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StartseiteAus Kultur- und SozialwissenschaftenZwischen ökologischer Notwendigkeit und sozialer Gerechtigkeit26.12.2019

KlimaschutzZwischen ökologischer Notwendigkeit und sozialer Gerechtigkeit

Naturwissenschaftler haben mit düsteren Szenarien und Zukunftsvisionen zum Klimaschutz die Schlagzeilen bestimmt. Jetzt melden sich zunehmend Sozialwissenschaftler zu Wort, um auf die Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesellschaft aufmerksam zu machen.

Von Barbara Weber

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Windhose vor traditioneller Strohhütte in Äthiopien. (Symbolbild) (imagebroker / Michael Runkel)
Hitzewellen und Dürre kommen immer häufiger vor. Auch Äthiopiens Kllima hat sich in den letzten Jahren stark verändert. (imagebroker / Michael Runkel)

Brüssel. 11. Dezember 2019. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen stellt den Green Deal vor. Bis 2050 soll Europa klimaneutral werden – so ihre Vision.

Sie will die Wirtschaft mit dem Planeten versöhnen, Emissionen stoppen, Jobs schaffen und Innovationen vorantreiben, denn alle wissenschaftlichen Daten deuten darauf hin, dass sich die Erde, verursacht durch Treibhausgase, massiv verändern könnte. 

280 Moleküle von einer Million machen den Unterschied zwischen einer unfruchtbaren Einöde und dem Garten Eden, denn diese 280 CO2-Moleküle in der Atmosphäre sorgen dafür, dass unsere Erde nicht gefriert. Wie ein Mantel umhüllt die Atmosphäre unseren Planeten und schafft so die Grundlage für Leben. 280 CO2-Moleküle hatten wir zuletzt im Jahr 1860 in unserer Atmosphäre. Da stand die Industrialisierung noch am Anfang. 

Im November wurde in der NOAA-Messstation Mauna Loa in Hawaii ein Monatsdurchschnitt von 410 Molekülen gemessen.

Diese Entwicklung blieb nicht ohne Folgen:

"So hat sich die Durchschnittstemperatur Deutschlands seit der vorindustriellen Zeit, also von 1881 bis 2018, um rund 1,5 Grad erhöht", sagt Umweltministerin Svenja Schulz.

Und Laura Cozzi, Energieexpertin der Internationalen Energieagentur und Co-Autorin der IEA-Analyse 2019 warnt: "Wenn Sie sich anschauen, was seit 2010 passiert ist, sind die CO2-Emissionen jedes Jahr um ein Prozent gestiegen. Wenn wir nicht gegensteuern, geht das bis 2050 so weiter. Wir sind sehr weit von dem entfernt, wo wir sein sollten."

Globale Emissionen haben einen historischen Höhepunkt erreicht. Jeder kennt die Zahlen – doch geändert hat sich nichts, sagt Dr. Fatih Birol, IEA Executive Director.

Warnungen auf der Ersten Weltklimakonferenz 1979

Schon auf der ersten Weltklimakonferenz 1979 in Genf warnten deren Teilnehmer vor den Folgen wachsender CO2-Emissionen. Vor zehn Jahren hielten die beteiligen Staaten fest, dass der Klimawandel nur durch "tiefe Einschnitte" gebremst werden könnte. Doch der Ausstoß an Treibhausgasen ist seither weiter gestiegen. Da sind sich die Wissenschaftler einig, angefangen vom Weltklimarat, von dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen bis hin zu der Welt-Meteorologie-Organisation, die im Vorfeld der Madrider Klimakonferenz in ihrem neuen Treibhausgas-Bulletin bestätigte: 2018 wurde ein neuer Rekord beim Kohlendioxyd-Gehalt der Luft aufgestellt.

Doch was läuft schief? Dr. Fatih Birol nennt ein Beispiel: "Der Star der Transformation des Automobilsektors waren nicht die Elektrofahrzeuge, der Star war der SUV. SUVs sind der zweite Grund des globalen Anstiegs von Emissionen in den vergangenen zehn Jahren, direkt nach dem Energiesektor, viel mehr als alle Industriesektoren zusammen."

Es sind die Reichen, die mit ihrem Lebensstil den CO2-Ausstoß nach oben treiben, die Reichen und die Mittelschicht in China, Indien, USA, Australien, Europa und nicht zuletzt auf der arabischen Halbinsel. Es sind die Armen, die den Preis dafür zahlen.

Sengende Hitze, Dürre oder sintflutartige Regenfälle – Extremwetter mit seinen Folgen. Das wird es künftig häufiger geben.

Wenn die globalen Klimaziele überhaupt noch erreicht werden sollen, erfordert das umfassende Änderungen. Die wiederum führen zu einschneidenden ökonomischen Maßnahmen.

Es ist ein Wettlauf mit der Zeit, und die wird knapp. Wieviel Jahre, Monate, Stunden und Minuten noch bleiben, kann jeder selbst nachschauen: Das Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) in Berlin hat auf seine Internetseite eine Uhr gestellt. Die 1,5 Grad Temperaturanstieg, die in Deutschland schon erreicht sind, werden global in acht Jahren gemessen.

25 Jahre bleiben noch, dann werden die als absolute Obergrenze des Pariser Abkommens genannten zwei Grad erreicht sein. Der Weltklimarat nennt das Jahr 2050 als Zielmarke für Klimaneutralität, das heißt, dass 2050 kein zusätzliches CO2 in die Atmosphäre abgegeben werden soll.

Mensch versus Natur – Die Änderung von Kategorien

"Das letzte Jahrhundert war geprägt von den Zielkonflikten Staat – Individuum, Staat – Markt, Totalitarismus – Demokratie. Das sind alles Gegensatzpaare, die weiter von Bedeutung sind", sagte Bernd Ulrich, stellvertretender Chefredakteur der "ZEIT" und Autor des Buches "Alles wird anders – Das Zeitalter der Ökologie" in Deutschlandfunk Kultur während der Buchmesse, und er fuhr fort "und jetzt tritt das in die existentielle Krise geratene Verhältnis zwischen Mensch und Natur in den Vordergrund. Nicht, weil es absolut das Wichtigste wäre, sondern weil es durch Zuwarten sehr drängend geworden ist und jetzt ein sehr großer Zeitdruck ist, und nur noch relativ tiefgreifende Veränderungen uns davon abhalten, sehr tiefgreifende Veränderungen zu erleben."

Kapital versus Arbeit – dieses Gegensatzpaar in seiner Zuspitzung war gestern, vielmehr – so Bernd Ulrich – werde dieses Jahrhundert bestimmt von dem Dualismus Mensch versus Natur. Zur Abwehr der Klimagefahren tauge die Grammatik des 20. Jahrhunderts nicht mehr. Biophysikalische Phänomene ließen sich nicht mit ideologiekritischen Instrumenten behandeln. Das bedeute eine kategoriale Veränderung.

