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StartseiteInterview"Auf der Bühne sollte man schon nüchtern sein"28.02.2019

Kölner Dreigestirn"Auf der Bühne sollte man schon nüchtern sein"

Das Kölner Dreigestirn habe in der laufenden Karnevalssession schon etwa 470 Termine absolviert, sagte Markus Meyer alias Bauer Markus im Dlf. So viel Alkohol wie früher werde längst nicht mehr getrunken, ergänzte Prinz Marc der Erste (Marc Michelske) - denn als höchster Repräsentant des Karnevals habe man Verpflichtungen.

Marc Michelske und Markus Meyer im Gespräch mit Philipp May

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23.01.2019, Köln: Das Kölner Karneval Dreigestirn 2019 Jungfrau Catharina (Michael Everwand) Prinz Marc I. (Marc Michelske) und Bauer Markus (Markus Meyer)  (picture-alliance / dpa / Horst Galuschka)
Das Kölner Dreigestirn 2019: Jungfrau Catharina (Michael Everwand) Prinz Marc I. (Marc Michelske) und Bauer Markus (Markus Meyer) haben einen vollen Terminkalender (picture-alliance / dpa / Horst Galuschka)
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Philipp May: Der Straßenkarneval in den Hochburgen in Deutschland, der beginnt heute, und die größte und bekannteste Karnevalshochburg, das ist – die Düsseldorfer mögen es mir an dieser Stelle verzeihen – natürlich Köln. Die höchsten Repräsentanten der Stadt von der Proklamation Anfang Januar bis zum Aschermittwoch, das ist nicht die Oberbürgermeisterin, sondern das Kölner Dreigestirn. Also der Prinz, der Bauer und die Jungfrau. In diesem Jahr sind das Marc Michelske alias Prinz Marc der Erste, Markus Meyer oder eben Bauer Markus und Michael Everwand als Jungfrau Katharina. Über 400 Auftritte müssen die drei in der Session absolvieren. Ab heute wird die Taktzahl noch einmal gesteigert. Umso schöner, dass wir sie jetzt live am Telefon haben beziehungsweise zwei von ihnen. Prinz Marc und Bauer Markus – ist das richtig? Schönen guten Morgen!

Marc Michelske: Ja, richtig! Guten Morgen!

Markus Meyer: Schönen guten Morgen, das ist richtig!

May: Ja, wunderbar! Wo haben Sie die Jungfrau gelassen?

Michelske: Die zieht sich noch an, unser Kathrinchen.

May: Dauert das ein bisschen länger bei der?

Meyer: So wie das mit den Damen halt ist.

May: Da habe ich gleich eine verrückte Idee. Warum wird als Jungfrau nicht einfach eine Frau ausgewählt, würde das dann nicht schneller gehen? Die hat da ja mehr Übung?

Michelske: Das können wir dir leider nicht beantworten, weil wir nicht wissen, ob sich Frauen beworben haben oder nicht. Man erfährt nicht, wer sich alles ums Dreigestirn bewirbt.

May: Aber das würde theoretisch gehen, also es könnte auch eine Frau sich bewerben?

Michelske: Da wir nicht das Auswahlgremium sind, kann ich dir das nicht beantworten. Also möglich ist in Köln alles, oder, also würde ich mal behaupten.

May: Aber gab es bisher noch nicht. Also das scheint ja bisher unmöglich gewesen zu sein.

Meyer: Bisher gab es das noch nicht.

Michelske: Also zumindest nicht zu unseren Lebzeiten. Zweimal unter den Nazis, deshalb hat das auch so ein Geschmäckle.

May: Ah, okay. Ich habe gelesen, man spricht Sie tatsächlich an mit Ihre Tollität. Richtig? Also Ihre Tollität.

Michelske: Ja, das kann man machen, das ist richtig.

May: Wie wird man denn Teil des Kölner Dreigestirns?

