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StartseiteUmwelt und VerbraucherSchaumstoff aus Abgasen07.05.2015

Kohlendioxid statt ErdölSchaumstoff aus Abgasen

Einem Unternehmen des Bayer-Konzerns ist es gelungen, Erdöl in der Kunststoffproduktion zumindest teilweise durch Kohlendioxid zu ersetzen. Bereits 2017 könnte das Produktionsverfahren in Serie gehen. Ein Verfahren, dass dann vor allem bei der industriellen Matratzenherstellung eine wichtige Rolle spielen könnte.

Von Ursula Mense

Weiterführende Information

Matratzen im Test - Auf die Abstützeigenschaft kommt es an

(Deutschlandfunk, Verbrauchertipp, 01.09.2014)

"An dieser Versuchsanlage können wir Weichschäume, die in einer Matratze Verwendung finden können, selbst herstellen", erklärt Bayer-Projektleiter Dr. Karsten Malsch. Schließlich wolle man testen, ob der neue Rohstoff auch taugt und sich hochwertige Matratzen damit herstellen lassen, bevor die Produktion des neuen Rohstoffes in Serie geht.

"Wir müssen zwei Komponenten am Mischkopf zur Reaktion bringen und was dann entsteht, ist der Schaum, in diesem Fall hier der Weichschaum. Das kann man in allen Konstellationen mit unterschiedlichen Komponenten austesten, so beispielsweise auch mit unserem kohlendioxidbasierten Rohstoff. "

Polyurethan, der Matratzen-Weichschaum, besteht normalerweise aus sehr viel Rohöl, genauer gesagt aus Epoxit. Diese Substanz gewinnt man aus Rohöl und braucht dazu sehr viel Energie. Pro Jahr stellt die Industrie 13 bis 14 Millionen Tonnen Polyurethane her. Da lohnt es sich, nach Alternativen zu suchen und den Rohölanteil zu reduzieren. In der neuen Substanz werden 20 Prozent des Rohöls durch Kohlendioxid ersetzt.

"Wir sparen 20 Prozent ölbasiertes Material ein und ersetzen das durch CO2. Und das geht gut. Und damit ist der ökologische Fußabdruck, den dieses Material hat, in etwa auch 20 Prozent besser", freut sich Dr. Christoph Gürtler, Leiter der CO2-Forschung von Bayer Material Science. Damit sich aber das Endprodukt, die Matratze, gut verkauft, spielen noch andere Kriterien beim Ausgangsprodukt Weichschaum eine Rolle als nur ökologische.

"Das Schöne ist, das Polyurethan, das wir dann bekommen, ist genauso gut, einen Tucken besser, als das, was wir jetzt schon haben. Das ist wichtig, weil wir als Kunden, die wir ja auch sind, ein Material haben wollen, auf dem man gut und weich liegt."

Abfallprodukt als Umweltschutzhelfer

Ab 2016 will Bayer in Dormagen 5.000 Tonnen pro Jahr des neuen Rohstoffs herstellen. Ein Anfang erst, aber aus Sicht des Unternehmens ein vielversprechender. Denn der nächste Schritt müsse sein, 100.000 oder noch mehr Tonnen herzustellen, damit sich ein größerer Effekt für die Umwelt ergebe, sagen die Forscher. Ein weiterer Pluspunkt dabei: Das verwendete CO2 ist ein Abfallprodukt. Projektleiter Malsch:

"Im konkreten Fall wird das CO2, wenn wir an die Anlage in Dormagen denken, dort am Standort anfallen. Es gibt dort eine Ammoniakanlage. In dieser Ammoniakanlage fällt CO2 als Abgas an und das nutzen wir dann in der Fertigung."

Der Anteil von 20 Prozent Kohlendioxid im neuen Rohstoff ist für die Herstellung des Weichschaums das Maximum. Mehr als 20 Prozent würde die Struktur des Endprodukts Matratze verändern.
Für die Zukunft und für andere Endprodukte sei aber auch denkbar, eine größere Menge an fossilem Rohstoff einzusparen und durch CO2 zu ersetzen. Und daran werde auch bereits gearbeitet, sagt Dr. Gürtler:

"Wenn wir jetzt hingehen und wollen mehr nicht-erdölbasiertes Material einbauen, dann müssen wir einen kleinen Klimmzug machen und einmal CO2 einbauen und einen zweiten Baustein, den man aus CO2 machen kann, eine Art Vorstufe. Wenn man beides miteinander verbindet, dann kriegt man langsam aber sicher 40 Prozent nicht-erdölbasiertes Material darein. Das ist der nächste Schritt."

Im Labor schon ein Erfolg

In Laborversuchen konnten die Forscher bereits zeigen, dass die Herstellung eines solchen Rohstoffes grundsätzlich funktioniert. Allerdings sei der Weg bis zu einer kommerziellen Nutzung noch weit, erklärt Gürtler.
Kunststoffe aus einer solchen, um 40 Prozent Erdöl reduzierten Substanz, könnten dann aber in verschiedenen Bereichen Anwendung finden. In Sportartikeln zum Beispiel, bei der Ausstattung von Innenräumen oder auch in der Automobilindustrie.

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