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KatastrophenschutzWann kommt die Warnung per "Cell Broadcast"?

Überschwemmungen in Erftstadt-Blessem. (Rhein-Erft-Kreis)
In Erftstadt-Blessem dürfen heute voraussichtlich Menschen in ihre Häuser zurück. (Rhein-Erft-Kreis)

Das Warnsystem "Cell Broadcast", das Direktnachrichten auf Mobiltelefone sendet, soll auch in Deutschland eingeführt werden. Experten hatten dies schon seit längerem gefordert. Bei Katastrophen kann es Leben retten.

Der Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, Schuster, rechnet mit der Einführung des neuen Systems. Im ARD-Fernsehen sagte er, Bundesinnenminister Seehofer habe im Prinzip schon fast entschieden, dass das Cell Broadcasting komme. In Kombination mit klassischen Sirenen werde dies in den nächsten Jahren garantiert Wirkung erzielen. Bei der Warnung vor dem Hochwasser sei "nicht alles optimal gelaufen", räumte Schuster ein.

Nachricht auch im "Nicht stören"-Modus

Cell Broadcast hat mehrere Vorteile. Zunächst ist es regional spezifisch: Die zuständigen Behörden können damit Warn-Nachrichten gezielt an alle Handynutzer schicken, die sich gegenwärtig in bestimmten Funkzellen des Mobilfunknetzes aufhalten. Außerdem bedarf es keiner Vorbereitung: Nutzer müssen keine speziellen Apps installieren und auch keinen Ort einstellen wie im Fall der Warnapps wie Nina oder Katwarn. So können deutlich mehr Menschen erreicht werden. Die Warninformation hat dabei Vorrang vor Handy-Einstellungen: Sie gibt immer einen Signalton ab, auch wenn das Gerät auf lautlos gestellt ist, es muss lediglich eingeschaltet sein.

Niederlande nutzen die Technik seit 2012

Viele Länder wie die USA, Großbritannien und Japan nutzen solche System bereits. In den Niederlanden ist seit 2012 "NL-Alert" im Einsatz. Europaweit gibt es seit mehreren Jahren gemeinsame Standards, Ziel ist ein gemeinsames System namens "EU Alert", das Notfallnachrichten binnen drei Minuten übertragen soll. Eine Richtlinie dazu aus dem Jahr 2018 ist in Deutschland allerdings noch nicht vollständig umgesetzt. Die Frist dazu läuft bis in den Juni 2022.

Nach der Unwetterkatastrophe im Westen Deutschlands hat die Frage der technischen Warnmöglichkeiten neue Brisanz erhalten. Viele Anwohner in den betroffenen Gebieten waren zwar vorgewarnt, dass es Unwetter geben würde. Die Information, wie schlimm es konkret in einzelnen Orten werden würde, erreichte vor allem in der Nacht viele Menschen nicht - auch weil es die Handy-Warnungen hierzulande noch nicht gibt.

Weitere Informationen: Zivil- und Katastrophenschutz - Wie die Menschen bei einer Katastrophe gewarnt werden

Sie können sich zudem in unserem Unwetter-Newsblog über alle relevanten Entwicklungen auf dem Laufen halten.

Diese Nachricht wurde am 22.07.2021 im Programm Deutschlandfunk gesendet.