Andererseits heißt das nicht, dass die Konflikte zwischen Arm und Reich nicht mehr bestehen. Es könnte sogar zu einer Verschärfung der Auseinandersetzungen kommen, wenn die Temperaturen weiter ansteigen:

"Letztlich bleibt es dann ein Planet mit radikal veränderten ökologischen Bedingungen und Veränderungsgeschwindigkeiten, auf dem Menschen ihr Zusammenleben aushandeln müssen," so Professor Uwe Schneidewind, Präsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie. Und er betont: "Eines ist klar, wir werden in 3000 oder 4000 Jahren auf jeden Fall noch Menschen auf diesem Planeten haben, weil wir längst mit den technologischen Möglichkeiten angekommen sind, das bestimmte, privilegierte Nationen und auch Eliten, auch auf einem Planeten mit sieben oder acht Grad mehr Temperatur, ein Leben werden organisieren können. Nur der Weg dorthin wird mit einer der schlimmsten humanistischen Katastrophen verbunden sein, die die Menschheit je erlebt hat, weil Hunderte von Millionen Menschen diese Chance, auf einem solchen Planeten zu leben, eben nicht mehr haben."

Insofern bleibt das Ganze im Kern die Frage, wie Menschen miteinander umgehen. Das heißt: Der Mensch ist nicht nur ein Naturwesen, er ist auch ein Kulturwesen, und als solches trifft er Entscheidungen, in welcher Welt Menschen zukünftig leben werden.

"Bestimmte physische Voraussetzungen benötigen wir für unsere Existenz. Es bringt nichts, wenn wir darüber verhandeln. Gleichzeitig können wir schon das Ausmaß der Umweltzerstörung, was wir hinnehmen, natürlich kalibrieren. Wir können bestimmte Folgen in Kauf nehmen. Wir nehmen momentan in Europa zum Beispiel in Kauf, dass jährlich 400.000 Menschen an den Folgen von Luftverschmutzung sterben. Aber das kann man hinnehmen, wenn man will", sagt Felix Ekardt, Professor an der Universität Rostock und Leiter der Forschungsstelle Nachhaltigkeit und Klimapolitik. 

Smog über London mit Blick auf die Tower Bridge. (picture alliance / dpa /Alastair Grant)Smog über London: Jährlich sterben rund 400.000 Menschen an den Folgen von Luftverschmutzung. (picture alliance / dpa /Alastair Grant)

"Man könnte es allerdings auch versuchen zu ändern. Es geht schon nach wie vor um demokratische Entscheidungen, um das Abwägen zwischen verschiedenen Freiheitssphären: Freiheit der Konsumenten und Unternehmen einerseits und das Recht auf die elementaren Freiheitsvoraussetzungen Leben, Gesundheit und Existenzminimum andererseits."

Konkret heißt das: Ohne physische Existenz gibt es keine Demokratie. Deshalb betreibt Professor Felix Ekardt gemeinsam mit anderen eine Klimaklage vor dem Bundesverfassungsgericht. Im Kern beruht diese auf dem Argument, dass es zwar demokratische Entscheidungsspielräume zwischen den verschiedenen Freiheitssphären gibt. "Der Spielraum ist aber nicht so groß, dass ich die physischen Voraussetzungen weiteren Entscheidens und Abwägens zur Disposition stellen darf. Und genau das droht gerade. Insofern besteht nicht nur aus dem Pariser Klimaabkommen, sondern auch aus den Menschenrechten hier auf die elementaren Freiheitsvoraussetzungen Leben, Gesundheit und Existenzminimum eine Verpflichtung darauf, dass wir sehr, sehr viel mehr Klimaschutz und Umweltschutz betreiben als bislang."

Oder wie es Professor Niko Paech, Ökonom an der Universität Siegen, ausdrückt: "Niemand in Deutschland stirbt, weil er oder sie weniger Vermögen hat als der Chef der Deutschen Bank. Das ist ärgerlich. Darüber kann man sich aufregen und kann sagen, das ist eine soziale Frage, dass das Vermögen ungleich verteilt ist. Aber solange ich nicht verhungere und unter der Brücke schlafen muss und mir nicht mal mein Smartphone oder meine Automobilität fehlt, werde ich nicht sterben, bloß weil es jemanden gibt, der hundert Mal mehr Vermögen hat als ich. Aber wenn die Ökosphäre nicht mehr existiert, dann werden auch wir irgendwann nicht mehr existieren können."

Wie weit dieses Szenario noch entfernt ist, hängt allein vom Menschen ab. Doch reichen die bislang getroffenen Entscheidungen aus, um umzusteuern? 

Die Enttäuschung von Madrid

15. Dezember, Madrid. Abschließende Plenarsitzung. Nach rund 40 Stunden Verlängerung endet die Klimakonferenz ohne Einigung in wichtigen Punkten. Der erzielte Minimalkompromiss bestätigt die Einigung von Paris – mehr nicht.

Carolina Schmidt (M), Präsidentin des Klimagipfels, leitet eine Sitzung. (Ricardo Rubio/Europa Press/dpa)Die Weltklimakonferenz hat sich nach einer 40-stündigen Verlängerung auf einen Minimalkonsens geeinigt. (Ricardo Rubio/Europa Press/dpa)

Doch mit der Natur lässt sich nicht diskutieren. Sie kennt auch keine Kompromisse, betont Professorin Maja Göbel, Generalsekretärin des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung, anlässlich der Gründung der "Scientists4Future": "Die Irreversibilität der Veränderung ökologischer Systeme in ihrer Regeneration ist, glaube ich, einfach noch nicht begriffen worden. Wenn wir diese Kipppunkte erreichen, wo das Klima kippt, wo die Biodiversität kippt, wo die Ozeane kippen, dann können wir nicht einfach sagen, wir schalten diese Technologie wieder aus. Wir haben dann komplett veränderte Lebensgrundlagen für die Menschheit, für die nächsten Generationen, und das wird in keiner ökonomischen Kalkulation adäquat berücksichtigt, das ist nicht mal planbar oder prognostizierbar, und deshalb ist die Risikohierarchie in der Richtung umzudrehen."

Die Problematik sei selbst auf dem World Economic Forum diskutiert worden, "wenn die CEOs und die wirtschaftlichen Entscheider dieser Republik und der Welt inzwischen sagen, die Top sechs globalen Risiken sind fünf ökologisch und das sechste Massenvernichtungswaffen, dann ist doch einfach die Zeit vorbei, wo man darüber reden muss, ob jetzt Ökologie was kosten darf."

Gesellschaftliche Akteure formieren sich

Für die großen Wirtschaftsverbände ist auch hierzulande inzwischen klar, dass es so, wie bisher, nicht weitergehen kann. So betont der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Dieter Kempf, auf der Webseite des Verbandes, dass Nachhaltigkeit für die deutsche Industrie schon lange Handlungsmaßstab sei. "Bei den ‚grünen‘ Technologien sind wir bereits Weltspitze – und das seit langem." 

Aber die Transformation zu einer klimaneutralen Wirtschaft erfordere massive Investitionen, um beispielsweise im Stahlsektor oder in der Chemiebranche auf grünen Wasserstoff umzustellen. Die Chemie melde allein einen Strombedarf von 628 Terawattstunden an, um 2050 klimaneutral zu werden. Das würde dem Niveau der gesamten heutigen Stromproduktion Deutschlands entsprechen.

