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StartseiteUmwelt und Verbraucher"Für Tierfreunde ist jede streunende Katze eine zuviel"08.08.2018

Kastrationspflicht für Katzen"Für Tierfreunde ist jede streunende Katze eine zuviel"

Tierschützer fordern in vielen Städten eine Kastrationspflicht für Straßenkatzen. Das ist gut für das Wohl der Tiere - denn die ehemaligen Hauskatzen finden oft zu wenig Futter und leiden an Infektionskrankheiten, erklärt Dlf-Umweltredakteur Dieter Nürnberger.

Dieter Nürnberger im Gespräch mit Stefan Römermann

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Ein etwa sechs Wochen altes Kätzchen liegt am 24.06.2015 auf einem Gartenstuhl in Sieversdorf im Landkreis Oder-Spree (Brandenburg). (dpa / ZB / Patrick Pleul)
In deutschen Kommunen gibt es rund zwei Millionen ehemalige Hauskatzen, die ausgesetzt wurden oder weggelaufen sind - und nun auf den Straßen Not leiden. (dpa / ZB / Patrick Pleul)
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Stefan Römermann: Es ist Weltkatzen-Tag...Auf vielen Webseiten und sogar in manchen Zeitungen gibt es deshalb heute so viele niedliche Katzenbilder wie schon lange nicht mehr. Die können wir Ihnen im Radio ja zum Glück ohnehin nicht zeigen. Also nehmen wir den Weltkatzentag zum Anlass, um über ein ernstes Katzenthema zu sprechen. Nämlich über eine Kastrationspflicht für Freigängerkatzen. Die gibt es bereits in mehreren Bundesländern und vielen Kommunen. Jetzt bereitet auch Berlin so eine Regelung vor. Welche Gründe sprechen denn für so eine Kastrationspflicht?

Dieter Nürnberger: Plakativ ausgedrückt - für viele Tierfreunde oder auch Tierschützer ist jede streunende oder ausgesetzte Katze eine zu viel. Die Diskussion über ein Kastrationsgebot ist längst im Gang - und es gibt inzwischen knapp 700 Kommunen mit Kastrationsgebot. Beispielsweise ist derzeit auch in Berlin auf Landesebene eine neue Katzenschutzverordnung in Arbeit - und allein in der Hauptstadt wird geschätzt, dass es hier rund 10.000 Straßen- oder Streunerkatzen gibt. Für eine Kastration spricht vor allem die Situation der Tiere, sagt Moira Gerlach, sie ist Fachreferentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund:

Streunende Katzen leiden Not

"Das Problem der freilebenden oder auch genannten Straßenkatzen ist, dass diese Katzen ursprünglich von unkastrierten Katzen aus privathaushalten abstammen. Und sich daher nicht selbständig und ausreichend versorgen können. Diese Katzen leben in einem großen Elend, sie finden zu wenig Futter, leiden unter Infektionskrankheiten und Parasiten. Sie sterben auch recht früh."  

Der Tierschutzbund schätzt, dass es bundesweit rund zwei Millionen dieser Straßen- oder Streunerkatzen gibt. Und das Problem verschärft sich ständig, weil es eben regelmäßig zu Paarungen auch mit freilaufenden Hauskatzen kommt. Auch der BUND, der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, spricht sich für ein Kastrationsgebot für freilaufende Katzen generell aus. Das sei nachhaltiger Katzenschutz, sagt Christiane Bohn, Expertin beim BUND:

Natürliche Feinde fehlen

"Denn es ist ja so, dass freilebende Katzen keine natürlichen Feinde mehr haben. Es gibt sicherlich die Bedrohung durch die Straßen, dass sie überfahren werden. Aber sie haben keine natürliche Reglementierung. Dadurch besteht die Gefahr, dass eine extrem schnelle Fortpflanzung dieser Katzen passieren kann. Eine Katze kann zweimal im Jahr Junge bekommen. Vier bis sechs Junge pro Wurf. Da kann man sich ausmalen - innerhalb weniger Jahre würde sich die Anzahl eben vervielfachen." 

In rund 700 Kommunen gibt es bereits Kastrationsgebote - und bis erste Auswirkungen sichtbar werden, dauert es natürlich eine Weile. Aber es gebe Rückmeldungen beispielsweise von Tierheimen, dass weniger Katzenwelpen ausgesetzt oder in Tierheimen abgegeben würden. Und das wird als Fortschritt gewertet.        

Stefan Römermann: Das Kastrationsgebot ist das eine, ein Kontrollgebot das andere. Was genau soll hier gemacht werden?

Registrierungspflicht hilft bei Zuordnung

Dieter Nürnberger: Bei der Kastration gehe es darum, so der Tierschutzbund, den Kreislauf einer unkontrollierten Fortpflanzung zu verhindern. Und auch an Katzenbesitzer geht beispielsweise dieser Kastrationsappell. Und auch eine Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht steht ganz oben auf der Liste der Forderungen. Moira Gerlach vom Tierschutzbund sieht hier viele Vorteile:

"Wenn beispielsweise ein Tier entlaufen ist, kann es sofort seinem Besitzer zugeordnet werden. Man kann zudem unterscheiden, ob das Tier überhaupt einen Besitzer hat, oder ob es eine freilaufende Katze ist. Eine Kennzeichnung freilaufender Tiere ist auch deshalb sinnvoll, damit man erkennen kann, ob sie schon kastriert sind. Meistens wird über die Gemeinde oder das Tierheim gekennzeichnet. Dann kann man die Tiere gut zuordnen und die Population der freilaufenden Katzen im Auge behalten. Und so die Eindämmung auch weiter fördern."

Auch Wildkatzen sollten besser geschützt werden

Stefan Römermann: Neben freilaufenden Streuner- oder Straßenkatzen gibt es auch noch wahre Wildkatzen in Deutschland. Und die sind gar nicht so einfach zu unterscheiden?

Dieter Nürnberger: Das ist richtig - und es gibt noch rund 2.000 wahre Wildkatzen in Deutschland. Sie benötigen mehr Schutz als bisher - das zumindest ist die Einschätzung des Bundes für Umwelt- und Naturschutz zum heutigen Weltkatzentag. Aber immerhin streift die Europäische Wildkatze wieder vermehrt durch deutsche Wälder, so Wildkatzenexpertin Christiane Bohn:

"Die Wildkatze ist von der Erscheinung her etwas größer und schwerer. Sie hat einen etwas buschigeren Schwanz, hat ebenso einen weißen Kehlfleck, sie wirkt insgesamt massiver. Die europäische Wildkatze lebt recht versteckt in einigen ursprünglichen Wäldern. Wir haben in Deutschland zwei Hauptverbreitungsgebiete - zum einem die Region um den Nationalpark Hainich und zum anderen im Südwesten, von der Eifel über Rheinlandpfalz bis zum Schwarzwald."

Der BUND fordert mehr Maßnahmen zum Schutz dieser Gattung. Es müssten vor allem die Biotop-Verbünde hierzulande gestärkt werden. Es geht also um mehr zusammenhängende Waldgebiete, damit die Europäische Wildkatze besser und geschützter umherstreifen kann.

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