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StartseiteForschung aktuellHilfreiche Parasiten gegen Küstenfieber23.03.2015

Ko-Infektion für RinderHilfreiche Parasiten gegen Küstenfieber

East Coast Fever, auf Deutsch auch Küstenfieber genannt, ist eine für Rinder gefährliche Parasiteninfektion. Sie wird von Zecken übertragen. In Ostafrika sterben jährlich Millionen von Tieren an den Folgen dieser Krankheit. Britische Forscher haben nun eine Art natürlichen Schutzmechanismus entdeckt.

Von Lucian Haas

Hausrind (Bos primigenius f. taurus), Charolaises und Limousin-Rinder zusammen auf einer Weide (imago / blickwinkel)
Der von Zecken übertragene einzellige Parasit Theileria parva wird in Ostafrika von Rinderhaltern gefürchtet. Er verursacht bei den Tieren das gefährliche Küstenfieber. (imago / blickwinkel)
Weiterführende Information

Tierhaltung - Vorgetäuschte Gutshof-Idylle
(Deutschlandfunk, Umwelt und Verbraucher, 27.02.2015)

Grüne Woche - Ein Bauer tanzt aus der Reihe
(Deutschlandradio Kultur, Studio 9, 20.01.2015)

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(Deutschlandfunk, Sprechstunde, 13.05.2014)

Cowboyarbeit am Ufer der Randow
(Deutschlandradio Kultur, Länderreport, 23.10.2013)

Der von Zecken übertragene einzellige Parasit Theileria parva wird in Ostafrika von Rinderhaltern gefürchtet. Er verursacht bei den Tieren das gefährliche Küstenfieber.

"It kills them."

Es bringt die Rinder um, sagt der britische Biologe Mark Woolhouse von der Universität von Edinburgh. In manchen betroffenen Regionen sterben rund ein Viertel der Kälber schon in den ersten Monaten ihres Lebens am Küstenfieber. Der wirtschaftliche Schaden in Ländern wie Kenia ist groß. Entsprechend wären wirksame Strategien im Kampf gegen das Küstenfieber sehr willkommen. Mark Woolhouse stieß gemeinsam mit Kollegen bei Feldstudien in Kenia auf eine interessante Spur.

"Neben dem bekannten Parasit, der das Küstenfieber verursacht, gibt es noch einige verwandte Parasiten. Bisher wurden sie wenig beachtet, weil sie angeblich nicht mit der Krankheit in Verbindung stehen. Wir wollten diese Annahme überprüfen. Wir dachten, dass sie möglicherweise doch zum Küstenfieber beitragen. Herausgefunden haben wir aber genau das Gegenteil. Das war eine große Überraschung."

90 Prozent der Rinder überlebten nach der Ko-Infektion

Die anderen Parasiten, so fanden die Forscher heraus, verursachen nur weitgehend harmlose, chronische Infektionen. Diese haben aber einen interessanten Nebeneffekt. Wenn Rinder mit den tödlichen Theileria parva Parasiten infiziert werden, zuvor aber schon die harmloseren Parasitenformen in sich tragen, sterben sie in der Regel nicht. Statistisch gesehen überleben 90 Prozent solcher Tiere das Küstenfieber und sind danach immun.

"Das ist ein sehr drastischer Effekt. 90 Prozent Schutz ist wie eine gute Impfung. Dabei geschieht das auf völlig natürlichem Weg."

Bisher behalfen sich Rinderzüchter im Kampf gegen das Küstenfieber unter anderem damit, dass sie Pestizide versprühten, um die Zecken als Überträger zu bekämpfen. Allerdings nur mit mäßigem Erfolg. Mark Woolhouses Entdeckung liefert dafür eine Erklärung:

"Wenn man die Belastung der Tiere mit der tödlichen Form der Parasiten verringert, indem man die Zecken tötet, dann kommen die Rinder auch weniger mit den schützenden Parasitenformen in Kontakt. Man verringert also einerseits die Infektionsgefahr, andererseits aber auch den Schutz. Am Ende gleichen sich beide Effekte aus, und die Sterberate der Rinder ändert sich kaum."

Neue Wege zur Bekämpfung des Küstenfiebers

Die neuen Erkenntnisse werfen eine spannende Frage auf: Worauf beruht der schützende Effekt der harmlosen Parasiten vor dem Küstenfieber?

"Derzeit können wir nur spekulieren. Eine Möglichkeit ist offensichtlich, dass das Immunsystem als Antwort auf die milden Infektionen bestimmte Moleküle, sogenannte Cytokine produziert. Wahrscheinlich beeinflussen sie, wie die Rinder auf die normalerweise tödlichen Parasiten reagieren. Wir planen nun weitere Experimente, um diesen Mechanismus aufzuklären."

Sollte das gelingen, würde das möglicherweise nicht nur für die Bekämpfung des Küstenfiebers bei Rindern neue Wege öffnen. Es gibt Hinweise darauf, dass bestimmte milde Parasiteninfektionen beim Menschen dazu führen, dass eine Malaria seltener tödlich verläuft. Vielleicht liegen in beiden Fällen die gleichen Wirkprinzipien zugrunde.

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