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StartseiteKommentare und Themen der WocheDie Kleinsten schützen, aber ohne sie zu isolieren12.09.2021

Kitas und PandemieDie Kleinsten schützen, aber ohne sie zu isolieren

Kita-Kinder zu isolieren, sei nicht die richtige Art sie zu schützen, meint NRW-Landeskorrespondentin Vivien Leue. Sie sieht drei wichtige Bausteine beim Infektionsschutz für die Kleinsten: Erwachsene impfen, engmaschige Teststrategien und Luftfilter auch für Kitas.

Ein Kommentar von Vivien Leue

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Kind mit Muter vor einer Kita (picture alliance / dpa / Annette Riedl)
Kinder brauchen andere Kinder, sagt NRW-Korrespondentin Vivien Leue. Sie zum Schutz vor Corona zu isolieren, finde sie daher schwierig. (picture alliance / dpa / Annette Riedl)
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Seit Mitte Juli steigt die Zahl der Corona-Neuinfektionen wieder – die hoch ansteckende Delta-Variante breitet sich aus, vor allem unter den Ungeimpften. Und das sind zu großen Teilen – Kinder. Sie können sich noch nicht impfen lassen, sie müssen sich anders schützen, nur wie?

In den Schulen wird auf Maske, Abstand, Lüften und je nach Bundesland Lüftungsgeräte gesetzt. Außerdem werden Schülerinnen und Schüler regelmäßig getestet – so sollen Infektionsketten schnell entdeckt und gestoppt werden. Das scheint allerdings nicht wirklich gut zu funktionieren: Die Altersgruppe der 10- bis 14-Jährigen hat seit Wochen die höchste Inzidenz, sie liegt aktuell bei 223.

Und wie ist das in Kindergärten? Hier gibt keine Masken, keinen Abstand, überhaupt kein einheitliches Vorgehen. Eine Strategie? Sehe ich nicht. Meines Wissens haben sich die zuständigen Landesministerien auch noch nicht zum Gipfel zusammengesetzt, wie das zuletzt beim Thema Schule der Fall war. Dabei steigt auch in den ganz jungen Altersgruppen die Inzidenz. Bei den Null- bis Vierjährigen liegt sie aktuell bei 85, bei den Fünf- bis Neunjährigen bei 186.

Kinder anders schützen als durch Isolation

Unter diesen Vorzeichen sind nun die Quarantäneregeln für Kinder gelockert worden. Das ist gut so! Und zwar nicht, weil uns das Infektionsgeschehen bei den Kleinen egal sein sollte. Im Gegenteil: Zwar erkranken Kinder meist nicht schwer, aber wir wissen noch gar nicht, welche Langzeitfolgen eine Corona-Infektion auch bei ihnen auslösen kann. Und: Natürlich schleppen die Jüngsten die Infektionen auch wieder in ältere Jahrgänge. Es darf uns also nicht egal sein, was in Kindergärten gerade passiert.

Trotzdem sind die Lockerung der Quarantäneregeln für Kinder gut und richtig – denn die Kleinen müssen anders geschützt werden, als sich zu Hause zu isolieren. Kinder brauchen Kinder - und es braucht diesen Raum außerhalb der Familie, damit Kinder wirklich die gleichen Chancen haben. Und ja, auch damit die Eltern, oder seien wir ehrlich: die Frauen, unbesorgt arbeiten gehen können.

Vier bunte Schulranzen stehen nebeneinander auf einer Bank. (picture alliance/dpa | Bernd Thissen) (picture alliance/dpa | Bernd Thissen)Kinder unter zwölf im Corona-Herbst
Bei steigenden Inzidenzen sollen Schulschließungen im Herbst 2021 keine Option sein. Die Gesundheitsminister der Länder haben einheitliche Quarantäneregeln vereinbart. Ein Überblick.

In vielen Kommunen gibt es keine Test-Strategie

Es ist also gut, dass endlich Kita-Schließungen wie auch ständige Quarantänen nicht mehr die Hauptbausteine einer guten Corona-Strategie sind. Denn es gibt so viel mehr!

Baustein 1: Impfen. Erzieherinnen und Erzieher, Eltern, Babysitter, Großeltern, Tanten und Onkel – alle sollten geimpft sein. Es ist gut, dass das beim Kita-Personal jetzt abgefragt werden darf. Auch Eltern sollten gefragt werden, ob sie geimpft sind. Immerhin wollen sie ihr Kind gut und sicher betreut wissen.

Baustein 2: Testen. Wer nicht geimpft ist, sollte sich alle zwei Tage testen lassen – vielleicht auch auf eigene Rechnung. Außerdem müssen die Kita-Kinder viel engmaschiger mitgetestet werden. In Köln läuft ein Pilotprojekt mit Lolli-PCR-Tests – für die Kinder dort ist das längst zur Routine geworden. In vielen anderen Kommunen gibt es aber keine Test-Strategie.

Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)Übersicht zum Thema Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)

Warum nicht auch Luftfilter in Kitas?

Baustein 3: Lüften. Das Coronavirus verbreitet sich vor allem übe Aerosole, und Lüften ist hier der beste Schutz. Ob Lüftungsgeräte wirklich Sinn machen, oder sie die Luft viel zu langsam filtern, ist umstritten. Aber wenn in etlichen Büros, Behörden und mittlerweile auch Schulen diese Geräte eingesetzt werden – warum nicht auch in Kitas?

Es gibt in der Coronapandemie keinen goldenen Weg, das ist klar. Aber es gibt eben Bausteine, die mal hier, mal da auch ersetzt oder nachjustiert werden können. Gut, dass die Bausteine Kita-Schließung und Quarantäne jetzt erst einmal nicht mehr die tragenden sind. Umso wichtiger, dass die anderen Bausteine die tragende Funktion nun übernehmen – damit das Haus im Herbst nicht doch wieder einstürzt.  

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