In der 2018 veröffentlichten BDI-Studie "Klimapfade für Deutschland" gehen die Macher der Studie von Mehrinvestitionen von bis zu 2,3 Billionen Euro aus, um 95 Prozent Klimaneutralität bis 2050 zu erreichen, null Emission sei nahezu unrealistisch.

"Das entspringt für mich eher der Kategorie magischen Denkens als einer realistischen politischen Zielsetzung", äußerte sich der BDI-Chef in einem dpa-Interview im November.

Für den Deutschen Gewerkschaftsbund hingegen steht fest: Klimaschutz geht nur gerecht und ist "eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, ein gigantisches Projekt für alle", wie DGB-Vorsitzender Reiner Hoffmann bei der "Fridays for Future" Demonstration Ende November in Berlin feststellte.

In einem Punkt sind sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer einig: Klimaschutz ist teuer, gefährdet im Zweifelsfall Arbeitsplätze und bedarf flankierender Schutzmaßnahmen durch die Politik.

Baden-Württemberg, Freiburg: Teilnehmer halten während einer Fridays for Future Demonstration ein Banner mit der Aufschrift: «Wir streiken, bis ihr handelt».  (Patrick Seeger/dpa)Fridays for Future Demonstration (Patrick Seeger/dpa)

Nicht nur die wurde durch die Fridays for Future Bewegung alarmiert. Im August starteten über 100 Digital-Unternehmer und –Unternehmerinnen eine Klimaschutzinitiative und gründeten die Leaders of Climate Action. Die Vision: "Deutschland deckt seinen Energiebedarf bis 2035 komplett aus erneuerbarer Energie."

Wer mitmacht, muss einen dreistufigen Fahrplan durchlaufen. Der sieht unter anderem die Erstellung der CO2-Bilanz vor, die Transformation durch Reduktionsmaßnahmen zu einem klimaneutralen Unternehmen in Deutschland und die klimafreundliche Anpassung des Geschäftsmodells wie zum Beispiel Lieferketten.

Immer mehr gesellschaftliche Gruppen sehen den Klimawandel als Herausforderung, den Planeten und seine Bewohner zu schützen. Die Kirchen sind aktiv, die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit und immer wieder Initiativen von Wissenschaftlern: Scientists4Future oder die 11.000 Forschenden, die im Fachblatt "Bioscience" vor den Folgen des Klimawandels warnen.

So ist es nicht verwunderlich, dass bei der Tagung "Klimagerecht" Ende November im Berliner Parlament, veranstaltet von dem fraktionslosen Bundestagsabgeordneten Marco Bülow, zahlreiche Vertreter dieser Initiativen kamen. 

Eine der jüngsten Gründungen ist die der Economists for Future.

"Was wir hier haben, ist eigentlich keine Klimakrise, sondern eine Krise unseres Wirtschaftssystems. Und deswegen halte ich es für enorm wichtig, sich das genau anzuschauen, denn wir möchten ja Lösungen finden, wir möchten ja etwas verändern, und die Frage ist natürlich, wenn wir ein Problem haben, für das wir eine Lösung finden wollen, dann müssen wir dieses Problem erstmal richtig verstehen. Und wir müssen nach dem Warum fragen und wir müssen auf dieses Warum auch Antworten finden. Und das können wir eben nur, wenn wir uns diese Entwicklung auch genauer in den Blick holen," gibt die Ökonomin Nora Horn zu Bedenken.

"Wenn wir uns den CO2-Ausstoß angucken und den Ressourcenverbrauch, dann kann man sehr gut sehen, dass das eigentlich fast proportional mit dem Wirtschaftswachstum einhergeht. Also in Deutschland wird es momentan noch mit dem BIP gemessen, mit dem Bruttoinlandsprodukt, das heißt, je mehr unsere Wirtschaft wächst, desto mehr Treibhausgase emittieren wir auch und desto mehr schaden der Umwelt."

Vom Wirtschaftswachstum und seinen Kritikern 

"Der Aufschwung, der uns durch das laufende Jahrzehnt getragen hat, ist vorerst zu einem Ende gekommen. Da spiegeln sich mehrere Faktoren gleichermaßen wieder."

Berlin, 6.November, der Sachverständigenrat unter der Leitung von Professor Christoph Schmidt übergibt das Jahresgutachten: Immerhin, noch 0,5 Prozent Wachstum in diesem Jahr konnten die Wissenschaftler verzeichnen.

Vor diesem Hintergrund der verhaltenen konjunkturellen Aussichten und des anstehenden Strukturwandels, den wir erwarten können aufgrund des technologischen Fortschritts, aufgrund unter anderem eines Neuaufbruchs in der Klimapolitik, ist die Wirtschaftspolitik aus unserer Sicht mehr denn je gefordert, das Wachstumspotential der deutschen Volkswirtschaft zu stärken."

Unsere Wirtschaft basiert auf Wachstum. Die Wachstumsraten sind die Kennziffern, anhand derer sich Wohlstand festmacht. Steigt das Wachstum, steigt die Beschäftigung. Das wiederum führt zu Wohlstand und anhaltendem Konsum. Das wiederum kurbelt das Wachstum an. Diese Wachstumsspirale ist allgemeiner Konsens unserer Gesellschaft, angefangen von den meisten politischen Parteien, über wirtschaftliche Akteure und bis hin zu den Gewerkschaften.

Autos stauen sich auf der Berliner Stadtautobahn A100. (picture alliance / Robert Schlesinger)Folgen des Wachstums - Stau auf der Berliner Stadtautobahn (picture alliance / Robert Schlesinger)

Der Dokumentarfilmer und Journalist Florian Opitz wollte genauer wissen, was es mit dem "Wirtschaftswachstum" auf sich hat und interviewte für seinen Film "System Error" wichtige Protagonisten aus der Wirtschaft und Gesellschaft.

"Also mir war wichtig, dass ich herausfinde, was ist denn dran an dem Narrativ, dass es so beständig ist? Das, obwohl wir wissenschaftliche Belege haben, dass das Wachstum endlich ist auf einem endlichen Planeten, warum hören wir da nicht drauf? Und was macht das Narrativ so stark? Und das habe ich mir angeguckt bei den Leuten, die wirklich an den Schaltstellen der Weltwirtschaft sitzen, also nicht unbedingt Politiker, die mal hier das eine sagen und dann das andere wieder, sondern die Leute, die wirklich mächtig sind in der Wirtschaft. "

Zum Beispiel: "Der Chefinvestor der Allianz, der jedes Jahr 650 Milliarden investieren muss, darüber zu entscheiden hat, wo die investiert werden. Da sind Hedgefonds-Manager. Da ist auch der Chef von Airbus China dabei gewesen. Das sind tatsächlich die Leute, für die Wachstum besonders wichtig ist und die dieses Wachstum mit einem besonderen Eifer betreiben."

