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StartseiteBücher für junge Leser"Es gibt immer auch was zu lachen"29.07.2017

Kinderbuchautorin Stefanie Höfler"Es gibt immer auch was zu lachen"

Sie schöpft aus ihrem Alltag als Lehrerin: Trauriges stark auszuleben und darin wieder die Komik zu entdecken, das will sie beim Schreiben herauskitzeln, sagte Kinderromanautorin Stefanie Höfler im Dlf. Ihre Themen: Pubertät, Geheimnisse und Außenseiter, die lernen, ernste Dinge mit Humor zu nehmen.

Stefanie Höfler im Gespräch mit Ute Wegmann

2 Buchcover von Stefanie Höfler "Mein Sommer mit Mucks" und "Tanz der Tiefseequalle" (Beltz & Gelberg Verlag / Ute Wegmann)
2 Buchcover von Stefanie Höfler "Mein Sommer mit Mucks" und "Tanz der Tiefseequalle" (Beltz & Gelberg Verlag / Ute Wegmann)
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Ute Wegmann: Eine Schriftstellerin, die mit ihrem ersten Kinderroman sogleich für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert wurde. "Mein Sommer mit Mucks" der Titel - die Autorin Stefanie Höfler. Geboren 1978. Sie studierte Germanistik, Anglistik und Skandinavistik, unter anderem in Freiburg und lebt im Schwarzwald, wo sie als Lehrerin und Theaterpädagogin arbeitet. Stefanie Höfler, viele Menschen, die Literatur lieben, möchten schreiben, hoffen auf eine Veröffentlichung ihrer Geschichten. Wie war das bei Ihnen?

Inspirationsquelle Schule

Stefanie Höfler: Das war ein sehr ungewöhnlicher Weg. Ich hab keinen Agenten, ich hab einfach, nachdem ich schon Vieles geschrieben hatte, Vieles sich in der Schublade stapelte, eines Tages ein Buch geschrieben, die Geschichte gefiel mir so gut, die wollte ich irgendwo unterbringen, das war der Mucks. Die Geschichte hab ich versucht, über Wettbewerbe an den Mann zu bringen, hab zwei, drei Interessenten gefunden. Und dann rief mich Barbara Gelberg an, das war ein besonderer Moment, weil ich als Leseratte mit diesen orangefarbenen Büchern aufgewachsen bin, das war meine Kinderbuchwelt, und sie hat mir die Veröffentlichung angeboten.

Wegmann: Das heißt, Sie wollten schon immer schreiben?

Höfler: Ich wollte Geschichten erzählen, wann das ins Schreiben gemündet ist, kann ich nicht mehr sagen.

"Ich liebe es sehr, Lehrer zu sein"

Wegmann: Sie sind aber nach wie vor als Lehrerin tätig. Das möchten Sie auch nicht aufgeben?

Höfler: Ich liebe es sehr, Lehrer zu sein. Es ist ein ganz aktiver Beruf mit Kontakt zu ganz vielen jungen Menschen, verschiedenen Menschen und immer wieder Überraschungen, das würde ich nicht so gern aufgeben.

Wegmann: Oder ist das auch Inspirationsquelle?

Höfler: Ein Stück weit ja. Die Schüler fragen immer: Komm ich da jetzt auch vor. Normalerweise nicht! Aber natürlich trifft man auf Leute, auf Situationen, die witzig sind, überraschend sind.

"Ich bin ein Löscher. Ich feile sehr, sehr viel"

Wegmann: Wer Germanistik studiert, hat ja eine Liebe zur Literatur, zur Sprache. Wie viel feilen Sie an Formulierungen?

Höfler: Fürchterlich viel. Ich bin ein Löscher. Ich schreibe immer am Computer, weil man da viel löschen kann. Kann auch vorkommen, dass ich von vorne alles runterlösche. Ich feile sehr, sehr viel.

Wegmann: Schon mit dem ersten Roman haben sie bewiesen: Sie können es. Sie finden einen ganz eigenen Ton, schaffen feine, differenzierte Figuren, scheuen nicht das Problemthema und entwickeln doch einen leichten Zugang. Das ist die größte Schwierigkeit überhaupt.

