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StartseiteKommentare und Themen der WocheWas fehlt, ist der politische Wille08.10.2018

KlimawandelWas fehlt, ist der politische Wille

Der Weltklimarat hat mit seinem Sonderbericht gezeigt, dass sich die Klimaschutz-Anstrengungen lohnen, kommentiert Georg Ehring. Was derzeit jedoch fehle, sei der politische Wille, tatsächlich schnell genug von den alten, klimaschädlichen Technologien Abschied zu nehmen.

Von Georg Ehring

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So richtig Mut macht die gute Nachricht nicht: Wenn wir uns außerordentlich anstrengen, dann ist es noch möglich, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Das ist die Botschaft des Weltklimarats IPCC. Die Menschheit würde dann sozusagen mit einem blauen Auge davonkommen: Dürren, Hitzewellen und katastrophale Wetterextreme würden häufiger, blieben aber noch handhabbar. Die Arktis wäre vielleicht einmal pro Jahrhundert eisfrei – bei einer Erwärmung um zwei Grad würde das Polareis zehnmal so häufig schwinden. Und: Es wäre vielleicht möglich, knapp ein Drittel der weltweiten Korallenriffe zu erhalten – bei zwei Grad Erderwärmung wären diese Wunderwelten unter Wasser nahezu komplett verloren.

Um die Dimension der notwendigen Veränderung zu verdeutlichen: Die zögerlichen Anstrengungen, die derzeit noch Klimaschutz genannt werden, würden zu einem etwa drei Grad wärmeren Planeten führen, mit Konsequenzen, die man sich lieber erst gar nicht ausmalen möchte.

Die Technik ist vorhanden

Der Sonderbericht des Weltklimarats stellt die Chancen, die ein entschlossener Kampf gegen die Erderwärmung bietet, in den Mittelpunkt und das ist auch gut so. Doch die Anstrengungen, die dafür erforderlich sind, geraten im politischen Alltag schnell aus dem Blick: Im nächsten Jahrzehnt muss der Ausstoß von Treibhausgasen fast auf die Hälfte sinken. Und zur Mitte des Jahrhunderts muss für jede Tonne CO2, die in die Atmosphäre entlassen wird, eine Tonne CO2 entzogen werden – etwa durch Anpflanzen zusätzlicher Wälder.

Die Technik, um Wohlstand ohne CO2-Emissionen zu sichern ist vorhanden: Wind- und Sonnenenergie zur Stromerzeugung, Autos, die mit sauberer Elektrizität angetrieben werden, Dämmstoffe und dichte Fenster, die Wohnungen auch im Winter ohne Heizung warm halten. Was fehlt, ist der politische Wille, tatsächlich schnell genug Abschied zu nehmen von den alten Technologien, die das Klima ruinieren: Von der Braunkohle und anderen fossilen Energieträgern zur Stromerzeugung und von Verbrennungsmotoren zur Fortbewegung vor allem.

Anstrengungen lohnen sich

Das gilt gerade für Deutschland, das sich in den vergangenen Jahren vom Vorreiter zum Bremser im Klimaschutz entwickelt hat. Unser Land verpasst seine Zusage, die CO2-Emissionen bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent unter den Stand von 1990 zu drücken. Die Bundesregierung bremst in Brüssel bei CO2-Vorgaben für Autos, sie streitet seit Jahren um finanzielle Hilfen für die energetische Sanierung von Häusern. Bundesumweltministerin Svenja Schulze wies heute zu Recht darauf hin, dass die nächsten Jahre darüber entscheiden werden, ob die Erderwärmung in Grenzen gehalten werden kann. Sie muss jetzt ein Klimaschutzgesetz vorlegen, das diesen wahren Worten Taten folgen lässt.

Im Pariser Klimaschutz-Abkommen hat die Staatengemeinschaft beschlossen, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen, wenn möglich sogar unter 1,5 Grad. Der IPCC hat mit seinem Sonderbericht gezeigt, dass es sich lohnt, die dafür nötigen Anstrengungen auf sich zu nehmen.  

Georg Ehring  (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Georg Ehring (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Georg Ehring, Jahrgang 1959, hat in Dortmund Journalistik und Politikwissenschaften studiert, später an der Fernuniversität Hagen Volkswirtschaft. Er arbeitet beim Deutschlandfunk als Redaktionsleiter Wirtschaft und Umwelt. Berufliche Stationen zuvor waren die zentrale Wirtschaftsredaktion der Nachrichtenagentur Reuters in Bonn und zuvor in den 1980er Jahren freiberufliche Tätigkeit überwiegend für den WDR in Dortmund.

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