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StartseiteForschung aktuellInvasive Arten unter Kontrolle bringen11.10.2021

Kernziele zum Schutz der BiodiversitätInvasive Arten unter Kontrolle bringen

Der Kampf gegen invasive Arten kommt weltweit nicht wie geplant voran. Jetzt setzt sich die UN neue, ambitionierte Ziele. Dringend nötig, denn eingeschleppte Tier- und Pflanzenarten sorgen nach Schätzungen alleine in der Europäischen Union für Kosten von zwölf Milliarden Euro pro Jahr.

Von Volker Mrasek

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Asiatischer Laubholzbockkäfer (picture alliance/dpa/Klaus-Dietmar Gabbert)
Der Asiatische Laubholzbockkäfer hat keine natürlichen Feinde in Deutschland (picture alliance/dpa/Klaus-Dietmar Gabbert)
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Im Jahr 2010 wurden im japanischen Nagoya die so genannten Aichi-Ziele zum weltweiten Schutz der Artenvielfalt formuliert. Diese Kernziele zum Schutz der Biodiversität sollten bis 2020 erreicht werden. Manchen dieser Vorgaben ist die Menschheit ein wenig nähergekommen, die meisten wurden klar verfehlt. Darüber diskutieren Experten ab Oktober 2021 im chinesischen Kunming beim 15. Weltbiodiversitätsgipfel (COP15).


Verlorene Vielfalt: Wunsch und Wirklichkeit beim Artenschutz

In unserer Reihe "Verlorene Vielfalt: Wunsch und Wirklichkeit beim Artenschutz" stellen wir ausgewählte Ziele dar und ziehen Bilanz. 

Kernziel 4: Ressourcenverbrauch beschränken
Kernziel 5: Regenwaldrodungen stoppen, Flächenfraß eindämmen
Kernziel 6: Überfischung vermeiden, marine Ökosysteme schützen
Kernziel 8: Nitratbelastung senken, Pestizideinsatz verringern
Kernziel 9: Invasive Arten kontrollieren
Kernziel 10: Korallenriffe schützen
Kernziel 11: Mehr wirksame Schutzgebiete an Land und im Meer
Kernziele 12+13: Artensterben stoppen, Biodiversität erhalten 
Kernziel 15: Wüstenbildung bekämpfen
Kernziel 18: Bedürfnisse indigener Gruppen schützen


Invasive Arten gefährden weltweit Ökosysteme und die Artenvielfalt. Ziel 9 lautete deshalb:

Aichi-Ziel 9: "Bis 2020 sind die invasiven gebietsfremden Arten und ihre Einschleppungswege identifiziert und nach Priorität geordnet, prioritäre Arten kontrolliert oder beseitigt und Maßnahmen zur Überwachung der Einfallswege ergriffen, um eine Einschleppung und Ansiedlung zu verhindern."

Aichi-Ziel 9, Bilanz: Eine vollständige Übersicht liegt nicht vor

Eine vollständige Liste über invasive Arten und deren Verbreitungswege gibt es nach wie vor nicht, sagt Hanno Seebens aus dem Senckenberg-Forschungszentrum für Biodiversität und Klima in Frankfurt am Main. Gut untersucht seien lediglich die Arten, die die größten Schäden verursachten. Auch diese seien aber nicht wirklich gut gemanagt.

Innerhalb der Europäischen Union würden jährlich zwölf Milliarden Euro zur Bekämpfung und zum Management von invasiven Arten ausgegeben werden müssen. Dieser Wert beinhalte aber noch keine ökologischen Schäden. Es brauche unter anderem striktere Einfuhrkontrollen bei Waren um das Problem in den Griff zu kriegen, fordert Seebens.

Japankäfer (Popillia Japonica) fressen ein Physalis-Blatt (imageBROpicture alliance / imageBROKER | Ivan KuzminKER) (imageBROpicture alliance / imageBROKER | Ivan KuzminKER)Der Japankäfer - "Schäden sind erheblich, weil viele Nutzpflanzenarten befallen werden"
Der Japankäfer hat schon in Ländern wie den USA und Italien große Schäden angerichtet. Jetzt wurde er an der Grenze zu Deutschland gesichtet. Im Kampf gegen die Verbreitung des Käfers kann jeder mithelfen.

Ausblick:

Die Ziele für 2030 sind noch nicht fertig formuliert. Seebens geht davon aus, dass sie konkreter werden. So soll das Neuauftauchen von Arten vermutlich um 50 Prozent reduziert werden.

Quellen: Volker Mrasek, dpa, pto

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