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StartseiteVerbrauchertippMit Reklamationen in der EU nicht zu lange warten30.05.2018

Kauf von Auslandsprodukten Mit Reklamationen in der EU nicht zu lange warten

Wer Produkte wie Notebooks, Haarschneider oder Kameras in Ländern der Europäischen Union erwirbt, kann die gekaufte Ware innerhalb von zwei Jahren umtauschen. Wer reklamiert, sollte allerdings nicht zu lange warten, wenn ein Mangel aufgetreten ist, sagen Verbraucherschützer.

Von Annette Eversberg

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Paket mit der Aufschrift Rücksendung (imago / Photothek)
Schweden gewährt drei Jahre Rückgabefrist, Irland sogar sechs. Die Regel in der EU sind zwei Jahre (imago / Photothek)
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EU-weites Gewährleistungsrecht "Länder müssen über Fristen hinausgehen können"

Privathändler sollten Gewährleistung ausschließen

Das Recht auf Gewährleistung beim Kauf eines Produkts gilt grundsätzlich in allen Ländern der Europäischen Union. Reklamieren kann man demnach eine gekaufte Ware innerhalb einer Frist von zwei Jahren. Sie kann länger sein als in Schweden, wo der Kunde drei Jahre lang Zeit für eine Reklamation hat. In Irland beträgt die Frist sogar sechs Jahre.

Aber auf keinen Fall darf sie unterschritten werden. Innerhalb der ersten sechs Monate muss man als Kunde auch nicht beweisen, dass der Haarschneider, die Kaffeemaschine oder das Notebook schon beim Kauf fehlerhaft war. Portugal und Frankreich sind da noch kundenfreundlicher. Hier gelten sogar zwei Jahre für diese Beweislast des Verkäufers. Das bedeutet, so André Schulze-Wethmar vom Europäischen Verbraucherzentrum in Kehl, "dass man europaweit bei fehlerhaften Produkten, sei es jetzt, dass das Produkt nicht funktioniert, oder dass es über eine zugesicherte Eigenschaft nicht verfügt, dass man dann den kostenlosen Austausch oder die kostenlose Reparatur verlangen kann."

Denn auch die Frage der Kosten ist im EU-Recht geregelt, sagt der Verbraucherschützer. "In der europäischen Regelung steht, dass für den Käufer keine Kosten entstehen dürfen. Es ist allerdings so, wenn man das Produkt in einem Geschäft kauft und das von zuhause aus zum Geschäft zurücksenden muss, dass man erst einmal das Produkt auf eigene Kosten zurückschicken muss, man die Versandkosten danach dann zurückfordert."

Deutsche Recht sieht keine Anzeigefristen vor

Wer reklamiert, sollte nicht lange warten, wenn ein Mangel aufgetreten ist. André Schulze Wethmar: "Das deutsche Recht sieht gar keine Anzeigefristen vor. Man sollte immer sofort reklamieren. Aber diese Anzeigefristen gibt es in anderen Ländern, wie z.B. Spanien oder Italien. Da muss man innerhalb von zwei Monaten, nachdem der Defekt aufgetreten ist, reklamieren. In den Niederlanden, da ist es ein angemessener Zeitraum, das wird nicht näher definiert, aber das sind auch so zwei Monate."

Kann das Gerät nicht ausgetauscht werden, dann kann man sein Geld zurückverlangen. Der Verbraucherschützer rät für diesen Fall, dass man sich schriftlich an den Verkäufer wendet und ihm eine angemessene Frist setzt. Der Mangel sollte auch genau beschrieben werden, am besten mit Fotos.

In Frankreich gilt dafür eine Frist von einem Monat, in Großbritannien sollte man sich vorher vom Verkäufer schriftlich bestätigen lassen, dass er das Geld erstattet, wenn man die Ware zurücksendet. Wer allerdings ein Gerät in EU-Ländern, z.B. Frankreich, Spanien oder Bulgarien kauft, der sollte unbedingt zunächst prüfen, ob es überhaupt für den deutschen Markt produziert wurde, rät der Verbraucherschützer.

"Beispielsweise man kauft ein Notebook im Ausland und hat dann nicht die deutsche Tastatur, sondern die Tastatur des jeweiligen Landes." Darüber hinaus sollte man auch in die allgemeinen Geschäftsbedingungen, die AGBs, schauen, um die Gewährleistung zu überprüfen.

Herstellergarantie muss extra ausgewiesen sein

Das Recht auf Reklamation gilt immer nur gegenüber dem Verkäufer oder dem Händler. Manche Hersteller bieten darüber hinaus eine freiwillige Garantie. In einigen EU-Ländern sind sie gesetzlich dazu verpflichtet, so in Finnland, Schweden, Norwegen und den Niederlanden. In Deutschland liegt dies im Ermessen des Herstellers. Auf jeden Fall sollte dann eine Garantieurkunde des Herstellers in den Unterlagen zum Gerät enthalten sein.

Eine schnelle Hilfe bietet inzwischen die kostenlose App des Europäischen Verbraucherzentrums: "Mit Erfolg reklamieren." Aber eines gilt auf jeden Fall: Man sollte das gekaufte Gerät nach dem Kauf einmal ausprobieren, André Schulze-Wethmar.

"Gehen Sie dann sofort in das Geschäft und reklamieren Sie den Fehler. Das ist viel einfacher, als wenn man das dann später von zu Hause aus macht."

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