Samstag, 28.11.2020
 
StartseiteWirtschaft und GesellschaftKein Einwanderungsland für Gaststudenten29.11.2011

Kein Einwanderungsland für Gaststudenten

Deutschland hat bei hoch qualifizierten Uni-Absolventen ein Imageproblem

Ausländische Studenten könnten als hochqualifiziert Absolventen den viel beschworenen Fachkräftemangel lindern. Warum es so selten gelingt, diese Studenten auf Dauer in Deutschland zu halten, das hat der Forschungsbereich des Sachverständigenrates deutscher Stiftungen für Migration und Integration untersucht.

Von Stefan Maas

Deutschland ist beliebt bei internationalen Studierenden. (AP)
Deutschland ist beliebt bei internationalen Studierenden. (AP)

Internationale Studierende sind so etwas wie Idealzuwanderer, sagt Gunilla Fincke. Das werde in Deutschland leider immer noch etwas verkannt.

"Weil man immer glaubt, die sind eigentlich nur temporär fürs Studium da. Dabei sind sie jung, gut ausgebildet, sie sprechen im Regelfall Deutsch, sie kennen Land und Leute durch ihr Studium hier, sie sind auch mit den Gepflogenheiten auf dem deutschen Arbeitsmarkt vertraut."

Fincke ist die Direktorin des neuen Forschungsbereiches des Sachverständigenrates deutscher Stiftungen für Integration und Migration. Der hat in seiner ersten Studie 2600 Studierende aus Nicht-EU-Ländern zu ihrer Absicht befragt, nach ihrem Studienabschluss in Deutschland zu bleiben und zu arbeiten, das ist für die Hälfte der Befragten nämlich ein wichtiges Kriterium bei der Wahl ihres Studienlandes.

Und Deutschland ist beliebt bei internationalen Studierenden. Gleich hinter den USA, Großbritannien und Australien. Hier sind etwa sieben Prozent aller internationaler Studierenden immatrikuliert. Die Zahl hat sich binnen zehn Jahren verdoppelt, besonders viele Studierenden kommen aus China, Russland, Polen, Bulgarien und der Türkei.

"Allerdings bleibt nur ein reichliches Viertel von ihnen nach Abschluss ihres Studiums. Und das ist auch im internationalen Vergleich nur das untere Mittelfeld."

Dabei könnten sich sechs von zehn Befragten vorstellen, nach ihrem Abschluss hier zu bleiben, wenn es nur einfacher wäre, eine Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen. Für Gunilla Fincke zeigt sich hier, dass es falsche Wahrnehmungen in beide Richtungen gibt. So wie Arbeitgeber denken, internationale Studierende gehen eh wieder weg, nehmen die Studierenden Deutschland noch immer als ein Land mit relativ strengen Einwanderungsregeln wahr. Und so ist nur jeder Dritte überzeugt, als internationaler Studierender nach seinem Abschluss auf dem deutschen Arbeitsmarkt willkommen zu sein. Diesen Eindruck haben vor allem Ingenieure und Naturwissenschaftler.

"Dabei sind die rechtlichen Regeln hier in Deutschland gar nicht so restriktiv."

Auch wenn es noch Verbesserungsbedarf gibt, zum Beispiel bei den Verdienstbeschränkungen während der Arbeitssuche. Allerdings fühlen sich genau in solchen Punkten viele internationale Studierende nicht gut informiert, weshalb die Autoren der Studie vorschlagen, ein zentrales Onlineinformationsportal einzurichten. Außerdem müsse Deutschland noch mehr für sich werben, wie es die klassischen Einwanderungsländer wie Australien und Kanada vormachten, die dennoch strenge Kriterien für Ihre Zuwanderung haben. Denn auch wenn internationale Studierende kein Allheilmittel für ein Mangel an qualifizierter Zuwanderung sind, sind sie doch gerade auch für kleinere Unternehmen gut erreichbar, die es sich nicht leisten können, im Ausland zu rekrutieren.

"Sächsische Unternehmen könnten eben hinfahren nach Aachen und dort an die Technische Universität gehen und sagen, hier ist die Gruppe, herausragend ausgebildeter internationaler Studierender der Fachrichtungen, die wir brauchen. Wie können wir denen das schmackhaft machen, dass die nach Dresden kommen und bei uns arbeiten und bleiben und nicht weiterziehen in andere Länder."

Und dann - auch das haben Studien der letzen Jahre gezeigt - sind ehemalige Studierende durch ihren Bildungsgrad kaum gefährdet, arbeitslos zu werden und langfristig in die sozialen Sicherungssysteme abzurutschen, sondern sie entwickeln sich fast immer zu Nettobeitragszahlern.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk