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StartseiteVerbrauchertippKann ich mir Dein Auto leihen?18.03.2019

Kfz-VersicherungKann ich mir Dein Auto leihen?

Wer sein Auto an Freunde oder Verwandte verleiht, spricht besser vorher mit der Versicherung über eventuelle Unfallfolgen. Denn es ist nicht garantiert, dass die Versicherung im Schadensfall zahlt. Rechtsexperten raten zu kurzfristigen Zusatzversicherungen oder einen Musterleihvertrag zu unterschreiben.

Von Claudia Rometsch

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Zwei Frauen stehen diskutierend vor ihren beschädigten Autos. (imago/Jochen Tack)
Wenn der Freund einen Unfall baut, dann muss der Auto-Eigentümer dafür einstehen (imago/Jochen Tack)
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Meist geht ja alles gut, wenn Freunde oder Verwandte ein Auto ausleihen. Und auch wenn sie unverschuldet in einen Unfall verwickelt sind, bleibt das ohne finanzielle Folgen für den Auto-Eigentümer. Denn dann zahlt die Versicherung des Unfallgegners. Teuer werden kann es aber, wenn der Freund, der das Auto geliehen hat, Mitschuld an einem Unfall trägt.

"Denn entgegen der landläufigen Meinung muss dann die Haftpflichtversicherung des Freundes nicht für den Schaden eintreten. Das heißt zunächst mal bleibe ich auf meinem Schaden an dem Auto sitzen und müsste dann halt meinen Freund in Anspruch nehmen," erklärt Michael Staffel, Fachanwalt für Verkehrsrecht.

Schaden wird nur bei Vollkasko-Versicherung ersetzt

Wenn der Freund einen Unfall baut, dann muss der Auto-Eigentümer dafür einstehen. Die Höhe des finanziellen Schadens ist abhängig davon, wie gut er seinen Wagen versichert hat. Abgedeckt ist in jedem Fall der Schaden am Fahrzeug des Unfallgegners. Den übernimmt die Kfz-Haftpflicht. Aber die Kosten für Reparatur oder Verlust des eigenen Autos bleiben möglicherweise am Eigentümer hängen. Nur bei einer Vollkasko-Versicherung wird der Schaden am eigenen Auto ersetzt. Dennoch bleibt in der Regel eine Lücke, die durch keine Versicherung gedeckt ist.

"Selbst wenn ich eine Vollkasko-Versicherung habe, zahlt die Vollkasko-Versicherung natürlich auch nur den Zeitwert von dem Auto. Das heißt, wenn ich ein Auto habe, was schon etwas in die Jahre gekommen ist, was mir aber sehr lieb ist, krieg ich natürlich bei einem Schaden von der Vollkasko-Versicherung nur den Zeitwert des Autos ersetzt. Und es kann natürlich sein, dass ich für diesen Zeitwert mir kein adäquates Ersatzauto anschaffen kann."

Hinzu kommen weitere Kosten:

"Wenn ich mein Fahrzeug Vollkasko versichert habe und der Unfall ist verursacht worden von dem Entleiher, dann muss ich als Schaden tragen die Selbstbeteiligung. Die liegt im Regelfall zwischen 500 und 1000 Euro. Und die Beitragssteigerung im Regelfall für drei Jahre, die dadurch entsteht, dass ich die Kasko-Versicherung in Anspruch genommen habe. Das würde ich schätzen sind noch einmal zwischen 500 und 600 Euro, so dass der Schaden irgendwo bei 1000 bis 1600 Euro liegen dürfte."

Musterleihverträge für Fremdfahrer

Noch teurer wird es, wenn es im Versicherungsvertrag Einschränkungen gibt. Viele günstige Vollkasko-Tarife limitieren nämlich die Zahl der Fahrer eines Autos, warnt Johannes Boos vom ADAC. Da dürfen dann etwa nur bei der Versicherung gemeldete Familienmitglieder den Wagen steuern.

"Das ist manchmal bei der Gewährung von Rabatten der Fall. Dann gibt es diese Beschränkungen im Versicherungsschutz. In einem solchen Fall droht dann nicht nur eine Vertragsstrafe. Der Halter muss dann auch Kosten für Schäden am eigenen Fahrzeug gegebenenfalls selbst tragen."

Der Rechtsexperte rät, in diesem Fall vorab bei der Versicherung nachzufragen, wie sich das Problem lösen lässt. Viele Versicherer bieten nämlich für Fremd-Fahrer einen kurzzeitigen Zusatzschutz an. Ein weiterer Tipp: Wer sein Auto verleiht, sollte unbedingt mit dem Entleiher absprechen, wer für mögliche Folgekosten eines Unfalls aufkommt. Der ADAC empfiehlt, das auch schriftlich zu vereinbaren.

"Wenn Sie Autos kostenlos an Freunde oder Bekannte ausleihen, dann sollten Sie einen Musterleihvertrag unterschreiben. Das dient einfach der rechtlichen Sicherheit. Einen Musterleihvertrag gibt es auf unserer Website unter adac.de."

Das Muster ist kostenlos. Keine Probleme hat der Fahrzeughalter übrigens, wenn ein Freund im ausgeliehenen Auto wegen überhöhter Geschwindigkeit geblitzt wird. Für Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung haftet nämlich immer der jeweilige Fahrer.

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