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StartseiteKommentare und Themen der WocheEin Armutszeugnis für die Union22.06.2021

Klimapaket der BundesregierungEin Armutszeugnis für die Union

Durch die Blockadehaltung von CDU/CSU ist es wieder nicht gelungen, langfristige Ausbaupfade für Erneuerbare Energien festzulegen, kommentiert Ann-Kathrin Büüsker das Klimapaket der Bundesregierung. So verlagert man auch dieses Problem wieder in die Zukunft – und setzt diese damit aufs Spiel.

Ein Kommentar von Ann-Kathrin Büüsker

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Uckermark GER, Deutschland, 20210620,Uckermark, Windenergie *** Uckermark GER, Germany, 20210620,Uckermark, wind energy (IMAGO / serienlicht)
Erneuerbare Energien werden zu einem relevanten Standortfaktor und Deutschland wäre gut beraten, hier mächtig auf die Tube zu drücken, kommentiert Ann-Kathrin Büüsker (IMAGO / serienlicht)
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Ohne genügend Strom aus regenerativen Energien ist jegliches Klimaschutzziel Schall und Rauch. Wenn Elektrofahrzeuge nur mit Strom geladen werden können, der mit Kohle oder Gas hergestellt wurde – dann hilft das unserer CO2-Bilanz gar nicht. Das ist eigentlich inzwischen schon eine Binse, so oft wiederholen es Umweltverbände, so oft wiederholt es inzwischen sogar die Industrie. Und dennoch hinken wir beim Ausbau massiv hinterher – vor allem bei der Windkraft.

Dr. Patrick Graichen, Direktor Agora Energiewende, Deutschland, Berlin, Bundespressekonferenz, Thema: 15 Eckpunkte für das Klimaschutzgesetz, 13.05.2019 *** Dr Patrick Graichen Director Agora Energiewende Deutschland Berlin Federal Press Conference Topic 15 Key points for the Climate Protection Act 13 05 2019 (IMAGO / Metodi Popow) (IMAGO / Metodi Popow)Klima- und Energiepaket der Koalition - "Zeitverzögerungen, die wir uns nicht erlauben können"
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Dass es nun erneut nicht gelungen ist, langfristige Ausbaupfade für Erneuerbare Energien festzulegen über das kommende Jahr hinaus – es ist ein Armutszeugnis. Und zwar eines, das sich die Union abholen darf. Schön, dass im Wahlprogramm steht, dass CDU und CSU den Ausbau fördern wollen. Es aufzuschreiben geht locker von der Hand – es umzusetzen offenbar nicht, denn das hätte die Partei ja jetzt in der Hand gehabt. Stattdessen verlagert man auch dieses Problem wieder einmal in die Zukunft. Und setzt eben diese damit aufs Spiel.

Erneuerbare Energien werden zu einem Standortfaktor

Denn wenn Unternehmen in Deutschland keinen emissionsfreien Strom bekommen, dann werden sie ihn sich irgendwo anders holen. Dann haben wir die gefürchteten Produktionsverlagerungen und damit das Abwandern von Arbeitsplätzen und Wertschöpfung nicht, weil unsere Klimaschutzregeln zu streng waren – sondern weil wir es schlicht verpennt haben, Bedingungen für klimaneutrale Industrie zu schaffen. Dann werden Unternehmen dorthin abwandern, wo sie Co2-freien Strom bekommen.

Und dafür müssen sie gar nicht unbedingt weit gucken – denn im europäischen Ausland gibt es genügend Bestrebungen auch Atomstrom als grün und klimafreundlich zu labeln. Das wäre für Deutschland dann mehrfach blöd gelaufen. Erneuerbare Energien werden damit zu einem relevanten Standortfaktor und Deutschland wäre gut beraten, hier mächtig auf die Tube zu drücken.

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Grüner Wasserstoff – energieintensive Herstellung

Und wer jetzt laut "Wasserstoff" ruft – und alle Hoffnung darin setzen will, der sei daran erinnert: Auch die Herstellung von grünem Wasserstoff ist energieintensiv. Das gilt gleichermaßen übrigens für den Traum von synthetischen Kraftstoffen, um Verbrennungsmotoren weiterhin betreiben zu können – auch für deren Herstellung wird so viel grüner Strom benötigt, dass Fachleute sagen, dass diese Kraftstoffe eigentlich nur da eingesetzt werden dürften, wo wir keine elektrische Alternative haben.

Wie man es also dreht und wendet – ohne Erneuerbare Energien geht gar nichts. Wenn die Blockierer in der Union das endlich begreifen würden, kämen wir dem von der Partei forcierten Klimawohlstand ein deutliches Stückchen näher. Im Moment sind wir davon noch weit entfernt.

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