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StartseiteForschung aktuellKnackpunkt Kabel26.07.2012

Knackpunkt Kabel

Energieseekabel brechen leicht, wenn sie nicht korrekt verlegt werden

Technik. - Offshore-Windenergie ist teuer, aufwändig und mit großen Risiken verbunden. Und doch sind sich die allermeisten Experten sicher, dass die Energiewende ohne große Mengen Windenergie vom Meer nicht funktionieren wird. Aber dafür muss der Strom erstmal an Land kommen, denn Energieseekabel sind bei weitem nicht so robust, wie sie aussehen.

Von Monika Seynsche

Die Anbindung von Offshore-Windparks ist kein geringes Problem. (Hornsrev)
Die Anbindung von Offshore-Windparks ist kein geringes Problem. (Hornsrev)
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"Das empfindliche an diesen Kabeln ist der eigentliche Leiter, der Kupferleiter. Kupfer ist ein Material, das äußere physikalische Kräfte nicht gut verträgt."

Tom Schmitz arbeitet bei den Norddeutschen Seekabelwerken in Nordenham, und hat dort viele Jahre lang internationale Kabelverlegungsprojekte betreut.

"Ich darf die nicht quetschen, das heisst der eigentlich runde Leiter darf nicht irgendwann oval werden. Es muss darauf geachtet werden, dass die halbleitende Schicht die um den Leiter aufgebaut wird, sich nicht von dem Leiter löst und all das wäre möglich und würde man unter Umständen nicht erkennen wenn man äußere Kräfte auf das Kabel einwirken lässt."

Genau das aber geschieht, wenn die Energieseekabel mit den gleichen Werkzeugen verlegt werden, die sich bei Nachrichtenseekabeln seit über 100 Jahren bewährt haben. Schmitz:

"Wir wissen, dass vor allem in englischen Windparks große Probleme herrschen, Zahlen die über den Markt geistern, die immer sehr schwer zu fassen sind, denn darüber redet niemand offen, ist, dass teilweise bis zu 50 Prozent der installierten Kabel Schäden haben."

Ein beschädigtes Kabel kann im schlimmsten Fall einen ganzen Windpark zum Erliegen bringen. Schuld daran sind nach Tom Schmitz Einschätzung in der Regel die Kabelpflüge, die einen Graben in den Meeresboden ziehen, in den dann die Kabel gelegt werden. Was bei den dünnen, robusten Nachrichtenseekabeln gut funktioniert, ist für die dicken empfindlichen Energieseekabel verhängnisvoll. Tom Schmitz und seine Kollegen verzichten deshalb auf den Pflug und spülen ihre Kabel in den Meeresboden. Mit hohem Druck schießen sie Wasser auf den sandigen Boden, bis der in eine Suspension übergeht. Ohne äußere Krafteinwirkung sinkt das Kabel dann nach unten.

"Das, was da passiert, ist ähnlich wie Treibsand. Dieses eigentlich feste Sediment verliert irgendwann seine feste Konsistenz und erscheint wie eine Flüssigkeit und diese Flüssigkeit hat dann insgesamt eine geringere Dichte als das eigentliche Kabel und deshalb kann das Kabel in diese Suspension einsinken."

Kabelschäden habe es durch diese Art der Verlegung bisher noch nicht gegeben, sagt Schmitz. Allerdings gibt es weltweit nur drei bis vier Firmen, die das fürs Einspülen benötigte Werkzeug herstellen können. Deswegen macht sich der Ingenieur der Norddeutschen Seekabelwerke Sorgen um die Zukunft.

"Wenn der Markt weiter so stark wächst, wie er das bisher tut, irgendwann wird aufgrund von Verfügbarkeit Equipment eingesetzt und nicht mehr aufgrund von Eignung für die Parks und dann kann es durchaus sein, dass wir auch in Deutschland zum Beispiel große Kabelpflüge für Powerkabelinstallationen sehen. Und da sehen wir sehr große Schwierigkeiten auf uns zukommen."

Die Kabel sicher in den Meeresboden hinein zu bekommen ist eine Sache. James Ritchie von Tekmar Energy versucht, sie auf der anderen Seite wieder sicher aus dem Boden heraus und in die Windenergieanlage hinein zu bekommen.

"Am Übergang zwischen Meeresboden und dem Fundament der Windenergieanlage werden die Kabel oft freigelegt. Verantwortlich dafür ist die Auskolkung, also die Erosion des Bodens rund um die Anlage. Wir stellen deshalb Systeme her, die zum einen bei der sicheren Installation der Kabel helfen und die zum anderen die Kabel an dieser Stelle schützen und eine lange Lebensdauer gewährleisten."

Zentrales Element dieser Schutzsysteme sind gelbe Plastikzylinder, die ähnlich den Perlen auf einer Schnur das Kabel umhüllen und verhindern, dass es sich zu stark biegt. Über 1000 solcher Kabelschutzsysteme haben James Richie und seine Kollegen mittlerweile installiert. Ob sie, wie versprochen 25 Jahre halten werden, muss sich zeigen.

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