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StartseiteCampus & Karriere''Kollateralschäden'' zum Unwort des Jahres 1999 gewählt25.01.2000

''Kollateralschäden'' zum Unwort des Jahres 1999 gewählt

Jurymitglieder kritisieren den unangemessenen Sprachgebrauch

Sprachwissenschaftler haben den Begriff "Kollateralschaden" zum Unwort des Jahres 1999 erklärt. Während des Kosovo-Krieges tauchte er in der Berichterstattung auf und bezeichnete den Tod unbeteiligter Zivilisten als Folge von Kampfmaßnahmen. Im Amerikanischen sei der Begriff "collateral damage" schon seit längerem im Gebrauch, erklärt der Frankfurter Professor Horst Dieter Schlosser, Mitglied der Jury, die das "Unwort des Jahres" kürte: "Wörtlich heißt es Seitenschaden oder Randschaden, und damit ist bereits die Diskrepanz zu dem, was es bezeichnet, aufgezeigt." Die Entscheidung der Jury fiel in diesem Jahr eindeutig aus, so Schlosser: "Wir haben uns sehr schnell einigen können. Es war die kürzeste Sitzung, die wir in den vergangenen neun Jahren hatten." Auch die meisten der über 1800 Einsendungen mit Vorschlägen zum Unwort des Jahres konzentrierten sich auf "Kollateralschaden". Schlosser kritisierte, dass die Medien den Begriff nahezu unübersetzt übernommen haben. Dadurch sei der unangemessene Sprachgebrauch nicht deutlich genug geworden.

Die Jury entschied sich außerdem für das Unwort des 20. Jahrhunderts und wählte dazu den Begriff "Menschenmaterial". Seine zynische Bedeutung habe das Unwort nicht zuletzt als Umschreibung von Menschen erlangt, die als Soldaten im I. und II. Weltkrieg "verbraucht" wurden, heißt es in der Begründung.

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Die Jury zur Wahl eines "Unwort des Jahres" besitzt vier ständige Mitglieder aus der Sprachwissenschaft: Prof. Dr. Albrecht Greule, Universität Regensburg Prof. Dr. Rudolf Hoberg, Technische Hochschule Darmstadt Prof. Dr. Horst Dieter Schlosser, Universität Frankfurt am Main Prof. Dr. Margot Heinemann, Hochschule für Technik, Wirtschaft und Soziales, Görlitz/Zittau

In jedem Jahr verstärken zwei Vertreter aus der Sprachpraxis die Jury. 1999 übernahmen Jutta Voigt (Redakteurin, DIE WOCHE) und Ernst Elitz (Intendant des DeutschlandRadios) diese Aufgabe.

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