Michelske: Indem mein Bauer mich gefragt hat, ob er das nicht machen soll, und dann habe ich gesagt, jetzt fehlt noch eine Jungfrau, dann hat das zwei, drei Jährchen gedauert, und dann hatten wir eine Jungfrau, und dann haben wir uns beworben und sind dann vom Auswahlgremium genommen worden.

May: Also Sie bewerben sich zu dritt und klären dann schon vorher und daher, wer wird Prinz – das ist ja der Höchste des Trios –, wer wird Bauer, und wer wird Jungfrau. Einer muss sich dann sozusagen bereiterklären.

Michelske: Genau. Also so haben wir es zumindest gemacht. Ob das auch in anderen Konstellationen mal anders gelaufen ist, weiß ich jetzt nicht, aber das war unsere Herangehensweise.

"Man kann davon ausgehen, dass wir so 460 bis 470 Termine hatten"

May: Und ich habe schon gesagt, seit Januar geht es rund für Sie. Wie viele Auftritte pro Tag absolvieren Sie?

Meyer: Also pro Tag ist es unterschiedlich. An Wochenenden ist es mehr. Es waren insgesamt 436 gesetzte Termine, wo aber dann immer noch Termine zwischendurch dazukamen. Also kann man da roundabout davon ausgehen, dass wir so 460 bis 470 Termine hatten.

May: Und das sind dann Karnevalssitzungen, soziale Einrichtungen bis hin zum Frauengefängnis, habe ich gelesen.

Meyer: Altenheime. Gestern waren wir in der JVA Ossendorf im Frauengefängnis. Das ist total unterschiedlich, aber es macht bei jedem Saal, auf jeder Bühne, egal in welchem Haus, Megaspaß. Es ist überall etwas anderes.

May: Aber es ist anstrengend. Sie wohnen gar nicht zu Hause, sondern in der sogenannten kölschen Hofburg, was in Wirklichkeit eine Hoteletage ist. Was sagt die Familie?

Michelske: Unsere Familien, das haben wir ja vorher auch über einen längeren Zeitraum besprochen. Die stehen dahinter, vermissen uns natürlich schon sehr. Montags hatten wir bislang frei, bis jetzt auf den blauen Montag, und dann konnten wir zumindest sonntags abends nach Hause fahren und bis dienstags morgens bleiben, um noch ein bisschen Zeit mit der Familie zu haben und etwas zu arbeiten. Aber jetzt haben wir die auch schon alle länger nicht gesehen.

May: Wir haben es gerade gesagt, wahnsinnig viele Auftritte pro Tag, ein Termin jagt den nächsten, es wird immer gefeiert. Was macht das Ganze eigentlich mit der Leber bei Ihnen, oder trinken Sie gar nicht so viel, müssen Sie gar nicht so viel trinken?

Michelske: Also das gibt es so nicht mehr, wie wir das vielleicht noch aus der Vergangenheit kennen, so vor 20 Jahren, wo dann auf der Bühne getrunken wurde. Wir trinken zwischendurch Wasser, eine Cola und hin und wieder auch mal ein Kölsch zum Essen. Aber wenn, entweder am Ende des Tages dann was, aber währenddessen … Man muss, also zumindest ich als Prinz muss ja noch auf die Bühne in den meisten Fällen reden, und dann sollte man schon nüchtern sein.

May: Sie sind der höchste Repräsentant der Stadt.

Michelske: Genau das.

May: Ich habe in Ihrer Vita gelesen, dass Sie alle drei im weitesten Sinne Unternehmer sind, heißt eine eigene Firma beziehungsweise eine Kanzlei führen. Wie machen Sie das jetzt in dieser Zeit?

Michelske: Also bei mir habe ich das so gemacht, Kollegen sind für mich eingesprungen bei vielen Angelegenheiten, bei Gerichtsterminen. Die Mitarbeiter haben mehr Arbeit übernommen, mein Vater ist mit in der Kanzlei, und wir haben noch zwei Kollegen in der Bürogemeinschaft, die haben Sachen übernommen. Dann war ich montags da und bin tagsüber zwischen den Auftritten auch auf dem Handy erreichbar.

