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KolonialgeschichteBritischer Historiker kritisiert Doppelmoral der Londoner Regierung

Eine Statue von Winston Churchill in Lonfon, darauf die Aufschrift "...is a racist" (AP/Alberto Pezzali)
Während der Black Lives Matter-Proteste wurden auch Statuen von Winston Churchill beschmiert (AP/Alberto Pezzali)

In einem Streit über die britische Kolonialgeschichte hat ein Historiker der Regierung in London Doppelmoral vorgeworfen.

Steve Hewitt von der Universität Birmingham sagte der Deutschen Presse-Agentur, einerseits kündige die Regierung an, die Meinungsfreiheit an Universitäten zu verteidigen. Andererseits werde versucht, Forschung einzuschränken, die das vorherrschende Bild des British Empire und historischer Persönlichkeiten wie Ex-Regierungschef Winston Churchill in Frage stellte. Die Politik der Regierung bringe alternative Ansichten zum Schweigen und verhindert ein umfassenderes Verständnis der Vergangenheit, betonte Hewitt. Ziel sei es, Versuche zu unterdrücken, die Kolonialgeschichte umfassender aufzuarbeiten. "Der nationale Mythos wird mit der Geschichte verschmolzen."

Runder Tisch in London

Der britische Kulturminister Dowden will heute bei einem runden Tisch die wichtigsten historischen Einrichtungen des Landes auffordern, einen "allgemeineren Blick" auf die britische Geschichte zu werfen und sich nicht auf die kontroversen Aspekte zu konzentrieren.

Zuletzt hatten konservative Kräfte empört auf Ankündigungen historischer Stätten reagiert, die Verwicklung ihrer früheren Eigentümer in den kolonialen Sklavenhandel zu untersuchen und deutlich zu machen. Die Debatte hatte aufgrund der Black-Lives-Matter-Proteste im Sommer 2020 an Dynamik gewonnen. Im Zuge der Demonstrationen wurden in mehreren britischen Städten Denkmäler beschmiert und umgeworfen.

Neuer Leitfaden für deutsche Museen

Auch in Deutschland setzt sich die Debatte über den Umgang mit dem Kolonialismus fort. Der Deutsche Museumsbund stellt heute einen neuen Leitfaden zur Aufarbeitung des kolonialen Erbes vor. Damit sollen Museen ermutigt werden, sich mit ihrem kolonialen Erbe auseinanderzusetzen. Träger und Kulturpolitiker sollen die Häuser finanziell und personell in die Lage versetzen, die Aufarbeitung des kolonialen Erbes als dauerhafte Aufgabe zu verankern.