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StartseiteSport am Wochenende„Zerreißprobe für den Fußball“15.12.2018

Kistner zum FIFA-Milliardendeal„Zerreißprobe für den Fußball“

Mitte November flog der Geheimplan auf: Fifa-Präsident Gianni Infantino will zentrale Rechte des Fußballweltverbandes für 25 Milliarden verkaufen – vorbei an den zuständigen Gremien. Selbst der DFB bezeichne den Deal als „unseriös“, sagte Journalist Thomas Kistner im Dlf.

Thomas Kistner im Gespräch mit Klaas Reese

FIFA Präsident Gianni Infantino  (imago stock&people)
FIFA Präsident Gianni Infantino (imago stock&people)
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Das "Project Trophy" habe nicht das Ziel, zwei neue Fußballturniere - die Klub-Weltmeisterschaft und die Nations League - zu schaffen, "vielmehr geht es darum, einen wirtschaftlichen Vorwand zu konstruieren, um einen ganz anderen Deal durchzuziehen, nämlich den des stillen Rechteausverkaufs", sagt Thomas Kistner im Deutschlandfunk.

Dies gehe eindeutig aus den geheimen Arbeitspapieren zwischen Gianni Infantino und den Investoren hervor. Diese Dokumente seien selbst von hauseigenen Fifa-Fachjuristen als brandgefährliche Absprachen zum Nachteil der FIFA klassifiziert worden.

Der Journalist Thomas Kistner (imago stock & people)Der Journalist Thomas Kistner (imago stock & people)

Die Behauptung der FIFA, dass es hunderte solcher Papiere gäbe, sei "Unfug", denn dann müsste es auch hunderte Offerten über 25 Milliarden Dollar geben. Dies sei aber nicht der Fall. "Es kann also nur um diesen einen dicken Fischzug gehen, an dem gewiss im Lauf der Monate herumgebastelt wird, der aber im Kern natürlich sein altes Ziel beibehalten muss: dass diese arabisch-asiatischen Milliardäre für so viel Geld auch etwas Entsprechendes bekommen. So rentabel wären nur die Digitalrechte der FIFA für alle Zukunft, aber ganz sicher nicht zwei solche Turniere, die die Welt schon heute nicht braucht", so Kistner.

In der FIFA habe jeder der 211 Nationalverbände eine Stimme. Mit Hilfe der "Zwerg-Verbände" könnte Infantino sich jedoch mit Zahlungen großer Summen, den sogenannten Entwicklungsgeldern, jede Abstimmung für sich hinbiegen. "Früher Sepp Blatter und heute Gianni Infantino, die haben ihre Skandalherrschaft immer auf ein Wahlsystem aufgebaut, dass geradezu von lächerlicher Absurdität ist", erklärt Thomas Kistner.

DFB bezieht Stellung

Der DFB sei empört über das Vorgehen Infantinos, der ja die Karten über seine wahren Verkaufspläne nicht auf den Tisch lege und versuche, die Kleinen gegen die Großen auszuspielen. Der DFB bezeichnet Infantinos Pläne als "unseriös".

"Es ist also eine ebenso harte, wie klare Einschätzung, die der deutsche Fußball da von Infantinos Agieren hat und der Verband geht noch weiter und sagt jetzt schon, dass er auf gar keinen Fall selbst abstimmen wird, wenn er beim FIFA-Gipfel in Rom selber dran ist, und dass er erwartet, dass die FIFA bis dahin alle Informationen zu dem Deal auf den Tisch legt. Klarer geht’s nicht."

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