Meyer: Bei mir ist es so, zwischen den Auftritten, klar, auf dem Handy erreichbar, und man hat auch heute immer das iPad bei, wo die Programme drauf laufen, wo man von unterwegs arbeitet oder morgens im Hotel, genauso wie montags bin ich auch in den Betrieb gefahren. Wir haben ein gutes Team dahinterstehen, genauso ist das auch bei unserer Jungfrau, gute Mitarbeiter, und da können wir uns einfach drauf verlassen. Ich denke, das geht uns alle drei so.

May: Aber Sie müssen auch schon einiges selbst an Geld in die Hand nehmen. Sie zahlen das alles selbst, ist das richtig?

Michelske: Ist schwierig zu sagen, aber es kostet Geld, ja!

"Aschermittwoch wird für uns abgerechnet"

May: Können Sie eine ungefähre Zahl nennen, was muss man investieren, um einmal Prinz in Köln zu sein beziehungsweise Bauer oder Jungfrau? 50.000 habe ich mal gelesen, oder 100.000?

Meyer: Wir können im Moment noch gar nichts dazu sagen, weil Aschermittwoch kommt ja erst, und Aschermittwoch wird für uns abgerechnet.

May: Okay, aber ganz günstig ist es auf jeden Fall nicht.

Meyer: Was ist günstig, das liegt im Auge des Betrachters.

May: Sie haben ja auch was davon, danach gehören Sie dann zur feinen Gesellschaft beziehungsweise besser bekannt als kölscher Klüngel, und so rechnet es sich am Ende doch?

Meyer: Nein, darum ging es uns ja nie, weil wir haben ja drei sehr gut laufende Läden. Ich bin ADAC-Vertragsanwalt, da bin ich einfach völlig ausgelastet im Büro, und wer jetzt meint, wo wir dazugehören, das überlasse ich den anderen Herrschaften. Also wir sind eigentlich recht bodenständig und das bislang auch geblieben.

May: Jetzt geht es ab heute los mit dem Straßenkarneval beziehungsweise dem Karneval in den Kneipen. Kriegen Sie davon überhaupt noch was mit?

Michelske: In den Kneipen weniger. Wir haben ja nur ein Ornat jeder. Da ist dann so eine Kneipe schon …

May: Ornat ist das Kostüm, das Sie tragen. Das Gewand sozusagen, was man natürlich nicht sagen darf.

Michelske: Ja, also Ornat ist sozusagen die technisch richtige Bezeichnung, und da jeder nur eins hat, ist da natürlich so eine Kneipe, wie wir das vom Straßenkarneval aus kennen, ein Risikobereich, den wir jetzt nicht unbedingt betreten können. Wir sind jetzt erst mal auch selbst auf der Straße unterwegs, haben, glaube ich, 23 Orte, die wir heute anfahren, das wird schon eine Herausforderung.

May: Eine letzte Frage habe ich noch, Sie haben es ganz kurz schon angesprochen: Am Aschermittwoch unter anderem wird dann abgerechnet. Was machen Sie sonst noch am Aschermittwoch?

Michelske: Ausschlafen.

May: Ausschlafen.

Meyer: Sich auf die Familie freuen.

May: Und zurück ins normale Leben kehren?

Michelske: Genau. Also ich gehe donnerstags wieder arbeiten, den Mittwoch habe ich noch frei. Und da versuche ich dann ein bisschen, mich zu erholen.

May: Und ich glaube, im Hintergrund kommt gerade die Jungfrau. Dann will ich Sie nicht weiter stören bei den Vorbereitungen auf den Straßenkarneval. Aschermittwoch, da wird aus den Tollitäten Prinz Marc der Erste dann auf jeden Fall wieder Marc Michelske und aus Bauer Markus wieder Markus Meyer. Mit denen habe ich gerade gesprochen, zwei Teile des Kölner Dreigestirns. Vielen Dank für das Gespräch und Kölle Alaaf!

Meyer: Alaaf!

Michelske: Alles Gute, tschüss!

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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