Höfler: Dass ist das, was uns die Skandinavier voraus haben.

"Die Humornote findet man bei Astrid Lindgren nicht"

Wegmann: Gibt es Vorbilder?

Höfler: Klar, es sagt wahrscheinlich jeder Kinderbuchautor: Astrid Lindgren. Ich bin ein großer Fan, lese selber meinen Kindern jetzt wieder vor. Wobei die Humornote, die für mich wichtig ist, der Witz auch in schweren Momenten, die findet man bei Astrid Lindgren nicht. Da gibt es eher in der neueren skandinavischen Literatur Beispiele: Frida Nilsson finde ich ganz hervorragend, habe ich aber erst kennengelernt, als ich selber schon veröffentlicht hatte.

Wegmann: Sie haben Astrid Lindgren schon genannt, sie würde man als Vorbild aus dem Skandinavischen nennen. Und der deutsche Kinderroman, gibt es denn da auch jemanden für Sie?

Höfler: Finde ich schwierig, weil ich viel durcheinander gelesen habe, auch viele Übersetzungen, deswegen gibt es für mich gar nicht das Kategorisieren in deutsche Literatur und andere Länder. Roald Dahl hab ich früh schon gelesen. Klar, auch Peter Härtling, Klaus Kordon, also eher die ernsteren Schriftsteller. Ich bin in den 70er- und 80er-Jahren aufgewachsen, da las man das ernste Kinderbuch.

"Man muss viele vom realistischen Kinderbuch überzeugen"

Wegmann: Ja, jetzt haben Sie Peter Härtling schon genannt. Gerade ist einer der großen Kinderbuchautoren des 20. Jahrhunderts gestorben: Peter Härtling. Mit seinen realistischen Geschichten, seinen Erinnerungen an die eigene Kindheit, den Krieg, die Vertreibung und Flucht hat er damals einen neuen Ton in die Kinderliteratur gebracht. Auch Sie schreiben realistische Kinderbücher. Auch in Ihren Geschichten sind die Kinder das schwächste Glied in der Kette, Menschen, die sich ihren Platz suchen, erkämpfen müssen.

Glauben Sie, dass man von zwei unterschiedlichen Lesergruppen ausgehen kann: Die, die gern realistische Literatur lesen, weil sie sich identifizieren möchten, und die, die Fantasy bevorzugen, um in Fantasiewelten abzuwandern?

Höfler: Möchte ich nicht so gern, weil ich selber beides kenne und lese. Ich glaube, dass man viele Leser vom realistischen Kinderbuch überzeugen muss. Und dass viele Kindern nicht von selbst danach greifen. Wenn ich lese, beißen die meistens an, weil sie merken, das ist spannend und witzig und verrückt. Aber sie fragen dann auch, schreibst du mal Fantasy für uns. Da muss ich sagen, das interessiert mich im Moment nicht so sehr ... Kommt noch vielleicht, ich weiß es nicht.

"Grundhaltung zum Leben, die man aus der Kindheit mitnimmt"

Wegmann: Inwieweit spielt die eigene Kindheit, vielmehr das Kindheitsgefühl oder das Erlebte eine Rolle?

Höfler: Eine sehr große Rolle. Ich glaube, dass es eine Grundhaltung zum Leben gibt, die man aus der Kindheit mitnimmt. Und bei mir ist es stark die Fähigkeit, ernste Dinge mit Humor zu nehmen. Oder auch Gefühle sehr stark zu erleben, was Trauriges stark auszuleben und darin auch wieder die Komik zu entdecken. Das ist mein Ziel bei der Literatur, das heraus zu kitzeln, deshalb spielt es eine große Rolle. Ich hatte eine idyllische Kindheit, wo es auch immer wieder Konflikte gab, aber mir wurde vermittelt: Da wo du stehst, kannst du stehen. Du kannst dich orientieren in der Welt, und es gibt immer auch was zu lachen. Und das möchte ich auch vermitteln.

