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StartseiteSprechstundeKleiner Pieks mit großer Wirkung06.11.2012

Kleiner Pieks mit großer Wirkung

Eine Reportage zur Influenza und ihrer Impfung

Impfen oder nicht impfen? Diese Frage stellen sich viele Menschen regelmäßig zu Herbstbeginn, wenn die Influenza- und Grippewellen aufkommen. Ärzte raten vor allem bestimmten Personengruppen zu dem kleinen Pieks: chronisch Kranken wie Diabetikern, Herz- oder Lungenpatienten und Senioren.

Von Renate Rutta

Ein Arzt impft einen Patienten gegen Influenza.  (AP)
Ein Arzt impft einen Patienten gegen Influenza. (AP)

"Ich habe mich gerade vorgestern impfen lassen."

Dieter Fehling ist 77 Jahre alt und lebt im Seniorenzentrum Michaelshoven.

"Früher habe ich mich nie impfen lassen, weil ich in einem Molkereibetrieb gearbeitet habe und da war es immer kalt. Ich habe mich aber jetzt überzeugen lassen, dass es besser ist."

Patienten sind für das Thema Grippeimpfung immer offen. Sie sind nicht immer positiv demgegenüber.

Dr. Ursula Kröger, Ärztin für Allgemeinmedizin, hat ihre Praxis direkt im Seniorenzentrum Michaelshoven. Sie impft die Bewohner.

"Ich habe aber die Erfahrung gemacht, wenn man ihnen erklärt, was Grippeimpfung bedeutet, dass es keine landläufige Grippe ist, sondern die Impfung gegen Influenza, die ja als Kontinent überschreitende Epidemie auftreten kann und dann ausgesprochen lebensgefährlich sein kann, dass sie dann sagen, ja, wenn ich zu den Risikopatienten gehöre, lasse ich mich doch impfen."

"Im Alter kann man ja eher sowas bekommen und das sind ja immer verschiedene Grippen, die kommen und dann ist man dagegen gefeit dann, ne."

Auch Klara Eisenkopf, 85 Jahre alt, hat sich gegen die Grippe impfen lassen.

"Ich hab mich schon impfen lassen. Seit fünf Jahren lasse ich mir das machen und habe bis dahin noch keine Grippe gehabt. Deshalb bin ich froh, dass ich das gemacht habe."

"Die Impfung in unserem Seniorenheim wird vorher angekündigt auf der Station, so dass die Betreuer, die Bewohner und auch die Schwestern Bescheid wissen, wann Impftag ist. An einem solchen Tag gehen wir auf Station mit unserem Stethoskop "bewaffnet", schauen, ob jemand krank ist, hören die Bewohner ab, um festzustellen, ob zurzeit ein Infekt vorliegt. Wenn kein Infekt vorliegt, wird ein Patient nach dem andern, der die Einverständniserklärung abgegeben hat, geimpft."

Die Hausärztin empfiehlt die Impfung vor allem chronisch Kranken wie Diabetikern, Herz- oder Lungenkranken, so wie Elisabeth Schumacher, 74 Jahre.

"Ich habe zu wenig Sauerstoff in der Lunge und für mich ist die Grippeimpfung sehr wichtig, denn wenn ich eine Lungenentzündung bekomme, dann ist es ganz kritisch. Ich muss sie nehmen, hat auch meine Lungenspezialistin gesagt, dass ich geschützt bin."

Dr. Ursula Kröger rät auch den Pflegenden zur Grippeimpfung.

"Ich empfehle es den Pflegenden auf jeden Fall, weil sie nicht nur diejenigen sind, die sich anstecken können, sondern sie können auch Überträger sein, das heißt, sie können die Gepflegten anstecken.
Und das ist sehr unangenehm, weil die eine deutlich schlechtere Abwehrlage haben als die Pflegenden. Und meist dann einen deutlich stärkeren Ausbruch der Erkrankung bekommen als die Pflegenden selber."

Wohnbereichsleiterin Melanie Noack, 30, ist eher skeptisch.

"Das, was ich weiß ist, dass das ältere Personal sich impfen lässt. Bei den Jüngeren weiß ich es persönlich nicht. Ich lass mich nicht impfen, weil mir ein Medizinstudent mal gesagt hat, dass es für den Körper wichtig ist, mal ne Grippe durchzumachen, also mal Fieber zu entwickeln, dass der Körper Antikörper aufbauen kann. Deswegen lass ich es nicht machen."

"Wir sagen, bitte liebe Schwestern, die ihr zu den Bewohnern geht, desinfiziert euch die Hände und die Unterarme vor und nachdem ihr bei den Bewohnern gewesen seid."

Wir sagen zu allen unseren Patienten, Niesen möglichst in den Ellenbogen, natürlich sollte man sich möglichst wenig die Hand geben. Dennoch muss ich sagen, es ist eine so positive Geste. Ich mache es nach wie vor und desinfiziere mir hinterher die Hände.

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