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StartseiteKultur heuteEine Oper ohne Spielstätte23.07.2015

KölnEine Oper ohne Spielstätte

Was Berlin und Hamburg können, kann Köln schon lange: Der Termin für die Wiedereröffnung der Kölner Oper im November ist geplatzt. Der Grund für die Verschiebung: Die Sanierung zieht sich noch hin.

Die Oper in Köln. (picture alliance / dpa / Oliver Berg)
Die Kölner Oper wird seit 2012 saniert. (Archivaufnahme aus dem Jahr 2011) (picture alliance / dpa / Oliver Berg)

Eine eilig angesetzte Pressekonferenz im Spanischen Bau des Kölner Rathauses. Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Spanische Bau der Teil des Rathauskomplexes, der am schnellsten wiederaufgebaut wurde.
Heute versammelten sich genau dort die Vertreter von Stadt und Kölner Bühnen. Mit versteinerten Mienen machten sie bekannt, was schon seit einigen Monaten befürchtet wurde: Eine Wiedereröffnung der Kölner Oper im November wird es auch nach drei Jahren Bauzeit nicht geben, sondern frühestens zur Spielzeit 2016/17.

Opernintendantin Birgit Meyer ist zerknirscht:

"Der Stichtag war 30. Juni 2014. Und das war eine bedeutende Situation. Und ich hab nach allen Seiten gefragt, wie sicher ist es, wenn wir das Zelt jetzt aufgeben, weil man zu diesem Zeitpunkt entscheiden musste, ob es jetzt noch weiter zu Verfügung stehen würde. Dann hab ich gesagt, dann hat die Oper nichts. Und es wurde von alle Seiten bestätigt: Es gibt keinen Grund, es ist alles in der Zeit, im September geht man in das Haus und im November kann man spielen."

Ein Musical-Zelt unweit des Kölner Hauptbahnhofs diente der Oper bisher als Ausweichquartier - bis zur Wiedereröffnung.
In den renovierten Gebäudekomplex am Offenbachplatz in der Kölner Innenstadt sollte auch das Schauspiel einziehen. Dessen Intendant Stefan Bachmann zeigt sich schockiert von den neuesten Entwicklungen:

"Auch ich habe Anfang dieser Woche diese Botschaft vernommen - befinde mich seit gestern in so einer Art Albtraum, da ich schon sehr erschüttert und betroffen bin und auch sehr überrascht bin von diesem Ausmaß, was diese Verschiebung angeht. Ganz plausibel, warum das jetzt erst zu einem so späten Zeitpunkt deutlich geworden ist, ist es mir nicht geworden."

Sanierung war auf drei Jahre angesetzt

Der Kölner Architekt Wilhelm Riphahn entwarf das alte Opernhaus, das Ende der 1950er-Jahre eingeweiht wurde. Ein strenger Rechteckbau, mit viel Beton und rotem Klinker, der den architektonischen Neuanfang der Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg symbolisiert. Auf drei Jahre und etwa 270 Millionen Euro war die Sanierung des Ensembles angesetzt - und bisher schien alles nach Plan zu laufen: Die Aufführungen für die Spielzeit 2015/16 standen fest; es wurden Sponsorenverträge eingetütet und Künstler verpflichtet.

Selbst Petra Rinnenburger, Leiterin der städtischen Gebäudewirtschaft, und bestens vertraut mit der Sanierung, gibt sich überrascht:

"Wir haben jetzt in der letzten Woche feststellen müssen, dass Termine, Kosten und Qualität in keinster Weise mehr zu halten sind. Das heißt, wir müssten enorme Abstriche in der Qualität hinnehmen. Und wir verhandeln natürlich in vielen Nachträgen über Kosten, über die wir jetzt sagen müssen, die sind wirtschaftlich nicht mehr darstellbar."

Bei Fragen nach der Zuständigkeit für das Desaster wiegelt sie ab: das lasse sich nicht konkret benennen. Ebenso bei den Mehrkosten, die noch zu erwarten sind: Billiger werde es jedenfalls nicht, sagt sie. Auch die personellen Maßnahmen, die vor Kurzem noch auf den Weg gebracht wurden, als sich abzeichnete, dass der ursprüngliche Termin unhaltbar ist, waren nicht erfolgreich, wie Petra Rinnenburger zugibt:

"Je mehr Personal jetzt auf die Baustelle zuläuft, umso schlechter war der Fortschritt. Erschwerend kommt hinzu, dass wir in einem Bestand aus den 50er, 60er Jahren arbeiten."

Besonders hart trifft es die Oper, die jetzt keine Spielstätte hat. Intendantin Birgit Meyer:

"Jetzt werde ich die Spielzeit umplanen im Einvernehmen mit den verpflichteten Künstlern. Wir werden das meistern, auch wenn es viel werden wird."

Stefan Bachmann kann mit seinem Kölner Schauspiel in der Interimsspielstätte im Depot bleiben - etwa acht Millionen Euro kostet das pro Jahr. Er zweifelt trotzdem nicht daran, dass es irgendwie vorwärtsgeht:

"Am Ende würde ich dann schon sagen: Wir sind Künstler, was sollen wir tun, wir machen natürlich doch weiter."

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