Wegmann: Beide Geschichten, auch der zweite Roman "Tanz der Tiefseequalle", spiegeln die Atmosphäre eines Sommers, und Schwimmen ist jedes Mal ein wichtiger Aspekt. Sind das handwerkliche Schachzüge, um diese besagte Leichtigkeit herzustellen?

Höfler: Ich bin ein Wassermensch, das passiert unwillkürlich. Ich hab zwei Wasserbücher geschrieben, das ist richtig, mir fällt es im Nachhinein auch auf. Es ist kein Schachzug, ich schreib aus dem Bauch heraus. Wasser, schwimmen, Regen das spielt immer eine Rolle, aber nicht geplant.

Wegmann: In "Mein Sommer mit Mucks" haben wir es mit zwei Außenseitern zu tun, Zonja, die Wissbegierige, und Mucks, der Nichtschwimmer, die sich begegnen und Freunde werde, bis Mucks irgendwann ausflippt, weil Zonja mit ihrer Fragerei seinem Geheimnis zu nahe kommt. Es geht hier um Freundschaft, um Missbrauch, um das Anderssein in zwei Schattierungen.

Wir hören den Anfang, gelesen von Stefanie Höfler: (LESUNG: Seite 7 – 9)

Der Anfang von "Mein Sommer mit Mucks".

"Kleine Stückchen Wissensvermittlung"

Stefanie Höfler, jedes Kapitel ist so eine Art Wikipedia Information vorangestellt, amüsant formuliert aus Zonjas Perspektive, immer in Bezug zu den Figuren oder der folgenden Situation:

"Der afrikanische Elefant ist ein Einzelgänger"

"In einem Liter Schwimmbadwasser befinden sich in Deutschland zwischen 0,5 und 2 Milligramm Chlor."

"Das Wort Labyrinth stammt aus dem Griechischen, wo es den Irrgarten des Königs Minos auf Kreta bezeichnete, in dem dieser zum Schrecken seines Volkes den Minotaurus, ein Mischlingsungeheuer aus Stier und Mensch, gefangen hielt."

Der junge Leser erhält viele Informationen. Hatten Sie keine Angst, dass Zonja eine altkluge, nervige Göre wird?

Höfler: Doch, ja, hatte ich, wir haben auch viel gefeilt. Einige Anfänge umgestellt, dadurch kam auch noch mal mehr Leichtigkeit hinein. Ich weiß gar nicht mehr, wie ich darauf gekommen bin, auf die kleinen Stückchen Wissensvermittlung. Es passte so gut zu dieser Figur, und ich hätte es auf keinen Fall streichen wollen. Und tatsächlich gibt es immer wieder Kinder, die sagen: Ich bin auch eine Zonja. Ich finde die sympathisch, ich sammel auch Informationen. Das finde ich dann schön.

Wegmann: Und Sie haben es natürlich in ihrem Ton, aus ihrer Perspektive erzählt. Von daher hat es auch nichts von einem Wikipedia Eintrag.

Mucks Geheimnis hat mit seinem gewalttätigen Vater zu tun, vor dem die Familie sich versteckt. Kann man sagen, der Roman ist eine Fluchtgeschichte?

Höfler: Ich glaube es deshalb nicht, weil er sehr an diesem Ort spielt, wo die beiden sich treffen. Und genau da ist Mucks nicht auf der Flucht. Selbst wenn ich sagen würde, wir schauen aus seiner Perspektive, geht es trotzdem über das Im-Moment-sein und jemanden treffen, der einen versteht, obwohl er nicht das gleiche erlebt hat.

"Trost mitgeben oder Humor"

Wegmann: Ein wichtiger Aspekt: Erwachsen werden. Dazu gehört, Entscheidungen zu treffen (Seite 82 zitieren). Entscheidungen gegen das, was andere denken und sagen.

Zonjas Mutter sagt an einer Stelle: "Mach das, was dir richtig vorkommt. Und lass dich nicht davon abbringen." (Seite 83)

Können Kinderbücher Kinder stärken?