Wie zum Beispiel Markus Kerber, ehemaliger Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, inzwischen Staatssekretär im Bundesinnenministerium, meint: "Eine Gesellschaft ohne Wachstum kann es gar nicht geben, weil die Bedürfnisse der Menschen, die ja weit über das materielle hinausgehen, jeden Tag Wachstum entstehen lassen. Selbst eine relativ immaterielle Gesellschaft, die keine Smartphones konsumiert, keine Pkw haben möchte, oder keine neuen Möbel in die Wohnung sich stellen möchte, würde Wachstum kreieren, indem sie Dienstleistungen nachfragt. Medizinische Behandlungen, psychoanalytische Sprechstunden, Tanzkurse, Lesungen, und deswegen ist Wachstum nicht zu trennen von dem Verhalten der Menschen. Solange es Menschen auf diesem Planeten gibt, die Bedürfnisse haben, wird es Wachstum geben. Ich halte das für ähnlich unabänderbar wie die Schwerkraft."

Ist Wachstum unabänderlich?

Fakt ist, die Menschheit wächst, schon allein das generiert Wachstum.

Aber das, was Menschen brauchen, um zu leben, ist nicht identisch mit dem, was sie heute verbrauchen. Das ist seit der Industrialisierung sprunghaft gestiegen. Es drückt sich aus im Wirtschaftswachstum.

Wirtschaftswachstum wird bei uns mit dem sogenannten Bruttoinlandsprodukt gemessen, das den Gesamtwert aller Güter, Waren und Dienstleistungen angibt, die während eines Jahres in einem Land hergestellt werden.

Erfunden haben diese Art der Messung die US-Amerikaner, die 1942 nach Kriegseintritt feststellen wollten, wie sich die Produktivkraft von der Friedens- auf die Kriegswirtschaft veränderte, damals eine politisch relevante Frage. Die Berechnungen stammten nicht etwa von Wissenschaftlern, sondern der Forschungsabteilung des Department of Commerce – nachzulesen ist das in dem Buch "Die Macht der einen Zahl" von Philipp Lepenies.

Seit dem Zweiten Weltkrieg hat die Kennziffer einen ungeahnten Siegeszug angetreten – oder wie es Philipp Lepenies formuliert: "Das Bruttoinlandsprodukt ist die mächtigste Kennzahl der Menschheitsgeschichte." Sie ist eine statistische Konvention, erfunden von den Amerikanern, exportiert von ihnen nach dem Zweiten Weltkrieg in die westliche Besatzungszone mit dem Marshall-Plan. 

Die Botschaft, die dahinter stand: Ihr könnt so werden wie wir mit vollen Regalen und überquellenden Geschäften, ermöglicht durch hohe Produktivität und gute Löhne für alle, die bereit sind, sich anzustrengen.

The American Way of Life

Der hat auch heute noch viele Anhänger, insbesondere in der Finanzwirtschaft.

Anthony Scaramucci, Hedgfonds Manager, für zehn Tage inoffizieller Kommunikationschef des Weißen Hauses unter Präsident Trump, sagt in dem Film "System Error." "Lassen Sie uns über Wachstum reden. Es gibt heute diese Vorstellung in elitären Akademikerkreisen, dass wir nicht weiter wachsen werden. Das ist einfach falsch. 5500 Jahre Menschheitsgeschichte zeigen doch, dass wir Menschen enorm erfindungsreich sind. In den nächsten 50 Jahren werden wir viele Dinge tun. Unsere neuen Fähigkeiten werden alle verblüffen. Wir werden Asteroiden aus dem All holen, die voller Platin sind. Das wird den ersten Menschen zum Billionär machen. Wir werden die Fähigkeit entwickeln, das Altern zu stoppen und den Krebs zu heilen. All diese Innovationen liegen vor uns. Das ist ein gewaltiges Potential für Wachstum."

Florian Opitz erinnert sich: "Beim Interview mit Anthony Scaramucci in New York - das war einige Wochen vor der Wahl von Donald Trump - hätte niemand gedacht, dass Donald Trump gewählt wird. Und siehe da, er wird gewählt, weil er den Leuten einfache Lösungen und eben Wachstum verspricht. Wieder das Wachstum, was sie früher mal hatten, was sie wieder herbeisehnen, das industrielle, klassische Wachstum wird den Leuten versprochen. Wobei die, die es versprechen - denen ist natürlich völlig klar, dass es nie wieder so kommen wird."

Auch wenn Florian Opitz mit dem Projekt 2013 begann, ist der Film nach wie vor aktuell: Im Sinne der Wachstumsideologie haben sich Gesellschaften weltweit gewandelt und zum Beispiel Lobbygruppen politische Akteure in Regierungen gebracht. 

"Wir sind in Brasilien gewesen, um dort die Fleischproduktion, um dort die Agro-Industrie uns anzugucken. Und da haben uns Interviewpartner, Fleischbarone, gesagt: 'Naja, wir finanzieren politische Gruppen, die die Politik in unserem Sinne beeinflussen'. Das hieß nichts anderes als das, was später passiert ist, dass die demokratisch gewählte Präsidentin gestürzt worden ist und durch einen faschistischen Präsidenten ersetzt worden ist, der jetzt alles tut, um der Fleischindustrie den Weg freizumachen und den Amazonas platt machen zu können, was die sowieso immer wollten."

Rauch steigt aus dem Regenwald im Amazonas bei einem Brand. (dpa-Bildfunk / AP / Leo Correa)Waldbrände im Amazonas (dpa-Bildfunk / AP / Leo Correa)

Es waren maßgeblich die USA und insbesondere Brasilien, die auf der Weltklimakonferenz substantielle Ergebnisse verhindert haben. Lobbygruppen aus der Wirtschaft haben es letztendlich geschafft, ihre Interessen radikal durchzusetzen.

Aber brauchen wir überhaupt Wachstum, damit unsere Gesellschaft funktioniert? Ja, sagt Mathias Binswanger, Ökonomie-Professor in der Schweiz, der das Buch "Wachstumszwang" veröffentlicht hat, im Schweizer Rundfunk.

Seine These ist, "dass eine kapitalistische Wirtschaft gar nicht funktioniert ohne Wachstum, weil, wenn wir die Wirtschaft als Ganzes betrachten, wie sie funktioniert, können Unternehmen in der Mehrheit nur Gewinne erzielen, wenn gleichzeitig ein Wirtschaftswachstum stattfindet. Wir müssen weiterwachsen, damit die Arbeitsplätze erhalten bleiben. Wenn einmal null Prozent herauskommt, ist das bereits eine Katastrophe, wenn das zwei Jahre hintereinander stattfindet, dann werden alle Hebel in Bewegung gesetzt, damit das Wachstum wieder in Gang kommt, und was dann wirklich geschieht, wenn dann ein paar Jahre kein Wachstum stattfindet, das sehen wir in Griechenland. Dort hat sechs Jahre hintereinander kein Wachstum stattgefunden, Schrumpfung, mit einem verheerenden Resultat."

