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StartseiteKommentare und Themen der WocheKeine guten Aussichten unter der Dunstglocke von Kattowitz03.12.2018

KlimakonferenzKeine guten Aussichten unter der Dunstglocke von Kattowitz

Ausgerechnet im Kohlerevier rund um die polnische Großstadt Kattowitz wurde die 24. UN-Klimakonferenz eröffnet. Die großen Politiker-Auftritte fehlen dieses Mal. Das ist nur ein Zeichen, warum von diesem Gipfel nicht viel zu erwarten ist, meint Georg Ehring.

Von Georg Ehring

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Das Kraftwerk Jaworzno (Polen); rechts im Bild die Baustelle für einen neuen Kraftwerksblock. (dpa / picture alliance / Jan Woitas)
Der 24. UN-Klimagipfel findet ausgerechnet im Kohle-Land Polen statt. (dpa / picture alliance / Jan Woitas)
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Dicke Luft in Kattowitz und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: Am Konferenzort im oberschlesischen Industrierevier sorgen Kohleheizungen, Kraftwerke und Fabriken für eine Dunstglocke über der Stadt. Es riecht ein bisschen nach faulen Eiern, man spürt mit jedem Atemzug, worum es hier geht. Viele Menschen leben hier von der Kohle und sie leiden trotzdem darunter. Ein guter Ort um darüber zu debattieren, wie der Ausstieg aus der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas gelingen kann, ohne ganze Regionen in Armut zu stürzen.

Es ist Klimakonferenz - und kaum jemand geht hin

Zur feierlichen Eröffnung  der Klimakonferenz waren heute die Staats- und Regierungschefs der Welt geladen, und hier zeigt sich das Dilemma. Denn gerade einmal zwei Dutzend Staatenlenker statteten Kattowitz einen Besuch ab. Die Chefs der Länder, die besonders viel zur Erderwärmung beitragen, fehlten komplett – China, Russland und Japan, die USA sowieso, aber auch Emmanuel Macron aus Frankreich und Bundeskanzlerin Angela Merkel glänzten durch Abwesenheit.

Und das ist der Kern des Problems: Viel zu viele stehen hier nach wie vor abseits – Politiker, Unternehmer, auch viele Bürger. Klimaschutz kann aber nur gelingen, wenn er wichtig genommen und zur Chefsache wird. Dabei werden die Warnungen der Wissenschaft immer schriller: Selbst zwei Grad Erwärmung sei viel zu viel, die Erde könne in die unaufhaltsame Spirale eines auch von der Natur angetriebenen weiteren Temperaturanstieges geraten. Es ist also dringend geboten, die Erwärmung bei 1,5 Grad zu stoppen, um unabsehbaren Schaden zu vermeiden.

Geringe Erwartungen, doch die Zeit drängt

Und dafür ist viel mehr erforderlich als ein paar Kohlekraftwerke zu schließen oder die Produktion von Elektroautos etwas schneller hochzufahren. Um die 1,5 Grad einzuhalten, müssten die Anstrengungen der Weltgemeinschaft verfünffacht werden, rechnet das UN-Umweltprogramm vor. Bis zum Jahr 2030 gelte es, die Emission von Treibhausgasen zu halbieren, das ist ein verdammt enger Zeitplan. Um das Jahr 2050 herum muss die Welt auf null Emissionen kommen – für jede Tonne CO2, die dann noch entweicht, muss die gleiche Menge der Atmosphäre entzogen werden.

Sicher, die Themen, die in Kattowitz verhandelt werden, sind wichtig: Ergebnis soll eine Gebrauchsanleitung für das Pariser Abkommen sein. Darin steht unter anderem, wie CO2-Emissionen zu messen und zu veröffentlichen sind. Auf der Tagesordnung stehen Fragen in denen sich die Unterhändler im Pariser Abkommen noch nicht einigen konnten – jetzt müssen sie gelöst werden.

Gelingt dies, dann hat die Konferenz ihre selbst gesteckte Aufgabe erfüllt und man kann nur hoffen, dass es so kommt. Doch drei Jahre nach Paris ist es an der Zeit, die Dimension der Aufgabe ernst zu nehmen und beim Ausstoß von Treibhausgasen endlich die Notbremse zu ziehen. Doch das wird auch in Kattowitz wohl nicht passieren.

Georg Ehring  (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Georg Ehring (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Georg Ehring, Jahrgang 1959, hat in Dortmund Journalistik und Politikwissenschaften studiert, später an der Fernuniversität Hagen Volkswirtschaft. Er arbeitet beim Deutschlandfunk als Redaktionsleiter Wirtschaft und Umwelt. Berufliche Stationen zuvor waren die zentrale Wirtschaftsredaktion der Nachrichtenagentur Reuters in Bonn und zuvor in den 1980er-Jahren freiberufliche Tätigkeit überwiegend für den WDR in Dortmund.

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