Höfler: Ich hoffe. Ich glaube, es war Christine Nöstlinger, die gesagt hat: Die Welt ist hart genug. Kinderbücher sollen Kindern einen Trost mitgeben oder auch einen Humor, um mit schwierigen Situationen umzugehen. Ich glaube, die Kinder nehmen ohnehin aus jeder Geschichte etwas mit. Wie viel Ernst oder Humor in einer Geschichte vorkommt, spielt dabei keine Rolle, das ist nur Geschmack des Autors.

Wegmann: Alle Angaben zu den Büchern finden Sie im Internet unter deutschlandfunk.de. Zu Gast heute im Büchermarkt die Schriftstellerin Stefanie Höfler.

"Tanz der Tiefseequalle":

Niko kennt alle Schimpfwörter, alle gemeinen Ausrufe, wenn es um ihn und sein Körpergewicht geht. Sera interessiert sich für gut gebaute Jungs, für Mode und ihre Freundinnen und ist selber, Halbägypterin, schön wie Nofretete. Die beiden verbindet lediglich das gemeinsame Klassenzimmer. Bis Marko, Alphatier der Gruppe, immer gemeiner zu Niko wird und auf dem Klassenausflug Sera gegenüber fordernd und übergriffig, dass sie völlig entsetzt und handlungsunfähig, dankbar ist, als Niko eingreift. Ausgerechnet Niko. Niko wundert sich über sich selbst.

Niko ist für mich das beste Opfer seit Jahren und Sie haben eine Schönheit mit Wortsparsamkeit. Zwei starke Charaktere.

Eine Mobbing und Erste-Liebe-Geschichte der etwas anderen Art - zeitlich leicht überlappend aus zwei Perspektiven erzählt.

Der anderen Art, denn das Opfer, Niko, der Dicke, hat so viel Witz und einen so immensen Charme, wie man es selten gelesen hat.

Wie kamen Sie auf diese Figur?

"Leute, die anders sind - das hat mich gereizt"

Höfler: Das Thema "dickes Kind" ist nicht von mir, sondern hat meine Lektorin sich gewünscht, weil wir immer wieder auf Blogs und in Gesprächen auf Dicksein trafen, aber es nicht thematisiert. Was mir auffällt in der Gesellschaft: Es gibt Leute, die anders sind, aber man spricht nicht darüber. Das hat mich gereizt. Erst dachte ich, das ist nicht mein Thema, aber dann war es spannend, sich in eine solche Figur hineinzuversetzen, wenn man anders aussieht und dadurch auffällt.

Wie sieht es innen in Niko aus, und wie geht er damit um, das hat mich interessiert. Da klaffen die Haltungen auseinander. Aber für mich ist es auch ein Sera-Buch. Sie haben das zwar gesagt, aber sie ist nicht nur die Figur, die sich für Jungs mit schönen Körpermaßen interessiert, sondern sie macht sich Gedanken, nimmt Dinge wahrnimmt, macht kleine Beobachtungen, aber das lebt sie nicht aus. Und es ist auch ein Buch über Seras Körper.

Wegmann: Ja, man merkt nach und nach, dass sie unter ihrer Schönheit leidet.

Höfler: Genau, es sind zwei Menschen, die sich auf ganz andere Art durch die Begegnung miteinander mit ihrem Körper beschäftigen.

Worterfindung als Markenzeichen

Wegmann: Es gelingt Ihnen hervorragend, die beiden Stimmen in Ton und Rhythmus von einander abzugrenzen. Anfangs noch von Kapitel zu Kapitel wechselnd, verschränken sie sich in der gegenseitigen Annäherung und wechseln zum Schluss nur von Absatz zu Absatz.

Höfler: Dort, wo sich die beiden Figuren nahe kommen, wechselt die Perspektive. Das war der literarische Reiz an der Geschichte, es hat für aber auch einen großen Reiz das vorzulesen als Autorin.

Wegmann: Notfallabhauplan, Multifunktionsabenteuerhandtäschchen, Kondensstreifen-Einsammler – Sie sind eine Worterfinderin.

