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StartseiteTag für Tag"Ein gutes Zeichen"19.11.2018

Katholische Kirche"Ein gutes Zeichen"

Ansgar Wucherpfennig ist wieder Rektor der Jesuitenhochschule Sankt Georgen. Der Vatikan gab ihm nun doch das Nihil Obstat, die Unbedenklichkeitsbescheinigung. Der Theologe zeigt sich überrascht - und erleichtert.

Von Ludger Fittkau

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Ansgar Wucherpfennig, Rektor der katholischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt am Main. Rom wolle Wucherpfennig wegen liberaler Äußerungen über Homosexualität und Frauen in der Kirche aus dem Amt drängen.  (picture alliance/dpa/Foto: Frank Rumpenhorst)
Ansgar Wucherpfennig, Rektor der katholischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt am Main. Rom wolle Wucherpfennig wegen liberaler Äußerungen über Homosexualität und Frauen in der Kirche aus dem Amt drängen. (picture alliance/dpa/Foto: Frank Rumpenhorst)

Es ist ein glücklicher und ein wenig erschöpfter Ansgar Wucherpfennig, der mich in seinem Büro in der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Georgen empfängt:

"Ja, ich bin immer noch überrascht – wobei, kann man eigentlich nicht sagen. Mittlerweise bin ich nicht mehr überrascht, sondern ich bin erleichtert aber auch ein wenig müde jetzt nach den ganzen Wochen."

Nach den Wochen der Unsicherheit, ob er von der Bildungskongregation des Vatikans das "Nihil Obstat" bekommen wird oder nicht – die Erlaubnis, für eine weitere Periode die Hochschule der Jesuiten in Frankfurt am Main leiten zu können. Diese Erlaubnis war zunächst nicht erteilt worden, weil Rom einen öffentlichen Widerruf liberaler Positionen Wucherpfennigs zur Homosexualität, zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare und zum Frauendiakonat verlangt hatte.

Doch der Limburger Ortsbischof Georg Bätzing, die deutschen Jesuiten sowie die Frankfurter Stadtkirche hatten sich in den letzten Wochen vorbehaltlos hinter Wucherpfennig gestellt und das auch in Rom sehr deutlich gemacht. Dass sich in seiner Sache im Vatikan etwas tut, wusste Ansgar Wucherpfennig:

"Gewähren Sie Gedankenfreiheit"

"Es gab zwar Lösungen, die sich abgezeichnet hatten, aber ich hatte jetzt nicht den Eindruck, dass das schnell gehen würde.  Ich hätte mir auch vorstellen können, dass sich das noch ein halbes Jahr, ein Jahr oder meinetwegen auch zwei Jahre hinauszögert."

Die nun doch schnelle Entscheidung Roms betrachtet der damit im Amt bestätigte Frankfurter Hochschulleiter auch als einen Erfolg der mehrheitlich liberalen Haltung der Katholiken im Bistum Limburg, zu dem auch Frankfurt am Main gehört:

"Fürs Bistum Limburg finde ich es eine gute Entscheidung, weil ja das Bistum Limburg den Weg einer offenen Kirchlichkeit und Katholizität eingegangen ist und das finde ich eine große Bestärkung. Auch für die Frankfurter Stadtkirche. Erstens finde ich es eine große Solidarität, die sich da gezeigt hat. Auch hier nochmal in der Hochschule. Es ist erstaunlich, wie wir uns hier alle zusammengerauft haben, wie dann auch Schritt für Schritt zu gehen ist. Und da finde ich es ein gutes Zeichen, weil es wirklich die Freiheit signalisiert, jetzt voran zu denken und keine Tabus aufzustellen. Das finde ich jetzt nochmal in Reaktion auf die Missbrauchsstudie aufgeworfen werden ein sehr wichtiges Zeichen."

Wichtig ist für Ansgar Wucherpfennig zudem, dass ihm das "Nihil Obstat" ohne weitere Auflagen erteilt wurde. Der Hochschullehrer hofft nun, dass auch weitere Fälle, die Rom zurzeit beschäftigen, im Sinne der Wissenschaftsfreiheit entschieden werden:

"Das hoffe ich, es gibt ja offensichtlich einige Fälle, die in Rom anhängig sind, auch Lehrentzugsverfahren. Und das Signal jetzt "Gewähren sie Gedankenfreiheit" aus Schillers Don Carlos wäre das Motto für mich, das fände ich, sollte auch in anderen Fällen erfolgen."

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