So stieg die Arbeitslosenquote von etwa acht Prozent im Jahr 2008 auf 27 Prozent im Jahr 2013.

Sein Fazit: Wir können auf Wachstum nicht verzichten, aber weniger ist mehr!

Im Zeichen des Wachstumsdrucks

Professorin Anita Engels, Soziologin an der Universität Hamburg und stellvertretende Sprecherin eines Exzellenzclusters zur Klimaforschung, ist der Meinung, "dass wir im Augenblick in einer wirtschaftlichen Konstellation sehr institutionell gefangen sind, die auf fortwährendes Wachstum ausgerichtet ist und angewiesen ist und darauf, dass die Menschen möglichst viel konsumieren, also das gesamte Wohlstandsmodell ist im Grunde genommen auf Wachstum und Konsum ausgelegt, und das ist einer der eindeutigsten CO2-Treiber, die wir eigentlich so identifizieren können."

Forciert wird diese Wachstumsideologie von den Eigentümern großer Unternehmen, beispielsweise Aktiengesellschaften oder Pensionskassen oder kleinen Anlegern, die in Zeiten von Negativzinsen Aktien kaufen, um beispielsweise für das Alter vorzusorgen.

"Und nun ist es so, dass die meisten Unternehmen, die Kapital eingesetzt haben, unter dem Zwang stehen, den Eignern dieses Kapitals ganz gleich, ob es sich dabei um Fremdkapital handelt, dann haben sie die Banken und haben die Baranleger im Nacken, oder ob es sich um Aktienkapital beispielsweise handelt, dann hat man also die Aktionäre im Nacken," sagt Professor Niko Paech, Ökonom an der Universität Siegen, "nun sind also die Unternehmer gezwungen, diesen Eigenkapital-Eignern eine Rendite zu versprechen, weil sonst das Kapital, scheu wie ein Reh sozusagen, eben dahin wandert, wo höhere Renditen oder Zinsen versprochen werden können. Unter diesem Aspekt könnte man sagen, dass die kapitalistische Verwertungslogik einen Beitrag dazu leistet, dass wir unter einem gewissen Wachstumsdruck stehen."

Nein, sagt Philipp Lepenies, Gastprofessor für vergleichende Politikwissenschaft an der Freien Universität in Berlin und Direktor des Forschungszentrums für Umweltpolitik. Seine These: Kapitalismus hat erstmal nichts mit Wachstum zu tun, sondern besagt nur, dass die Produktionsmittel Privateigentum sind.

So kann beispielsweise ein Schreiner mit eigenem Betrieb auch dann eine eigene Firma haben, wenn diese nicht wächst. Entschließt er sich aufgrund der guten Auftragslage, Mitarbeiter einzustellen, wächst das Unternehmen. Er kann aber auch auf zusätzliche Einnahmen verzichten und ein Ein-Mann-Betrieb bleiben.

Für kleine Unternehmen gilt das auf jeden Fall, sagt auch Niko Paech: "Würden wir Unternehmen haben, deren Kapitaleigner überhaupt nicht diese Ansprüche stellen, wenn das beispielsweise kleine Unternehmen sind, dann ist das gar nicht utopisch. Und wenn diese Unternehmen ökologisch und sozialverträglich so agieren, wie sich das diejenigen wünschen, die dort Kapital zur Verfügung gestellt haben, dann könnte eine Form der Solidarität und Empathie entstehen, sodass dann die Kapitaleigner sagen nein, nein, es ist ja kein Verzicht, wenn ich hier keine Zinsen und keine hohen Renditen bekomme, sondern hier wird ja gerade mein Geld als Hebel benutzt, um das zu verwirklichen, was ich mir selber verspreche von einer besseren Welt." 

Der Eingang zum Dorfladen in Deersheim in Sachsen-Anhalt. Als der letzte Einkaufsmarkt im Ort schloss, taten sich die Dorfbewohner zusammen und bauten eine Scheune um, die neben einem Lebensmittelladen auch Platz für ein Café, eine Markthalle und für die Nähstube bietet. (picture alliance/Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/dpa)Die Dorfladen-Genossenschaft in Deersheim wächst (picture alliance/Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/dpa)

Dörfliche Genossenschaftsläden sind so ein Beispiel. Schon aus Eigeninteresse werden solche Projekte häufig unterstützt, um die Versorgung vor Ort zu sichern, auch wenn die Produkte manchmal etwas teurer sind als im Supermarkt in der Stadt.

Niko Paech: "Was daraus folgt, ist, dass man nicht einfach sagen kann, der Kapitalismus ist ursächlich für die Wachstumsdoktrin, sondern er ist Teil einer größeren Problematik, über die wir reden müssen. Wir müssen über Kultur reden. Warum haben wir nicht genug Nachfragerinnen und Nachfrager, die sich schlicht und ergreifend durch ihr eigenes Verhalten dieser Kapital-Verwertungslogik entziehen? Natürlich kriegen sie dann vielleicht etwas weniger Zinsen. Natürlich können Sie sich vielleicht sogar weniger kaufen dann, weil ihr Einkommen nicht so hoch ist und die Wahlmöglichkeiten im Güterbereich vielleicht auch nicht so ausufernd sind. Aber dann kann man nicht gleichzeitig den Kapitalismus kritisieren. Wer also den Kapitalismus anklagt, muss auch im selben Moment sagen, was er oder sie bereit ist wirklich an vermeintlichem Wohlstand dann auch herzugeben als Gegenleistung für diese Abschaffung."

Der Mythos vom vermeidbaren Verzicht

Das alte Wachstumsmodell, beruhend auf fossiler Energie und Umweltverschmutzung, hat ausgedient – davon ist Ursula von der Leyen überzeugt – der European Green Deal verfolgt eine andere Wachstumsstrategie: klimafreundliche Industrie, grüne Technologien und grüne Finanzen.

Es ist der Traum vom ewigen Wachstum in Einklang mit unserem Planeten. Ist das möglich? Neu ist die Idee nicht.

Das Umweltbundesamt wollte genauer wissen, wie das funktionieren könnte und hat das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung, das RWI – Leibnitz-Institut für Wirtschaftsforschung und das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie mit einer Studie beauftragt.

Federführend beteiligt war Ulrich Petschow vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung. "Wir haben in der Studie unterschiedliche Ansätze identifiziert. Das eine ist die Degrowth, also Schrumpfung letztlich, wo gesagt wird, wir müssen unsere Gesellschaft und unsere Institutionen so umbauen, dass wir nicht mehr wachsen."

