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StartseiteForschung aktuellKlub der Newcomer30.11.2011

Klub der Newcomer

Private Firmen haben die ISS im Visier

Das Space Shuttle fliegt nicht mehr, stattdessen wollen kommerzielle Anbieter mit ihren Raumschiffen an die Internationale Raumstation ISS andocken. In wenigen Wochen hofft die Firma SpaceX mit ihrer Dragon-Kapsel den Anfang zu machen, weitere Unternehmen stehen in den Startrampen.

Von Guido Meyer

Die Dragon-Kapsel im All (Animation) (SpaceX)
Die Dragon-Kapsel im All (Animation) (SpaceX)

Der Abschied schmerzt. Auch bei der US-Raumfahrtbehörde NASA. Seit 1981 verfügte sie mit den Space Shuttles über Amerikas alleinigen bemannten Zugang ins All. Seit 1998 hat kein anderes amerikanisches Gefährt an die Internationale Raumstation (ISS) gedockt außer den Raumfähren. Doch diese Zeit ist seit dem letzten Flug eines Shuttles im Juli 2011 vorbei; das Monopol ist futsch.

"Das ist ein ganz schöner Umbruch. Wir sind immer noch traurig, dass das Shuttle-Programm zu Ende gegangen ist. Das war eine glorreiche Ära! Wir überlassen den Weltraum aber nicht sang- und klanglos dem privaten Sektor. Nur zu diesem einen Zweck, der Versorgung der ISS mit Nutzlast und Astronauten, übergeben wir die Verantwortung an kommerzielle Anbieter. Wir kümmern uns weiter um die Erforschung des Weltraums jenseits der Erdumlaufbahn."

Philip McAlister ist beim Hauptquartier der NASA Direktor für die Entwicklung des kommerziellen Raumfluges - schon dieser Titel zeugt vom Umdenken in Washington, D. C. Ein halbes Dutzend Unternehmen entwickelt derzeit Raumschiffe, die in den kommenden Jahren Crew und Cargo zur ISS transportieren sollen. Die NASA tritt dann als zahlender Kunde auf und bucht einzelne Flüge. Eines fällt dabei auf: Die Raumschiffe der privaten Anbieter ähneln sich doch ziemlich.

"Es ist offensichtlich, dass wir uns die Apollo-Kapseln aus dem Mondlandeprogramm der 60er- und 70er-Jahre zum Vorbild genommen haben. Sie verfügen nach wie vor über ein effizientes Design, was Zuverlässigkeit und Wirtschaftlichkeit angeht."

John Mulholland ist der Manager des Programms für kommerziellen Crew-Transport bei Boeing. Der Luft- und Raumfahrtkonzern aus dem US-Bundesstaat Missouri entwickelt derzeit eine Kapsel, die in drei, vier Jahren zur ISS fliegen soll. Und sie ähnelt eben den fast 50 Jahre alten Apollo-Kapseln - ein oben abgeschnittener Kegel, dessen Grundfläche ein Hitzeschild bildet. Auch die Dragon-Kapsel der Firma SpaceX, der Container Cygnus von Orbital und die Blue-Origin-Kapsel weisen dieses konusförmige Design auf. Einzig die Firma Sierra Nevada aus Colorado hat sich was einfallen lassen: Flügel nämlich.

"Mit einem geflügelten Vehikel können wir auf einer gewöhnlichen Landebahn aufsetzen. Durch einen gleitenden Wiedereintritt in die Erdatmosphäre entstehen für die Astronauten an Bord geringere Beschleunigungskräfte, als wenn eine Kapsel nahezu senkrecht zur Erde plumpst. An Bord unseres Fliegers ist die Mannschaft nur zwei g ausgesetzt, was ungefähr der Fahrt auf einer Achterbahn entspricht. Auch die wissenschaftlichen Proben, die wir von der ISS zur Erde fliegen, stehen so unter geringeren Belastungen."

Dream Chaser nennt sich der schwarz-weiße Flieger der Sierra-Nevada-Corporation. Sein Design ist nicht wirklich neu, sondern eher wiederbelebt. In den achtziger Jahren sollte es als europäischer Raumgleiter Hermes umgesetzt werden, in den 90er-Jahren war es als Rettungsboot für die Internationale Raumstation im Gespräch. Beide Entwürfe wurden aus Kostengründen gestrichen. Nun soll das Konzept privat sein Revival erleben.

"Wir können damit auf jeder Landebahn der Welt aufsetzten, die drei Kilometer lang ist. Anfangs werden wir die bisherige Space-Shuttle-Runway am Kennedy Space Center in Florida nutzen. Wenn aber irgendwann beispielsweise deutsche Firmen Experimente mit uns hoch- oder runterfliegen, können wir damit auch in Deutschland landen. Das kleine Raumschiff wird dann mit einem Cargoflugzeug zurück in die USA transportiert."

In der bemannten Version soll dieser Flieger in wenigen Jahren bis zu sieben Personen zur Raumstation transportieren können. Und die NASA hätte dann wieder einen eigenständigen bemannten Zugang zur ISS. Nur muss sie diesmal für den Transport ihrer Astronauten bezahlen.

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