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StartseiteKommentare und Themen der WochePolitische Absichtsbekundungen sind oft noch hohle Worte 24.09.2021

KlimastreiksPolitische Absichtsbekundungen sind oft noch hohle Worte

Der Klimawandel stehe nicht mehr nur vor der Tür, er sei inzwischen rein gekommen, kommentiert Ann-Kathrin Büüsker die Klimaproteste. Noch gebe es Handlungsspielraum. Darauf wiesen die Klimastreikenden hin. Denn ihre künftige Handlungsfähigkeit werde durch unsere Tatenlosigkeit im Jetzt eingeschränkt.

Ein Kommentar von Ann-Kathrin Büüsker

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Klimastreik 24.09.2021 Am 24.09.2021 riefen Fridays For Future zum Globalen Klimastreik auf. Auch in Hannover fand eine große Demonstration statt. Deutschland, Niedersachsen, Hannover, 24.09.2021 *** Climate Strike 24 09 2021 On 24 09 2021 Fridays For Future called for a Global Climate Strike Also in Hannover a big demonstration took place Germany, Lower Saxony, Hannover, 24 09 2021 (IMAGO / Andre Germar)
Am 24.09.2021 riefen Fridays For Future zum globalen Klimastreik auf. An mehr als 500 Orten in Deutschland gab es wie hier in Hannover Proteste für den Klimaschutz. (IMAGO / Andre Germar)
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Die letzten Sommer in Deutschland waren viel zu heiß und viel zu trocken. Auswirkungen des Klimawandels. In diesem Sommer haben wir Starkregenereignisse erlebt, Menschen haben ihr Leben verloren, ihr Heim und ihren Besitz.

Der Klimawandel, er steht nicht mehr vor der Tür, er ist inzwischen rein gekommen und hat es sich auf dem Sofa bequem gemacht. Die Lebensgrundlagen werden nun auch bei uns durch die menschengemachte Erderwärmung bedroht. Dass die Politik dem etwas entgegensetzt, forderten heute Menschen in hunderten deutschen Städten. Es ist auch diesem anhaltenden Druck, ausgehend von den Fridays for Future, zu verdanken, dass inzwischen keine demokratische Partei mehr um das Thema Klimaschutz herumkommt.

Wahlprogramme reichen nicht für Pariser Klimaziele

Doch viel zu oft sind die politischen Absichtsbekundungen noch hohle Worte. Keines der Wahlprogramme der Parteien reicht aus, um das Klimaziel von Paris zu erreichen. Dieses aber forderten die Menschen beim Klimastreik ein, denn es ist notwendig, um unsere Lebensgrundlagen zu schützen.

Ein Globus mit den Worten "Act now" ist bei einer Demonstration der Bewegung "Fridays for Future" vor dem Bundestag zu sehen. Kurz vor der Bundestagswahl finden deutschland- und weltweit Aktionen statt. Die Aktivisten fordern sozial gerechte und effektive Maßnahmen, um den globalen Temperaturanstieg auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. (dpa / Jörg Carstensen) (dpa / Jörg Carstensen)Streitgespräch um Klimastreik - Grüne Jugend versus Junge Union
Fridays for Future hat zwei Tage vor der Bundestagswahl zu Demonstrationen aufgerufen. Die Bundesvorsitzende der Grünen Jugend Anna Peters und Wiebke Winter, Landesvorsitzende der Jungen Union in Bremen, berichten von ihrem Engagement für Klimaschutz und streiten über das ihrer jeweiligen Partei.

Paris – das ist die Vereinbarung der Weltgemeinschaft, die Erderwärmung gemeinsam zu begrenzen. Auf deutlich unter 2, möglichst 1,5 Grad. Wir sind schon jetzt bei über einem Grad. Im Durchschnitt. Lokal kann die Veränderung noch stärker ausfallen – das heißt, es wird an einigen Orten zu heiß, um dort zu leben.

Eingebunden in eine globalisierte Welt

Jetzt könnten wir uns - zynisch betrachtet - zurücklehnen, weil die Prognose für Deutschland ja noch lebenswerte Regionen vorsieht und wir ein reiches Land sind, das sich sicherlich durch Technologie irgendwie einrichten kann. Aber wir sind eben auch eingebunden in eine globalisierte Welt. Produktionsstandorte werden wegbrechen, weil die Menschen dort nicht mehr leben können. Massive Migrationsbewegungen werden einsetzen, Verteilungskämpfe um Wasser und Nahrung.

Wenn Sie glauben, dass das nur Horrorszenarien sind, lesen Sie den Bericht des Weltklimarates, wissenschaftlich fundierte Ergebnisse. Sie können dort auch nachlesen, dass wir noch Handlungsspielraum haben, aber das Zeitfenster immer kleiner wird, weil die Weltgemeinschaft in Zeiten, in denen die Veränderung einfacher gewesen wäre, zu sehr am Status quo festgehalten hat.

Ein Monitor zeigt die Meereis-Konzentration im Rahmen einer Klimasimulation. (picture alliance / dpa | Christian Charisius) (picture alliance / dpa | Christian Charisius)Klima der Zukunft - Klimaforscher Marotzke: Erreichen des 1,5-Grad-Ziels nicht sehr wahrscheinlich
Der Klimaforscher Jochem Marotzke hat untersucht, ob der Klimawandel gestoppt werden kann. "Was wir herausgefunden haben, ist ernüchternd", sagte er im Dlf. Die gesellschaftliche Dynamik sei nicht stark genug, um den menschengemachten Temperaturanstieg so zu begrenzen, wie es notwendig wäre.

Nicht sehr transformationsfreudig

Wir Deutschen sind nicht sehr transformationsfreudig, im Herzen hassen wir die Veränderung. Aber wie gesagt, die Veränderung ist schon da und sitzt auf Ihrem Sofa. Sie können ihr jetzt dabei zusehen, wie sie sich Ihre Wohnstätte aneignet, Ihr Leben bestimmt. Oder Sie nutzen Ihre letzte Chance. Es ist genau diese Handlungsfähigkeit, auf die die Klimastreikenden hinweisen. Die sie einfordern. Denn ihre Handlungsfähigkeit in Zukunft wird durch unsere Tatenlosigkeit im Jetzt eingeschränkt. Ohne Handlungsoptionen aber kann Demokratie nicht funktionieren. Das 1,5-Grad-Ziel ist damit also auch Voraussetzung, damit unser politisches System Bestand haben kann.

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