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StartseiteSport AktuellRückzugsort Stadion20.12.2017

Katalonien-WahlRückzugsort Stadion

In Katalonien wird gewählt. Nach einer Unabhängigkeitserklärung und der Auflösung des Regionalparlaments durch den spanischen Staat bestimmen die Bürger neue Abgeordnete für das Regionalparlament. Im Stadion Camp Nou des FC Barcelona ergibt sich ein Stimmungsbild der Unabhängigkeitsbewegung.

Von Sebastian Trepper

Fans des FC Barcelona mit katalanischen Flaggen (dpa/picture alliance/Alberto Estevez)
Fans des FC Barcelona mit katalanischen Flaggen (dpa/picture alliance/Alberto Estevez)
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Independencia fordern die Anhänger des FC Barcelona – Unabhängigkeit. Vier Tage vor der Wahl geht es gegen Deportivo La Coruna. Ein schwacher Gegner, ein lockeres 4:0. Es bleibt leise im riesigen Camp Nou. Doch nach 17 Minuten und 14 Sekunden erwacht das Stadion für die Unabhängigkeitsforderungen.

17 Minuten und 14 Sekunden, weil die Katalanen 1714 nach dem spanischen Erbfolgekrieg kapitulierten und ihre Eigenständigkeit verloren. Einer der beiden wichtigen geschichtlichen Bezüge der Unabhängigkeitsverfechter neben dem massiven Widerstand gegen den Diktator Franco im 20. Jahrhundert. Schon in der Franco-Zeit spielte der FC Barcelona eine Rolle, erklärt Marc – Unabhängigkeitsbefürworter und Barca-Fan seit Kindertagen.

"Barca ist schon immer als kleine Flucht benutzt worden."

Marc sagt: "Die Menschen kamen ins Stadion, um sich an einem Spiel zu erfreuen. Und außerdem war es wie eine Insel, auf der es mehr Freiheit gab. Barca ist schon immer als kleine Flucht genutzt worden."

Auch heute empfinden viele den FC Barcelona wieder als Rückzugsort für die Befürworter der Unabhängigkeit. Und damit ist nicht nur die legendäre Fußballabteilung gemeint, sondern der ganze Verein. Wenige Stunden vor Messi und Co spielen die Basketballer im alt-ehrwürdigen Palau Blau-Grana.

Natürlich in blau-roten Streifen gegen das knallgelbe Team aus Gran Canaria. Die Menschen im Barca-Fanblock wirken dabei auf den ersten Blick wie Gästefans. Sie tragen ebenfalls gelb. Der Grund ist allerdings ein anderer. Denn gelb ist die Farbe der Unterstützung für inhaftierte Politiker, wie die ehemaligen Regionalminister.

Viele Symbole, keine Eskalation

Auch in der Stadt sind Demonstrationen und die Symbole der politischen Auseinandersetzung allgegenwärtig. Dennoch gibt es auch Zeichen dafür, dass der Konflikt nicht eskaliert. Marc sagt, dass er vor allem möchte, dass die Bürger ein Mitspracherecht bekommen. Er sagt:

"Ich würde gerne in einem unabhängigen Katalonien leben. Aber wenn die Katalanen sich dafür entscheiden weiter zu Spanien zu gehören, dann respektiere ich das."

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