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StartseiteKalenderblattKathedrale des Fußballs28.04.2013

Kathedrale des Fußballs

Vor 90 Jahren wurde das Londoner Wembley-Stadion eröffnet

Es galt als mystischer Ort: das Wembley-Stadion in London. Nicht nur dramatische Fußballspiele, auch Konzerte und sogar die Weltpolitik hatten im einst größten Stadion Europas ihren Platz. Vor 90 Jahren feierte das damalige "Empire Stadium" in Anwesenheit von König Georg V. Eröffnung.

Von Eduard Hoffmann

Das umstrittene Tor der Engländer zum 3:2 gegen Deutschland im WM-Finale 1966 im Wembley Stadion. England gewann 4:2. (AP Archiv)
Das umstrittene Tor der Engländer zum 3:2 gegen Deutschland im WM-Finale 1966 im Wembley Stadion. England gewann 4:2. (AP Archiv)

Mit dem englischen Fußball-Pokalfinale zwischen "Bolton Wanderers" und "West Ham United" wurde das neue Stadion im Londoner Stadtteil Wembley am 28. April 1923 eröffnet. Über 250.000 Zuschauer strömten in die Sportarena, die offiziell nur Platz für 127.000 Besucher bot.
Berittene Polizisten mussten Tausende Fans vom Rasen drängen. Das Spiel, dem auch König Georg V. beiwohnte, konnte erst mit einer Stunde Verspätung angepfiffen werden.

Das Stadion hieß zunächst Empire Stadium. Es war Teil der British Empire Exhibition, einer riesigen kolonialen Handelsausstellung, die bis zum Herbst 1925 in London stattfand. Der Bau des damals größten Stadions in Europa hatte nur knapp ein Jahr gedauert. Als Wahrzeichen ragten zwei trutzige weiße Türme im Art-déco-Stil in den Himmel. Zwischen diesen befanden sich die königliche Loge und das Podest für die Siegerehrung. 29 Stufen mussten die Sportler hochsteigen, um aus den Händen von Königin oder König Pokale und Medaillen zu empfangen.
1948 eröffnete hier König Georg VI. die 14. Olympischen Sommerspiele.

"I proclaim open the Olympic Games of London celebrating the 14th Olympiad of the modern era."

Weltweit berühmt wurde die Londoner Sportstätte vor allem als Fußballstadion. Alle FA Cup Finals, die englischen Pokalendspiele, fanden hier statt, und die englische Fußball-Nationalelf trug auf dem "heiligen Rasen" ihre Heimspiele aus. Unvergessen ist das Finale der Weltmeisterschaft 1966 gegen die bundesdeutsche Elf, als in der Verlängerung das legendäre und bis heute umstrittene Wembley-Tor fiel.

"Kein Tor, kein Tor, der Linienrichter hat die Fahne nicht hoch, der Ball prallt von der Querlatte ab, das war wieder Glück, Hurst hatte geschossen und der Ball schien im Netz, Höttges hat seinen Fehler – nein, der Linienrichter gibt Tor, der Linienrichter gibt Tor, er hat den Ball im Netz gesehen."

Es war das 3:2 für das englische Team, das noch ein weiteres Tor schoss und zum ersten und bislang einzigen Mal Fußball-Weltmeister wurde.

"Wenn man da einmal spielt, dann will man in keinem anderen Stadion mehr spielen, das war vor 100.000 Zuschauern,"

erinnerte sich der Augsburger Mittelfeldspieler Helmut Haller an das denkwürdige Endspiel. "Kathedrale des Fußballs", so nannte der brasilianische Weltstar Pelé das Stadion.

Aber in Wembley wurde auch geboxt, Rugby gespielt, Feldhockey und American Football. Es fanden Motorrad- und Windhundrennen statt.

In den 70er-Jahren wurde Wembley zu einem beliebten Veranstaltungsort für Rock- und Pop-Konzerte. Pink Floyd, die Rolling Stones und U2 traten hier auf, Madonna, Elton John und Michael Jackson. Es gab zahlreiche Wohltätigkeits- und Solidaritätskonzerte. Immer war das Stadion ausverkauft. Auch im April 1990, als viele Weltstars mit ihrer Musik die Freilassung von Nelson Mandela aus dem Gefängnis feierten.

"We heard your voices demanding our freedom."

"Wir haben Eure Stimmen gehört, die unsere Freiheit forderten", bedankte sich der lange inhaftierte südafrikanische Freiheitskämpfer auf der Wembley-Bühne für die weltweite Unterstützung im Kampf gegen die Apartheid.

Mit dem neuen Jahrtausend kam das Ende des altehrwürdigen Stadions. Wembley genügte nicht mehr den Ansprüchen einer Sportarena des 21. Jahrhunderts und wurde abgerissen. An gleicher Stelle baute man ein neues Stadion, doppelt so groß und viermal höher. 2007 eröffnete New Wembley, mit einem Jahr Verspätung und einer enormen Kostensteigerung auf insgesamt 1,4 Milliarden Euro. Als Wahrzeichen dient jetzt ein beleuchteter 133 Meter hoher Stahlbogen, der quer über das moderne Oval gespannt ist.

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