Höfler: Ja, das ist mein Markenzeichen. Da bin ich jetzt auch gespannt auf die Übersetzungen. Dafür werde ich aber auch manchmal kritisiert, auch von Jugendlichen: Die Wörter seien zu schwer. Ich weiß es nicht. Das Deutsche hat den Reiz, dass man Wörter hintereinander hängen kann, und es kommt etwas Langes, Schönes, Bedeutsames dabei heraus. Und das hat für mich einen großen Stellenwert. Aber es wird auch oft gekürzt vom Lektorat, also nach dem Motto, ein Stück nehmen wir noch hinaus.

"Mit sich selbst und der Welt im Einklang sein"

Wegmann: Auch hier haben wir es mit dem Thema Erwachsen werden zu tun: Sera löst sich aus der Gruppe, der Peergroup und geht ihren eigenen Weg. Niko akzeptiert mehr und mehr seinen Körper. Eine "Haltung haben" ist es das, was Sie vermitteln möchten?

Höfler: Ja, man könnte auch sagen, seinen Weg finden, oder mit sich selbst und der Welt im Einklang sein. In großen Teilen seines Lebens, nicht immer, auch wenn man andere Wege geht als die Gesellschaft es mit dem perfekten Körper oder dem perfekten Leben vorzeichnet.

Wegmann: Interessant war für mich zum Schluss, dass Niko an den Punkt kommt, dass er so geliebt werden will, wie er ist. Dass er nicht zuerst dünn werden muss.

Höfler: Er sagt wörtlich: Muss ich mich ändern, damit ich akzeptiert werde. Er möchte, dass er abnehmen kann, wann er möchte. Ohne den Druck.

Wegmann: Er ist zum Schluss wirklich einen großen Schritt weitergekommen.

Höfler: Er und sie.

"Kann sein, dass es Jungs heutzutage schwerer haben, ihre Rolle zu finden"

Wegmann: Sie auch, natürlich.

Niko hat ähnlich wie Mucks ein Geheimnis. Ein Familiengeheimnis. Wir wissen lange nicht, worum es geht. Er sagt, er hat ein Erinnerungslöschblatt, was er auf die Vergangenheit legt.

Wie wichtig ist die Leerstelle in einer Erzählung?

Höfler: Ich hatte am Anfang mehr zu dem Thema, hab es aber schon vor dem Lektorat zurückgenommen, weil ich es gar nicht so wichtig finde, dass man weiß, worum es geht. Der Junge ist dick, die Körperlichkeit ist eine Tatsache, damit muss man umgehen. Insofern ist die Leerstelle schon wichtig, weil sich jeder selber überlegen kann, was wäre denn mein Grund, von der Norm abzuweichen. In dem Augenblick als Sera und Niko sich treffen, geht es um den Umgang damit. Da liegt auch der Fokus der Geschichte.

Wegmann: In beiden Kinderromanen haben die Jungs ein Problem und die selbstbewussten Mädchen greifen pragmatisch ein. Ist das eine Wirklichkeitsbeschreibung?

Höfler: Ich schreibe aus dem Bauch heraus. Ich überleg mir vorher nicht: Wer ist jetzt der Dicke? Pro Kontra Mädchen/Junge. Die Geschichten entstehen in meinem Kopf. Kann sein, dass es auf eine Beobachtung zurückgeht, dass Jungs es heutzutage schwerer haben, ihre Rolle zu finden. Das kann sein.

Wegmann: Wir hören zum Abschluss eine Lesung aus "Tanz der Tiefseequalle". Stefanie Höfler:

(Lesung)

Wegmann: Ganz herzlichen Dank. Ein Auszug aus "Tanz der Tiefseequalle". Zwei starke Charaktere mit Mut und Humor, die man so schnell nicht wieder vergisst. Und ein Buch über Herzensstärke. Danke für Ihren Mut zu den leisen Tönen, Stefanie Höfler.

Mein Sommer mit Mucks, 140 Seiten, Verlag Beltz & Gelberg 

Tanz der Tiefseequalle, 190 Seiten, Verlag Beltz & Gelberg

 

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