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StartseiteCampus & Karriere Keine Stipendien für alle31.03.2009

Keine Stipendien für alle

Stifterverband der Deutschen Wissenschaft kritisiert Scheitern des einheitlichen Fördersystems

Stipendien für alle? Nein, die wird es in Deutschland - vorerst jedenfalls - nicht geben. Der Versuch der Wissenschaftsminister aus Bund und Ländern, sich auf ein einheitliches Stipendien-Fördersystem zu verständigen, ist gestern jedenfalls erst einmal gescheitert. Das stößt bei etlichen Hochschulexperten auf heftige Kritik.

Moderation: Armin Himmelrath

Studenten sitzen in einem Hörsaal  in der Humboldt-Universität in Berlin. (AP)
Studenten sitzen in einem Hörsaal in der Humboldt-Universität in Berlin. (AP)
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"Wir hatten ein sehr gut ausgearbeitetes Konzept"

Armin Himmelrath: Unter anderem beim Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft. Frank Stäudner ist der Sprecher des Stifterverbands. Warum wäre es denn aus Ihrer Sicht so wichtig gewesen, ein bundesweites Stipendiensystem zu installieren, Herr Stäudner?

Frank Stäudner: Weil wir damit eine dritte Säule in der Studienförderung für junge Leute geschaffen hätten, neben dem BAföG und neben den vielen Elitestipendien, die es gibt. Und das wäre schon ein wichtiges Signal gewesen, um also für noch mehr Bildungsbeteiligung in Deutschland zu sorgen.

Himmelrath: Ist denn dieser Zug jetzt damit endgültig abgefahren, oder sehen Sie eine politische Chance, da noch etwas dran zu drehen?

Stäudner: Also ich glaube, dass sich an dieser Stelle die Länder untereinander so verhakt haben, dass auf absehbare Zeit nichts mehr passiert, was schade ist. Jetzt wird es vermutlich dazu kommen, dass es sehr viele isolierte lokale Lösungen gibt, die auch nicht schlecht sind, die auch einen wichtigen Beitrag leisten. Aber wenn eine zentrale Anlaufstelle, beispielsweise auch eine zentrale Internetplattform, über die man sich hätte bewerben können etc., wo alle Informationen sozusagen abrufbar gewesen wären, fehlt, dann wird es eben für die Studenten mühsam und dann fehlen auch ein bisschen die Anreize und die Motivation.

Himmelrath: Haben Sie denn eine Vermutung, an welchen Gründen es gescheitert ist gestern?

Stäudner: Na ja, darüber möchte ich nicht spekulieren. Also ich könnte mir vorstellen, dass sich hier die Wissenschaftsminister sozusagen die jeweiligen Profilierungschancen neiden. Aber das ist, wie gesagt, nur eine Spekulation.

Himmelrath: Wenn jetzt die Minister nicht zu einem gemeinsamen Schritt, zu gemeinsamer Handlung fähig sind, könnte dieses Loch eventuell mit Geldern aus der Wirtschaft gestützt werden. Beim Stifterverband hätten Sie ja vielleicht auch die Mittel, da ein paar Stipendien auf den Weg zu bringen?

Stäudner: Na ja, es wird das weitergehen, was es schon seit vielen Jahren gibt, dass einzelne Unternehmen in ihrem jeweiligen lokalen oder regionalen Umfeld die Initiative ergreifen - man denke an die Allianz, die in München die Hochschulen unterstützt und da mehrere Hundert Stipendien ausgelobt hat, oder andere Unternehmen, die das tun. Das wird sicherlich weitergehen, da wird es auch mehr geben. Aber das wird eben eine sehr unübersichtliche Gemengelage schaffen, und es wird vor allem nur den Leuten helfen, also den jungen Studentinnen und Studenten, die schon an der Hochschule sind, und dann dort über die Möglichkeiten der Förderung erfahren. Diejenigen, die vielleicht ein Abitur in der Tasche haben, auch aus meinetwegen bildungsfernen Haushalten oder armen Schichten, Migrantenfamilien, die erst noch im Zweifel sind, ob sie sich ein Studium überhaupt zutrauen sollen und für die das eine Ermutigung sein könnte, die werden leer ausgehen.

Himmelrath: Diese Gruppe wäre aber, wenn ich das recht verstehe, aus Ihrer Sicht gerade besonders stipendienbedürftig.

Stäudner: So ist es, genau. Wir reden über die mangelnde Bildungsbeteiligung in Deutschland, und das wäre der Hebel, an dem wir noch drehen können. Und da wäre so ein bundesweites Stipendiensystem sozusagen ein wichtiges Instrument.

Himmelrath: Jetzt haben Sie es eben schon angesprochen, etliche Bundesländer werden nun eigene Stipendiensysteme entwickeln, Nordrhein-Westfalen war recht schnell, hat heute Mittag schon angekündigt, man werde zum nächsten Wintersemester 1200 Stipendien für begabte Studierende bereitstellen. Ist das zufriedenstellend, diese Lösung, oder erfüllt Sie so was eher mit Sorge, wenn Sie diese Einzelentwicklung im Föderalismus dann sehen?

Stäudner: Na ja, der Stifterverband ist eine Organisation, die immer sozusagen sich für den Wettbewerb zwischen Hochschulen und auch den Wettbewerb zwischen Bundesländern stark gemacht hat. Insofern können wir da jetzt nicht Zeder und Mordio schreien. Man wird am Ende sehen, welche Bundesländer überzeugende Modelle entwickeln, und es wird zu einem Wettbewerb kommen. Es wird nur möglicherweise so sein, dass Länder, die weniger überzeugende Konzepte vorlegen als beispielsweise Nordrhein-Westfalen, dass die Studenten dort dann zu den Verlierern gehören. Und das kann eigentlich auch keiner wollen.

Himmelrath: Kann es gleichzeitig auch sein, dass es für Studierende insgesamt schwieriger wird, diese Informationen überhaupt zusammenzutragen, wenn nun jedes Bundesland ein eigenes Fördersystem an Stipendien installiert?

Stäudner: Na ja, da zähle ich ein bisschen auf die Hochschulen, die sicherlich aufgerufen sind, ihre Studenten umfassend über die Möglichkeiten zu informieren, aber das wird dann jede Hochschule für sich selber tun müssen. Und wie ich eben schon sagte, das erfahren die Studenten dann erst, wenn sie schon an der Hochschule sind. Also es wird unübersichtlicher werden, so ganz dramatisch ist es aber hoffentlich nicht.

Himmelrath: Frank Stäudner, Sprecher des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft, mit einer gewissen Skepsis angesichts der gestrigen Nichtentscheidung der Wissenschaftsminister, ein bundesweites Stipendiensystem einzuführen. Herzlichen Dank!

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