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StartseiteUmwelt und VerbraucherDie widersprüchliche Kohlepolitik der Weltbank03.12.2018

KlimapolitikDie widersprüchliche Kohlepolitik der Weltbank

Während die Weltbank als größte Entwicklungsorganisation der Welt aus der Finanzierung von Kohle, Öl und Gas aussteigen will, steht die Politik ihrer Schwesterorganisation im Widerspruch dazu. Die International Finance Corporation IFC finanziert weiter Kohleprojekte. Klimaschutzgruppen aus aller Welt protestieren.

Von Heike Wipperfürth

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Ein Blick über die Stadt Guangzhou mit Blick auf das International Finance Center (IFC). (picture alliance / dpa / Nan Sha Gz)
Ein Blick über die Stadt Guangzhou mit Blick auf das International Finance Center (IFC). (picture alliance / dpa / Nan Sha Gz)
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Im Oktober 2018 fällte Weltbank-Chef Jim Yong Kim eine bemerkenswerte Entscheidung über die schon lange beschlossene Finanzierung eines riesigen Kohlekraftwerkes im Kosovo. Er sagte: "Wir haben uns fest entschlossen, das Kohlekraftwerk nicht mehr zu unterstützen. Denn erneuerbare Energien sind preiswerter als Kohle."

Finger weg von Kohle oder Öl- und Gasförderung – lautet jetzt die Marschrichtung bei der größten Entwicklungsorganisation der Welt. Das gilt jedoch nur für Teile der Weltbank. Die Schwesterorganisation der Weltbank, die International Finance Corporation, kurz IFC, wird diesen Pfad nicht einschlagen. Die IFC, die 2.000 private Unternehmen in 125 Ländern unterstützt, erwartet von ihren Kreditnehmern nur, dass diese den Anteil von Kohle an ihren Investitionen senken und will viel mehr zweckgebundene Darlehen für Energieeffizienz und erneuerbare Energien vergeben – von einem sofortigen und völligen Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas ist nicht die Rede. 

IFC vergab jüngst Darlehen für Kohleprojekte

Schon seit Wochen versuchen deshalb über 30 Klimaschutzgruppen aus aller Welt die IFC von mehr Konsequenz zu überzeugen: Unter anderem solle sie keine Unternehmen mehr finanzieren, die in mehr als fünf Prozent Kohle in ihrem Portfolio investieren. IFC-Leiter Philippe Houerou ist anderer Meinung:  
"Unser Konzept ist klar. Wir finanzieren Banken, die in Kohle investiert haben. Aber das tun wir nur, um diese alten Investitionen in Kohle loszuwerden."
 
Das zu glauben fällt Kritikern schwer. 2017 und 2018 vergab die IFC noch zwei Darlehen in Millionenhöhe für den Ausbau eines Zementwerks und eines Kohlebergwerkes in Myanmar. 170 Klimaschutzgruppen aus aller Welt protestierten: Sie solle sich ebenso an die Zusage der Weltbank halten, keine Kohleprojekte mehr zu finanzieren. Kristen Genovese vom Centre for Research on Multinational Corporations, einer Klimaschutzorganisation in den Niederlanden, erklärt: "Die IFC investiert in eine kohlebetriebene Zementfabrik und will die Kapazität verdoppeln. Aber die Treibhausgasemissionen verdoppeln sich auch."

Auch auf den Philippinen, einer der vom Klimawandel am schlimmsten betroffenen Regionen der Welt, unterstützt die IFC Kohleprojekte. Empört legten Umweltschutzorganisationen Beschwerde dagegen ein – ohne Erfolg. Klimaschützer Ian Rivera erklärte auf dem Herbsttreffen der Weltbank in Indonesien im Oktober 2018: "Vier der 19 von der IFC finanzierten Kohlekraftwerke haben den Betrieb aufgenommen, seit wir unsere Beschwerde vor einem Jahr eingereicht haben. Wenn die IFC nichts Drastisches unternimmt, dann werden bald 15 weitere Kohlekraftwerke 30 Jahre lang laufen. Wir aber fordern, dass die IFC nur noch erneuerbare Energien in armen Gegenden finanziert."

Wie viel setzt die Weltbank wirklich um?

Auch der angekündigte Ausstieg der Weltbank aus den fossilen Energien werde in der Praxis keinesfalls lupenrein umgesetzt, warnte Han Chen, Mitarbeiterin bei der Umweltschutzorganisation Natural Resources Defense Council. "Die Weltbank sagt, dass sie die Öl- und Gasförderung ab dem nächsten Jahr nicht mehr unterstützt. Aber sie finanziert andere Teile der Öl- und Gasbranche. Zum Beispiel das Leitungsnetz. Darin werden Öl und Gas über weite Entfernungen transportiert - obwohl Emissionen entstehen."

Kritiker wie Chen bemängeln, dass die IFC oft nicht bekannt gibt, wo private Unternehmen, die sie finanziert, das IFC-Geld investieren. Immerhin hat die IFC im Rahmen eines zweijährigen Pilotprojektes eine freiwillige Initiative einiger Kreditnehmer ins Leben gerufen, um Projekte offenzulegen. Doch das geht vielen Kritikern nicht weit genug. Sie fordern, dass alle alten und neuen Finanzpartner der IFC ihre Investitionen in fossile Brennstoffe veröffentlichen. Und dass sie sich verpflichten, so schnell wie möglich aus den Investitionen in fossile Brennstoffe auszusteigen.

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