Samstag, 22.09.2018
 
Seit 06:50 Uhr Interview
StartseiteVerbrauchertippMehr Transparenz zu Haltungsbedingungen 30.08.2018

Kennzeichnungen für FleischMehr Transparenz zu Haltungsbedingungen

Discounter haben eine Kennzeichnung für Fleischprodukte eingeführt, die transparent machen soll, unter welchen Bedingungen die Tiere gehalten werden. Die Einteilung erfolgt in vier Stufen - allerdings sehen die Etiketten je nach Supermarkt anders aus. Das macht die Orientierung für Verbraucher nicht einfach.

Von Susanne Kuhlmann

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Frau schaut sich abgepackte Wurst- und Fleischprodukte in einem Kühlregal an, Lebensmittelabteilung, Selbstbedienung, Supermarkt, Deutschland, Europa (picture alliance / dpa / imageBROKER)
Die eingeführten Kennzeichnungen für Fleischprodukte sollen beim Einkauf deutlich machen, wie die Tiere gehalten wurden (picture alliance / dpa / imageBROKER)
  • E-Mail
  • Teilen
  • Tweet
  • Drucken
  • Podcast
Mehr zum Thema

Neues staatliches Label geplant "Ein Mehr an Tierwohl wird ein Verkaufsargument sein"

Neues Tierwohl-Label "Schon wieder bloß eine Augenwischerei"

Tierwohl-Siegel für Geflügel "Das bringt für Verbraucher und Tierschutz nichts"

Staatliches Tierwohl-Label Tierschützer kritisieren Zertifikat als Mogelpackung

Kritik am neuen Tierwohl-Siegel "Die Politik muss vorgeben, wo die Reise hingeht"

Landwirtschaft Foodwatch kritisiert geplantes Tierwohl-Label für Fleisch

Initiative Tierwohl Deutscher Tierschutzbund kündigt Ende der Zusammenarbeit an

Bisher kennzeichnen die Discounter Lidl, Netto, Kaufland, Penny und Aldi einen Teil des Fleisches und der Fleischprodukte nach einen vierstufigen System. Im Prinzip basiert es bei allen auf denselben Grundlagen.

"Stufe eins bedeutet einfach nur gesetzlichen Mindeststandard." 

Schweine stehen also relativ eng in dunklen Betonspaltenbuchten. Und Stufe zwei: "Bedeutet genau das Gleiche. Das Schwein bekommt nur etwa eine DIN-A-4 Seite mehr Platz."

Ina Müller-Arnke von der Tierschutzstiftung "Vier Pfoten" ist Agraringenieurin. "Bei Stufe eins werden Tiere so gehalten, wie es das Gesetz mindestens vorschreibt. Stufe zwei folgt der Initiative Tierwohl. Das ist ein Zusammenschluss von Landwirtschafts- und Fleischbranche und einem Teil des Lebensmitteleinzelhandels. Die Tiere verfügen unter anderem über etwas mehr Platz und haben mehr Beschäftigungsmöglichkeiten. Spürbar besser wird es für sie allerdings erst ab Stufe drei, der Premiumstufe, sagt Ina Müller-Arnke.

Neue Kennzeichnung soll Angebot transparenter machen

"Sie bekommen deutlich mehr Platz, sie bekommen auch Beschäftigungsmaterial. Beim Geflügel werden andere Rassen benutzt, die nicht so viele negative Wirkungen haben auf die Tiergesundheit, und die Tiere bekommen einen Wintergarten mit Tageslicht. Und ab Stufe vier haben die wirklich einen Auslauf im Freien. Das gilt dann für alle Tiere." 

Stufe vier schließlich ist für Biohaltung vorgesehen. Die Tiere haben also Auslauf nach draußen, vergleichsweise viel Platz und fressen ökologisch erzeugtes Futter. Die Discounter kennzeichnen dieses Fleisch mit verschiedenfarbigen Etiketten. Demnächst bieten wohl auch die Supermarktketten Rewe und Edeka Fleisch und Fleischprodukte mit Haltungskennzeichnung an. Real macht nicht mit. Sabine Klein von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen ist Ernährungswissenschaftlerin. Die neue Kennzeichnung mache das Angebot transparenter, findet sie.

"Stufe eins ist nur das gesetzliche Minimum, und Stufe drei ist sehr viel mehr. Dann kann man erkennen, dass jetzt ein höherer Preis für das Fleisch, der mit höheren Tierschutzanforderungen verbunden sein muss, gerechtfertigt ist."

Fleischangebot aus artgerechter Haltung wächst nur langsam

Die Stufe drei entspricht dem Label des Deutschen Tierschutzbundes. Stufe vier steht, wie gesagt, für Biohaltung. Das klingt jedoch besser, als es momentan ist, meint Verbraucherschützerin Sabine Klein. 

"Verbraucher sind jetzt vielleicht ganz heiß und sagen: Oh super, jetzt gibt es auch Stufe drei und vier, die schon relativ viel Tierwohl beinhalten. Ich will das jetzt kaufen. Sie haben aber leider bisher im Handel kaum Auswahl. Das Gros ist nach wie vor Stufe eins, etwas mehr in Stufe zei. Und je höher die Stufe dann ist, umso kleiner wird das Angebot. Wir haben in Geschäften gesehen, dass Stufe drei es überhaupt keine Angebot gab und Stufe vier nur ein Alibiangebot von Hackfleisch oder so."

Das Angebot an Fleisch aus artgerechter Haltung wächst also nur langsam. Ina Müller-Arnke von der Tierschutzstiftung "Vier Pfoten" legt Konsumenten deshalb das von britischen Forschern entwickelte 3-R-Prinzip für Tierschutz ans Herz: Reduce, refine, replace.

"Reduce für weniger tierische Produkte essen. Refine: wenn ich tierische Produkte esse, dann aus einer artgerechten Tierhaltung. Und replace: dass man vieles durch pflanzliche Alternativen ersetzen kann."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk