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StartseiteKommentare und Themen der WocheEine halbherzige und hilflose Entscheidung22.09.2021

Keine Lohnfortzahlung bei QuarantäneEine halbherzige und hilflose Entscheidung

Die Gesundheitsminister haben das Ende der Lohnfortzahlung für jene beschlossen, die in Corona-Quarantäne gehen müssen, obwohl ihnen ein Impfangebot vorliegt. Das sei zwar im Sinne des Steuerzahlers, kommentiert Brigitte Scholtes. Dennoch könne man mit der Entscheidung nicht wirklich glücklich sein.

Ein Kommentar von Brigitte Scholtes

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Jens Spahn (CDU), Bundesminister für Gesundheit, spricht bei einem Pressestatement nach den Beratung über ein einheitliches Vorgehen bei Verdienstausfall-Entschädigungen wegen Quarantäne im Rahmen der Corona-Pandemie. (dpa / Michael Kappeler)
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) spricht nach den Beratung über ein einheitliches Vorgehen bei Verdienstausfall-Entschädigungen wegen Quarantäne im Rahmen der Corona-Pandemie (dpa / Michael Kappeler)
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Ökonomisch ist die Entscheidung der Gesundheitsminister, die Entschädigung für eine Corona-Quarantäne nicht fortzuführen, nachvollziehbar – immerhin, so hat eine Umfrage des Evangelischen Pressedienstes ergeben, haben die Länder für die Lohnfortzahlung im Fall der Corona-Quarantäne schon 600 Millionen Euro ausgegeben, Geld, das sie den Arbeitgebern erstattet haben. Geld, für das die Steuerzahler aufkommen müssen. 600 Millionen Euro – das ist ein ordentlicher Batzen, wenn auch nur ein geringer Teil dessen, was der Staat bisher schon an Milliardensummen für die Bewältigung der Corona-Pandemie ausgegeben hat.

Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)Übersicht zum Thema Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)

Wenn nun diese Erstattungen gestrichen werden, dann verlagert der Staat die Entscheidung der Lohnfortzahlung an die Unternehmen. Die aber bringt es in die Zwickmühle. Denn eigentlich dürfen sie – bis auf wenige Ausnahmefälle - ja gar nicht wissen, wer ihrer Beschäftigten geimpft ist und wer nicht. Eine Impfpflicht gibt es ja nicht. Die Motivation für die Entscheidung der Gesundheitsminister ist deshalb auch klar: Sie wollen den Druck auf diejenigen erhöhen, die bisher zu träge oder unentschlossen waren, um sich den Piks gegen das Coronavirus geben zu lassen.

Impfgegner sind nicht solidarisch mit der Gesellschaft

Aus wirtschaftlicher Sicht erscheint das logisch. Es ist unsolidarisch, sich letztlich auf Kosten der Allgemeinheit in Corona-Quarantäne zu begeben, wenn man dies ohne Not hätte vermeiden können. Die Umsetzung aber wird den Unternehmen aufgebürdet, die aber eben mangels Impf- oder Auskunftspflicht keine wirkliche Handhabe dafür haben, ob die Quarantäne denn wirklich notwendig war. Sieht man von diesen Unzulänglichkeiten ab, ist es fraglich, ob die Arbeitgeber so großzügig sind, nun aus eigener Tasche die Löhne während der Quarantäne weiterzuzahlen. Denn auch sie haben schließlich ein wirtschaftliches Interesse daran, dass ein weiterer Lockdown wegen einer vierten Infektionswelle vermieden wird. Genau das aber könnte wiederum ein Argument dafür sein, dass sie die Löhne doch lieber fortzahlen, damit die Nicht-Geimpften nun in der Konsequenz nicht eine mögliche Infektion oder den Kontakt mit einem an Corona erkrankten Menschen verheimlichen.


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Impfgegner sind nicht solidarisch mit der Gesellschaft. Sie verhindern eine schnelle Herdenimmunisierung, mit der die Pandemie endgültig ad acta gelegt werden könnte. Sie bürden der Gesellschaft bei einer Erkrankung hohe Kosten auf, weil bei ihnen eine Covid-Erkrankung meist deutlich schwerer verläuft und damit mehr Gesundheitskosten verursacht. Das alles ist richtig. Aber wirklich glücklich kann man mit der heutigen Entscheidung der Gesundheitsminister trotz aller ökonomischen Argumente auch nicht sein. Sie ist nicht mutig wie in Frankreich und Italien, die viel strenger agieren, das aber mit mehr Erfolg. Sie ist hilflos.

Brigitte Scholtes (©Deutschlandradio / Bettina Straub)Brigitte Scholtes (©Deutschlandradio / Bettina Straub)Brigitte Scholtes, Jahrgang 1958, studierte Wirtschaftsgeschichte und Anglistik in Aachen und Bonn mit dem Abschluss Lehramt für Gymnasien. Sie arbeitete zunächst für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", die damals auch Hörfunksendungen für das Privatradio RPR produzierte, wechselte dann zur Nachrichtenagentur Bloomberg Business News. Seit 1992 Partnerin im Redaktionsbüro Business Report, das 1998 die Wirtschaftskorrespondenz aus Frankfurt für Deutschlandradio übernommen hat. 

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