Firma geherrscht hat, aber er vielleicht nicht die feinen Antennen hatte, zu spüren, dass man doch nicht ganz zufrieden war mit dem was er getan hat."

Der große Run nach Norwegen scheint im Moment eher vorbei zu sein. Die Ölkrise lässt die Skandinavier vorsichtiger sein, doch gut ausgebildete Handwerker, Ingenieure und Krankenschwestern werden auch jetzt noch gesucht. Norwegischkenntnisse aber sind unabdingbar, obwohl viele Norweger sehr gut Englisch sprechen. Die gute Nachricht: "Also es ist für Deutsche eine Sprache, die relativ leicht zu erlernen ist, und wenn man Norddeutscher ist und noch ein bisschen plattdeutsch kann, dann hilft das sehr, man sagt etwa 30 bis 40 Prozent des Wortschatzes hat niederdeutschen Ursprung, also das ist schon ne Sprache, die uns sehr liegt."

Ab Oktober wollen der Pastor, die Erzieherin, die Touristikexpertin und der Ingenieur in Norwegen arbeiten. Zumindest für die nächsten fünf Jahre plant Oliver aus Ilmenau, der - anders als die anderen - sich allein auf den Weg macht ins Land der flachen Hierachien. "Also ich hab 'ne Familie, aber bin nicht gebunden, also ich hab 'ne Mutter – die kommt nicht mit. Schön wärs, aber mittlerweile kann ich auch selber waschen."

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