Donnerstag, 01. Dezember 2022

Berlin
Klimaaktivisten legen vorübergehend gesamten Flugverkehr am BER lahm

Klimaaktivisten haben den Flugverkehr in der Hauptstadtregion für gut zwei Stunden lahmgelegt. Wie ein Sprecher des Flughafens BER Berlin-Brandenburg bestätigte, ruhte der gesamte Flugverkehr von und in die Bundeshauptstadt seit dem frühen Abend. Zwischen 16 und 17 Uhr seien zwei Gruppen von Klimaaktivisten der "Letzten Generation" an zwei unterschiedlichen Stellen in den intern abgesperrten Bereich des Flughafens vorgedrungen.

24.11.2022

    Ein Fluggast im Wartebereich des Terminals vom Flughafen Berlin-Brandenburg.
    Seit dem frühen Abend ruht der gesamte Flugverkehr von und in die Bundeshauptstadt. (picture alliance / NurPhoto | Emmanuele Contini)
    Aufgrund der Aktion habe kein gefahrloser Flugbetrieb mehr abgewickelt werden können. Inzwischen wurde der Flugbetrieb auf beiden Start- und Landebahnen wieder aufgenommen. Es kommt aber noch zu Verzögerungen. Man bitte um Geduld, hieß es. Auf dem Gelände nahm die Polizei mehrere Klimaaktivisten in Gewahrsam. Das Polizeipräsidium Brandenburg teilte mit, es werde Anzeige erstattet wegen gefährlichen Eingriffs in den Flugverkehr, Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung. Einige von ihnen hätten sich am Boden festgeklebt.
    Nach Angaben des Flughafensprechers wurden ankommende Flüge auf benachbarte Flughäfen umgeleitet, etwa nach Leipzig und Hannover. Bei abgehenden Verbindungen waren die Auswirkungen zunächst unbekannt. Seit Anfang dieses Jahres blockieren Mitglieder der Initiative "Letzte Generation" Straßen und Autobahnzufahrten, indem sie sich auf dem Asphalt festkleben, um auf die Klimakatastrophe aufmerksam zu machen. Zuletzt bewarfen Aktivisten in mehreren Museen Kunstwerke mit Flüssigkeiten.

    Massive Kritik aus der Politik

    Aus der Politik kommt deutliche Kritik. Brandenburgs Innenminister Stübgen sagte, die Aktion sei durch nichts zu rechtfertigen. Der SPD-Fraktionsvize im Bundestag, Wiese, sprach von einem erheblichen Sicherheitsrisiko. Solche Aktione gefährdeten Menschenleben, sagte er dem Nachrichtenportal "t-online". Das Strafrecht habe hierauf eine klare Antwort: Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zehn Jahre. Mit solchen Aktionen schadeten diese Aktivisten dem Kampf gegen den Klimawandel.
    Der Berliner FDP-Chef Sebastian Czaja wird noch deutlicher. Er sprich von "Klima-Kriminellen". Sie hätten eine "weitere Eskalationsstufe gezündet", sagte er ebenfalls "t-online". Ähnlich äußerte sich CDU-Generalsekretär Mario Czaja. Erneut wurden unter dem Deckmantel angeblichen Protests kriminelle Grenzen überschritten, führte er aus.
    Die Berlineer Grünen-Chefin Mertens drängte auf verschärfte Sicherheitsmaßnahmen am Flughafen: Der BER müsse seine Sicherheitskonzepte überarbeiten. Ihre Partei teile zwar den dringend nötigen Handlungsbedarf in punkto Klimaschutz, Protest müsse aber die Gefährdung anderer Menschen ausschließen. AfD-Chefin Weidel kritisierte auch die Grünen. Es sei an der Zeit, dass die führenden Köpfe der Grünen endlich "ihr aktionistisches Vorfeld" zurückriefen.
    Diese Nachricht wurde am 24.11.2022 im Programm Deutschlandfunk gesendet.