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StartseiteKultur heuteGastspiele und Kunst-Transporte sind besonders schlecht fürs Klima25.05.2021

Klimaneutrale KulturGastspiele und Kunst-Transporte sind besonders schlecht fürs Klima

Der Weg zu einer klimaneutralen Kultur ist noch weit, zeigt ein Pilotprojekt der Bundeskulturstiftung. Flüge, etwa zum Transport von Kunstwerken oder bei Gastspielen, fielen besonders ins Gewicht, sagte Hortensia Völckers, künstlerische Leiterin der Stiftung, im Dlf. Auflagen hält sie für "gut und richtig".

Hortensia Völckers im Gespräch mit Karin Fischer

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Eine Fotografie von Hortensia Völckers während der Eröffnungspressekonferenz der Documenta 2017 in Kassel (imago / Rüdiger Wölk)
Hortensia Völckers von der Bundeskulturstiftung sieht Klimaschutz als wichtige Aufgabe der Kulturinstitutionen (imago / Rüdiger Wölk)
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Kunstwerke reisen als wertvolle Ausleihen rund um die Welt. Sängerinnen, Musiker und Theatertruppen fliegen zu internationalen Festivals. Klimaanlagen in Museen schützen die Kunstwerke, sind aber Energiefresser. Die Kulturstiftung des Bundes hat in einem viermonatigen Pilotprojekt Klimabilanzen in Kulturinstitutionen untersucht. Ziel war es, Daten zu gewinnen und den Institutionen anhand dieser Daten Spar-Potentiale aufzuzeigen.

Aktivisten von Fridays for Future malen den Schriftzug «WIR ALLE FÜR 1,5 GRAD" auf die Mönckebergstraße. Fridays for Future Hamburg beteiligte sich am globalem Klimastreik unter dem Motto «#Alle für1Komma5». (picture alliance / dpa | Georg Wendt) (picture alliance / dpa | Georg Wendt)Wie klimafreundlich sind Kunstinstitutionen?
Will man den menschengemachten globalen Temperaturanstieg auf 1,5 Grad Celsius begrenzen, müssen alle mitmachen – auch die Kultureinrichtungen. Ein Pilotprojekt soll sie dabei unterstützen, nachhaltiger und möglichst klimaneutral zu agieren.

19 Institutionen in unterschiedlichen Regionen Deutschlands seien für das Projekt ausgesucht worden, sagte die künstlerische Leiterin der Bundeskulturstiftung, Hortensia Völckers, im Dlf. Unter den Teilnehmern seien Museen, Theater, Bibliotheken und Orchester gewesen, die in möglichst unterschiedlichen Gebäuden residieren. Eine Agentur half den Einrichtungen, ihre Rechnungen zu Abfall, Energie und Mobilität in Form von Tabellen anzulegen.

Ihren ökologischen Fußabdruck jetzt zu kennen, sei von den Institutionen sehr positiv aufgenommen worden. "Die waren alle begeistert, haben alle gesagt: Das hilft ihnen unglaublich weiter." 

Kulturinstitutionen sollen ihr Team für Klimaschutz begeistern

Als besonders schlecht fürs Klima stellten sich Flüge, die Transporte von Kunstwerken und Gastspiele heraus, wie die künstlerische Leiterin der Bundeskulturstiftung betonte. "Es ist der Schock, wenn man das sieht. Als ich meine Flüge nach Afrika und Mexiko gesehen habe, da habe ich mich schon geschämt." Neben der Heizung seien auch Bühnenbilder, die nach der Produktion meist weggeworfen werden, schlecht für den ökologischen Fußabdruck. "Das ist eine irre Herausforderung, weil wir unsere Kultur sehr verändern müssen."

Haupteingang, Ansicht vom Scharounplatz (Nordfassade). Die Fassade zum Scharounplatz wird großflächig verglast. So wird von außen die vielfältige Nutzung wahrnehmbar. Die offene Glasfassade wirkt einladend und verbindet das Museum mit dem umgebenden Stadtraum. Im ersten Obergeschoss ist der zentrale Ausstellungsraum als geschlossener Sichtbetonkubus ablesbar. (Herzog & de Meuron) (Herzog & de Meuron)Forscher: "Wenn ich ein Museum planen würde, wäre es sehr hässlich"
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Wichtig ist nach Auffassung von Hortensia Völckers, dass Institutionen ihr ganzes Team für die Verbesserung der Klimabilanz begeistern. "Es geht darum, die Gastspiele anders zu organisieren, Bestellungen von Werkstätten zu überarbeiten, ein möglichst papierloses Büro zu schaffen, das anders beheizt wird." Jetzt könne man den Prozess noch selbst gestalten. Als nächsten Schritt hält Völckers Auflagen für wahrscheinlich. Ein Schritt, der auch wieder Fragen aufwerfe: "Wie kontrolliert man die Einhaltung der Auflagen? Oder gibt es kein Geld, wenn man sich nicht verbessert als Institution?"

Kommunen und Länder müssen Umstellungen einfordern

Von einer Kopplung der Fördermittel an Nachhaltigkeitsziele wie beim British Arts Council ist Deutschland nach Auffassung von Völckers noch weit entfernt. "Das würde wahrscheinlich sofort als Eingriff in die Freiheit der Kunst gesehen." Grundsätzlich hält die künstlerische Leiterin der Bundeskulturstiftung es aber für gut und wichtig, wenn es Auflagen gäbe. Hier Umstellungen einzufordern, sei dann Sache der Kommunen, der Bundesländer und vereinzelt des Bundes.

Die Aufgabe der Bundeskulturstiftung sieht Völckers dagegen darin, Institutionen zu zeigen, wie man die eigene Klimabilanz verbessert. Neben dem Pilotprojekt bietet die Bundeskulturstiftung einen Kompass für ökologisches und nachhaltiges Produzieren im Kulturbereich an, der auf der Online-Seite der Bundeskulturstiftung eingesehen werden kann.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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