Transparent gegenüber der Heidelberger Kongresshalle zur Klimakonferenz ICCA, auf dem steht: „Degrowth statt Green Growth" – Wachstumsrücknahme statt grünes Wachstum (Deutschlandradio/Anke Petermann)Weniger Wachstum statt grünes Wachstum, fordert dieses Transparent zur Klimakonferenz ICCA (Deutschlandradio/Anke Petermann)

Auf der Suche nach einer Richtschnur für umweltpolitisches Handeln

Prominenter Vertreter der Degrowth-Theorie, also der Schrumpfung, ist Niko Paech. Seine These: Wenn wir ökologisch überleben wollen, reicht es nicht mehr, das Wachstum einfach zu bremsen oder zu stoppen, sondern wir müssen in den überbordenden Konsumgesellschaften sogar eine Reduktion der Erzeugung von Gütern und noch viel wichtiger, der Mobilität und der Techniknutzung herbeiführen, "weil wir ökologisch so brutal über unsere Verhältnisse leben, dass dann, wenn alle Menschen auf diesem Planeten etwa den Konsum und vor allem Mobilitäts- und Technikstandard Mitteleuropas kopieren würden, dann würden wir drei bis vier Planeten brauchen. Das heißt, wir haben vor etwa zweieinhalb Jahrzehnten in Mitteleuropa unsere Überlebensfähigkeit eingebüßt, weil seither wir so viel Ressourcen-Verbräuche an den Tag legen und so viel Beanspruchung ökologischer Aufnahmekapazitäten, dass eine Fortschreibung dieser Produktions- und Lebensweise den definitiven Exitus der menschlichen Zivilisation bedeuten muss."

Der zweite große Ansatz – der seinen Niederschlag im European Green Deal fand - wird auch von weiten Teilen der Grünen favorisiert, so Ulrich Petschow. "Und dann gibt es die optimistischen Green Growth Vertreter, die sagen ja, eigentlich können wir weitermachen wie bisher. Wir müssen die Rahmenbedingung ein Stück weit verändern und können aber mit dem Wachstum oder mit dem BIP-Wachstum weiterfahren wie bisher."

Ein Vordenker dieser Theorie ist der Grüne Ralf Fücks, ehemaliger Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung, ehemaliger Bundesvorsitzender seiner Partei und ehemaliger Senator für Umwelt und Stadtentwicklung in Bremen. In seinem Buch "Intelligent wachsen. Die grüne Revolution" suchte er schon 2013 einen Weg aus dem konventionellen Wirtschaftswachstum. In einem Vortrag, gehalten zwei Jahre später auf dem Schweizer Eco-Naturkongress, erläuterte er seine These und betonte, dass er fest davon überzeugt ist, "dass ein Anti-Wachstumsdiskurs eine Art von Realitätsflucht darstellt und auf jeden Fall nicht die Antwort ist auf die großen ökologischen und sozialen Herausforderungen mit denen wir global konfrontiert sind. Davon will ich reden und versuchen, auch ein Stück an Begeisterung zu wecken, für das, was ich grüne industrielle Revolution nenne, einen großen Aufbruch in eine andere ökologische Produktionsweise und eine ökologische Moderne, ohne auf die Errungenschaften der Moderne verzichten zu müssen."

Die dritte Theorie, die Ulrich Petschow vom Institut für ökologische Wirtschafts-forschung untersucht hat, ist die Postwachstums-Position: "Die Postwachstums Position, die sagt, wir wissen nicht genau, in welche Richtung es geht. Aber wir sollten auf alle Fälle vermeiden, zu sehr auf Wachstum zu setzen, weil das wird ein Spannungsfeld mit den Umweltzielen geben."

Die Wissenschaftler haben die Theorien intensiv geprüft unter zwei Aspekten: Zum einen, ist es möglich, Wirtschaftswachstum von Ressourcenverbrauch zu entkoppeln? Und zum Zweiten, kann damit erreicht werden, dass das gesellschaftliche Wohlergehen erhalten wird?

"Und wir haben jetzt analysiert und festgestellt, dass sowohl die Degrowth-Position nicht wirklich zu halten ist, ebenso aber auch nicht die Green Growth-Position. Die Degrowth deswegen, weil völlig unklar ist, wie eigentlich die Lebensqualität erhalten werden soll. Und bei Green Growth ist die Behauptung, dass Lebensqualität vom Wirtschaftswachstum eindeutig abhängt offen, kann man nicht so behaupten, ist auch so nicht haltbar."

Fazit: "Und es führt uns zu der Argumentation, dass wir sagen, dass beide Positionen in der Klarheit und Reinheit nicht beanspruchen können, als Richtschnur für umweltpolitisches Handeln zu dienen. Und wir haben daraus eine Vorsorge orientierte, Postwachstumsposition entwickelt, die eher ergebnisoffen ist und die keine starken ex ante Prämissen hat, das heißt mit Blick auf künftiges Wirtschaftswachstum oder Schrumpfung oder der Möglichkeit der absoluten Entkopplung."

Die daraus abgeleiteten Empfehlungen: Statt Wachstum sollte Nachhaltigkeit im Vordergrund stehen, Preise die ökologische Wahrheit sagen, gesellschaftliche Experimentierräume sollten unterstützt werden und Institutionen unabhängiger werden von Wachstum.

Folgen für die Gesellschaft

Das Problem an einer solchen Postwachstumsgesellschaft: Es muss auf jeden Fall vermieden werden, eine Situation wie vormals in Griechenland zu provozieren, meint Felix Ekardt, Leiter der Forschungsstelle Nachhaltigkeit und Klimapolitik und Professor an der Universität Rostock:

"Und wenn man da diese Spirale von wegbrechenden Unternehmen, arbeitslos werdenden Menschen, dadurch wieder sinkende Kaufkraft, dadurch wieder Pleite gehende weitere Unternehmen durchbrechen will, dann wird man wahrscheinlich einen langen Bremsweg benötigen, braucht man Hilfsmittel, um einen moderaten Übergang zu organisieren. Dabei hilft natürlich auch, dass bestimmte Bereiche wieder auch wachsen können in einer nachhaltigen Gesellschaft. Die erneuerbaren Energien sind nur ein besonders offensichtliches Beispiel."

Ein weiteres Problem liegt darin, dass die in der Studie geforderte Unabhängigkeit von Institutionen vom Wachstum brisant ist.

"Unsere ganzen modernen Ökonomien sind auf Wachstum angewiesen, um ihre Sozialsysteme zu stabilisieren, um eine ökonomische Stabilität sicherzustellen," sagt Professor Uwe Schneidewind, Präsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie. Das heißt, alle unsere Sozialsysteme basieren auf Wachstum, angefangen von den Krankenkassen, über die Rentenversicherung bis hin zur Pflegeversicherung. Eine Postwachstumsgesellschaft ist ohne einschneidende Veränderungen in dem Bereich nicht möglich. Die Renten- beziehungsweise Gelbwesten-Proteste in Frankreich zeigen deutlich, wie schwierig es ist, auf den ersten Blick für die Bevölkerung nachteilige Reformen durchzusetzen. Benzinpreise, die angemessen den Ressourcen - Verbrauch wiederspiegeln, werden nicht akzeptiert.

Hierzulande sind die Fünf-Euro-Kampagne der Grünen und die katastrophalen Auswirkungen auf deren Wahlergebnis noch in lebhafter Erinnerung. 

