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StartseiteVerbrauchertippFür wen der Online-Fahrradkauf infrage kommt02.06.2021

KaufhilfeFür wen der Online-Fahrradkauf infrage kommt

Die Nachfrage nach Fahrrädern ist seit Beginn der Corona-Pandemie explodiert - und damit auch die Internet-Bestellungen. Doch wer auf die Beratung und Probefahrt vor Ort verzichtet, kann sich schnell vertun. Einige Punkte sollten vor einem Onlinekauf unbedingt beachten werden.

Von Tristan Schwarz

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"Mache mer schon" ("Machen wir schon") steht auf hessisch am Schaufenster eines Fahrradgeschäftes am Rande der Innenstadt.  (dpa / picture alliance / Frank Rumpenhorst)
Wer im Internet bestellt, muss das gelieferte Fahrrad zum Teil selbst zusammenbauen. Das kann nicht jeder. (dpa / picture alliance / Frank Rumpenhorst)
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Wer sich ein Fahrrad online bestellt, verzichtet auf die persönliche Beratung eines Fahrradhändlers vor Ort. So müssen Verbraucher erst einmal selbst in Erfahrung bringen, was für ein Fahrradtyp und welche dazugehörige Ausstattung benötigt wird. Auch muss die passende Rahmenhöhe für einen angenehmen Sitz ermittelt werden, erklärt René Filippek, Redakteur des ADFC-Magazins "Radwelt".

"Die meisten Versender bieten einen Rahmenhöhenrechner an, mit dem man die benötigte Rahmenhöhe feststellen kann. Meist landet man dann zwischen zwei Rahmenhöhen. Grundsätzlich gilt dann, dass man auf einem kleineren Rahmen komfortabler sitzt, auf einem größeren Rahmen etwas gestreckter."

Online-Kauf setzt handwerkliches Geschick voraus

Sich eigenständig zu informieren kann sich lohnen. Onlinehändler verkaufen die gleichen Fahrräder meist deutlich günstiger als stationäre Händler. 

"Man bekommt also mehr Fahrrad für das gleiche Geld, trotz der Versandkosten", so Filippek. Zudem ist die Auswahl im Internet um ein Vielfaches größer. Wer sich für den Onlinekauf entscheidet, sollte aber zumindest ein wenig handwerklich begabt sein. René Filippek:

"Das Fahrrad kommt im Karton an und ist dann noch nicht fahrfertig. Je nach Hersteller ist dann nur der Lenker quergestellt, bei vielen muss man aber verschiedene Komponenten noch einbauen, wie zum Beispiel die Laufräder, Lenker, Sattelstütze und Sattel. Das ist an sich nicht schwierig und es gibt ja auch passende Anleitungen dazu, aber wer keine Erfahrungen mit Fahrrädern hat fühlt sich da eventuell nicht ganz wohl dabei, nicht 100-prozentig zu wissen, ob man das jetzt auch alles richtiggemacht hat."

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Widerrufsrecht bei Nichtgefallen

Braucht man für den Zusammenbau und die richtige Einstellung dann aber professionelle Hilfe, so kann der stationäre Kauf unter Umständen doch die wirtschaftlich bessere Entscheidung sein. Wie bei jedem anderen Onlinekauf kann innerhalb von 14 Tagen nach Erhalt des Fahrrads vom Widerrufsrecht Gebrauch gemacht werden, erklärt Rechtsanwalt und E-Commerce-Rechtsexperte Dr. Carsten Föhlisch.

"Ich darf ein Fahrrad auch zusammenbauen und die sogenannte Funktionsprüfung vornehmen, nur wenn ich das Fahrrad über diese Funktionsprüfung hinaus nutze, dann muss ich sogenannten Wertersatz für die Verschlechterung leisten."

Eine Nutzung des Rads über eine kleine Probefahrt hinaus kann also dazu führen, dass der Kaufpreis nicht komplett erstattet wird. "Wenn ich es zurücksende, bekomme ich die Hinsendekosten, also die Kosten des ursprünglichen Versandes, erstattet, im Regelfall muss ich aber die Rücksendekosten tragen, es sei denn der Händler übernimmt diese freiwillig."

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Rücksendebedingungen checken

Carsten Föhlisch rät dazu einen Blick in die AGBs des Onlinehändlers zu werfen und anhand der Kundenbewertungen herauszufinden, wie kulant mit Rücksendungen umgegangen wird. Der unter Umständen teure und aufwändige Rückversand führt dazu, dass bei Fahrrädern eher selten das Widerrufsrecht in Anspruch genommen wird. Wer das Fahrrad behält, hat es unter Umständen schwer, einen Ansprechpartner für Reparaturen oder Wartungen vor Ort zu finden. 

"Manche Fachgeschäfte lehnen es auch immer noch ab Versenderräder anzunehmen oder man muss länger warten, gerade in der Hochsaison, weil Kunden, die im Laden gekauft haben, natürlich bevorzugt werden", so René Filippek, der aufgrund dessen unerfahrenen Fahrradfahrern doch eher zum Kauf im lokalen Geschäft rät.

"Der Onlinekauf eignet sich vor allem für Personen die schon Erfahrungen mit Fahrrädern haben, die also wissen, was sie brauchen, wie sie ein Fahrrad richtig auf sich selbst einstellen und die kleinere Reparaturen selber erledigen können, also nicht immer auf eine Werkstatt angewiesen sind."

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