Ein anderes Thema ist das Fliegen, meint Professorin Anita Engels, Soziologin an der Universität Hamburg: "Viele verstehen, glaube ich, dass diese ganz billigen Flüge innerhalb Europas oder zu beliebten Urlaubsinseln, dass die so nicht richtig sind. Das verstehen die meisten, wenn man versucht, darüber zu reden. Aber das Problem ist, wenn man das einfach verteuert, dann sehen die gleichen Leute dann natürlich auch sofort, dass der wohlhabendere Teil der Bevölkerung dadurch überhaupt nicht beeinflusst sein wird, sondern im Gegenteil vielleicht froh darüber sein wird, dass die Flugtickets wieder ein bisschen teurer sind, damit Fliegen wieder exklusiver wird. Diese Art des Konsums, Flüge für touristische Ziele zu verwenden, das ist ja auch ein Mittel zur Distinktion, also zur Abhebung, Selbstdarstellung, dass man ein gewisses Wohlstandsniveau erreicht hat. Und das gelingt natürlich besser, wenn das für die anderen nicht mehr bezahlbar ist."

Ludwig Erhard (dpa)Ludwig Erhard versprach Wohlstand für alle. (dpa)

Ein bislang nicht lösbarer Widerspruch besteht darin, dass das Ziel "Wohlstand für Alle" nicht mit Umweltschutz vereinbar ist – zumindest falls der Begriff "Wohlstand" mit entsprechenden Konsummöglichkeiten gleichgesetzt wird. Jens Jessen hat in der "ZEIT" treffend darauf hingewiesen, dass die soziale Gerechtigkeitsfrage bis auf den heutigen Tag auf Kosten der Umwelt gelöst wird. Eine Reduktion der Konsummöglichkeiten bedeute entweder "Armut für Alle" - die kommunistische Lösung - oder "Wohlstand für Wenige" - die feudalistische Lösung. 

Dieses Dilemma zeigt sich auch im globalen Maßstab: "Das ist ja das Ernüchternde, dass das immer wieder gegeneinander ausgespielt wird und man dabei verdrängt, dass die ökologische Frage ja im Kern eine soziale Frage ist," sagt Professor Uwe Schneidewind, Präsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie. "Denn es geht ja bei diesem ganzen Ökologiethema im globalen Maßstab um Gerechtigkeit, um die Frage, wie kann das sein, dass die, die am wenigsten zu diesem CO2-Emissionen beigetragen haben und sich am wenigsten schützen können gegen die Folgen, unmittelbar beeinflusst sind durch die Lebensstile in den reichen Ländern." 

Das ist als Argument zwar zunächst schlüssig, doch ob das zu einschneidenden Lebensstiländerungen beiträgt?

Niko Paech ist skeptisch. "Das ist eine schwierige Frage, weil viele Menschen, die durchaus Kritik üben an den derzeitigen ökonomischen Verhältnissen meinen, die Politik müsse jetzt tätig werden."

Bigotterie in der Nachhaltigkeitsdebatte?

Dieses Argument sei natürlich richtig. Jede Regierung sei in der Lage, bestimmte Rahmenbedingungen zu schaffen, um beispielsweise die CO2-Belastung zu senken. Und natürlich lasse sich an der Stelle diskutieren, ob das tatsächlich zurzeit in ausreichendem Maße geschehe, aber "was sie in der Praxis niemals vollführen kann, ist gegen die Kulturprägung und die Lebensweisen der Wählermehrheit zu agieren, und deswegen werden europäische Regierungen getrieben von den Mittel- und Oberschichten, die nicht daran denken, ihren Lebensstandard zu verringern. Und was daraus folgt, ist eine sensationelle Bigotterie. Also eine Heuchelei in der ganzen Nachhaltigkeitsdebatte."

So gäbe es zwar in Deutschland große Zustimmung bei den Bürgern für mehr Klimaschutz, "aber gefragt dann danach, was sie denn bereit wären, auch an modernen Freiheiten, dafür herzugeben, heißt es dann, nein, nein, wir meinen eine Energiewende mehr Windkraft oder mehr Elektromobilität oder ökologisches Bauen oder ökologische Produktionssysteme und so weiter, damit wir denselben Wohlstand in einer ökologischen Variante abgreifen können, und diese Lebenslüge zu entlarven, das ist jetzt kurzfristig der wichtigste Schritt."

Energiewende ist also auch verknüpft mit einem tiefgreifenden sozialen Transformationsprozess. Doch der wird häufig nicht gesehen, auch von Politikern, die eher auf die ökonomisch und technologisch beste Lösung schauen. Was dabei übersehen werde, "dass dadurch Verteilungseffekte entstehen, die nicht berücksichtigt werden und die zu großen Widerständen führen. Oder man sieht dabei, dass Machteffekte entstehen, die von einem Großteil der Bevölkerung abgelehnt werden," sagt die Soziologin Anita Engels.

"Es kann sein, dass eine Maßnahme, die zum Beispiel zur Mobilitätswende beitragen kann, oder zur Energiewende, dass die volkswirtschaftlich betrachtet sehr sinnvoll ist, und dass sie eine sehr gute technische Bilanz mit sich bringt, aber dass sie unter anderen Kriterien, gesellschaftlich relevanten Kriterien, vielleicht doch suboptimal ist. Und im Augenblick ist die Betrachtungsweise in der Gesellschaft für solche Politikinstrumente sehr verengt. Und wir würden eigentlich gerne erreichen, dass diese Kriterien ausgeweitet werden."

Ein Ziel des Hamburger Exzellenzcluster ist es, die gesellschaftliche Sensibilität zu erhöhen für Machteffekte, die politische Instrumente haben, gesellschaftliche Lernprozesse zu ermöglichen und somit eine breite gesellschaftliche Trägerschaft zu erreichen, zum Beispiel durch Bürgerbeteiligung bei Windkraftanlagen, die inzwischen regelmäßig großen Widerstand hervorrufen. Stichwort Bürgerenergie:

"Das bedeutet im Grunde genommen eine sehr weitgehende Form der Bürgerbeteiligung an der Energiewende. Also nicht nur bei der Standortfrage, dass man dann ein bisschen mitdiskutieren kann, sondern Bürgerenergie bedeutet eigentlich, dass die Bürger die Energieversorgung selbst in die Hand nehmen und dezentral betreiben oder zumindest organisieren. Sehr oft geschieht das in Form von Genossenschaften, die Gewinne, die dort erwirtschaftet werden, kommen auf den lokalen Betreibern dieser Genossenschaften wieder zugute. Die werden oft in ganz andere Bereiche investiert. Kulturprojekte zum Beispiel also das ist eine erst einmal eine Form der Organisation, die aber zur Folge hat, dass eine breite Beteiligung ermöglicht wird."

Die Fallstricke, die da lauern, hat auch die Europäische Kommission erkannt. "Keiner darf zurückgelassen werden" – so die Devise. Die Menschen sollen mitgenommen werden. Ob das gelingt?

Die Fortschrittsfalle – Klimaschutz und Wohlstand

In Deutschland wohnen ein Prozent der Weltbevölkerung; dieses eine Prozent verbraucht zwei Prozent an CO2, das jährlich in die Atmosphäre gegeben wird. Deutschland ist, absolut gesehen, bei weitem nicht der größte Emittent an Treibhausgasen. Und trotzdem ist es wichtig, dass die Weichen Richtung effektiven Klimaschutz gestellt werden, meint Professor Ekardt, auch weil Deutschland Vorbildcharakter habe.

"Man möchte gerne, das wird auch explizit immer wieder gesagt, so wohlhabend leben wie in Deutschland. Es wird keinen Menschen weltweit überzeugen, wenn wir sagen Leute, bleibt mal arm, und wir machen weiter, wie bisher, nebenbei bemerkt würde schon das zum ökologischen Zusammenbruch führen, aber noch mehr kommt es natürlich zum Zusammenbruch, wenn wir weitermachen wie bisher und alle uns das nachmachen."

Entscheidend sei, "inwieweit es jetzt bei der großen Nachhaltigkeitswende sichtbare Leitbilder gibt, die zeigen, bestimmte Dinge funktionieren. Wir können gut leben, ökonomisch aber mit einem sehr viel kleineren Fußabdruck."

Das will auch der europäische Green Deal. Ob das gelingt, hängt maßgeblich von seiner Umsetzung ab. 

Mit dem dürftigen Abkommen der Klimakonferenz von Madrid fehlen Anreize für Investoren aus Industrieländern, mit Hilfe von grünen Projekten in Entwicklungsländern Klimaschutz-Zertifikate generieren zu können. Das verhinderten Maximalforderungen aus Brasilien. Die Teilnehmer erzielten auch keine Einigung darüber, dass vom Klimawandel besonders betroffene Entwicklungsländer ein Anrecht auf Entschädigung durch reiche Länder haben. 

Was das Klimapaket der Bundesregierung anbelangt, urteilt der Wissenschaftsverbund Climate Action Tracker, der die Klimaanstrengungen der Industrie- und Schwellenländer bewertet, über die deutschen Bemühungen negativ.

Unter dem Eindruck des schwachen Ergebnisses der Klimakonferenz und der anhaltenden Kritik, wurde inzwischen nachgebessert. Bund und Länder vereinbarten im Vermittlungsausschuss statt zehn Euro nun 25 Euro CO2-Festpreis.

China auf Wachstumskurs

Übrigens – in China ist die Kohle zurück. So berichtet die "FAZ", dass das Land seit Jahresanfang Kohlekraftwerke mit einer Leistung von 43 Gigawatt errichtet hat, also genau so viel, wie in Deutschland insgesamt am Netz sind. "Weitere Anlagen mit der dreifachen Leistung sind in China derzeit im Bau." Und auch wenn China keinesfalls zu den Blockierern in Madrid gehörte – an dem Wachstum seiner Wirtschaft besteht kein Zweifel.

"Wir haben im Laufe der letzten sechs Jahre über 100 brandneue Flugzeuge an chinesische Fluggesellschaften geliefert – jedes Jahr! Ein Flugzeug alle drei Tage!", erzählt Eric Chen dem Filmemacher Florian Opitz. Der erinnert sich an seine Begegnung mit dem Airbus-Manager: "Eric Chen war der Präsident von Airbus in China, und das haben wir als Beispiel gewählt, weil wenn man sieht, dass bisher nur ein Bruchteil der Chinesen geflogen ist, und dass der Markt im Grunde genommen noch ein unendliches Wachstumspotenzial hat, gleichzeitig aber die ganzen chinesischen Großstädte im Smog versinken. Da sieht man, dass diese Grenzen schon relativ bald erreicht sind, aber es trotzdem eine absolute Begeisterung noch bei Herrn Chen und vielen anderen Chinesen gab, was dieses technische Wachstum, was diese Möglichkeiten des Flugverkehrs angeht, und Herr Chen, der konnte eben in seinem Auto sitzen im stundenlangen Stau in Peking und sich freuen, dass endlich nicht mehr so viel Fahrräder auf den Straßen sind wie noch vor 20 Jahren. Da sieht man schon die Absurdität."

Eine Aufnahme vom 12.04.2006. Trotz einer steigenden Zahl von Autos und einem modernen Nahverkehrssystem nutzen noch immer hunderttausende Pekinger das Fahrrad. (picture alliance / dpa / Jens Büttner)Vom Auto verdrängt - Fahrradfahrer auf Chinas Straßen. (picture alliance / dpa / Jens Büttner)

Eric Chen sagt im Film: "Zurzeit haben wir etwas über 200 Flughäfen in China. Jedes Jahr werden zwischen zehn und 15 Flughäfen neu gebaut. Der Markt ist riesig, und wir sind optimistisch, denn bei einer Bevölkerung von 1,4 Milliarden – stellen Sie sich vor, jeder könnte sich leisten, zu fliegen, wenn sogar ein Bauer oder Arbeiter sich ein günstiges Ticket leisten kann, nur um zu fliegen. Dieser Markt ist fantastisch! Man kann sich das kaum vorstellen. Das ist mehr als ganz Europa! Alle 15 Jahre wird sich die weltweite Flugzeugflotte verdoppeln. In China muss man nicht darauf warten: Unsere Flotte wird sich alle 7 – 8 Jahre verdoppeln! Es geht schneller als anderswo auf der Welt."

Florian Opitz erwidert: "Aber mehr Verkehr heißt doch auch, mehr Luftverschmutzung!"

Eric Chen beruhigt ihn: "Wir haben alles getan, um unsere Emissionen zu reduzieren. Sieht man sich aber die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Vorteile an, die die Luftfahrtbranche der Menschheit bringt, dann werden die Menschen sicher anders darüber denken."

Literatur

Mathias Binswanger: "Der Wachstumszwang. Warum Volkswirtschaft immer weiterwachsen muss, selbst wenn wir genug haben"
Wiley-VCH, 2019

Ralf Fücks: "Intelligent wachsen. Die grüne Revolution"
Carl Hanser Verlag, 2013

Naomi Klein: "Die Entscheidung. Kapitalismus vs. Klima"
Fischer Taschenbuch, 2016

Naomi Klein: "On Fire. The Burning Case for a Green New Deal"
Penguin, 2019

Philipp Lepenies: "Die Macht einer Zahl. Eine politische Geschichte des Bruttoinlandprodukts"
edition suhrkamp, 2013

Christopher J. Preston: "Sind wir noch zu retten? Wie wir mit neuen Technologien die Natur verändern können"
Springer-Verlag, 2019

Jeremy Rifkin: "Der globale Green New Deal. Warum die fossil befeuerte Zivilisation um 2028 kollabiert – und ein kühner ökonomischer Plan das Leben auf der Erde retten kann"
Campus. 2019

Bernd Ulrich: "Alles wird anders. Das Zeitalter der Ökologie"
Kiepenheuer & Witsch, 2019

Der Film " von Florian Opitz wird am 12.2. 2020 um 22.55 Uhr im WDR-Fernsehen und am 19.2.2020 um 22.45 im BR-Fernsehen ausgestrahlt und ist danach je sieben Tage in der Mediathek zu sehen.

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