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StartseiteHintergrundKolumbien nach der Befreiungsaktion09.07.2008

Kolumbien nach der Befreiungsaktion

Die FARC in Bedrängnis

Die Reihen der FARC lichten sich allmählich. Immer öfter stellen sich Guerilleros den Behörden, um in den Genuss von Straffreiheit und Eingliederungshilfen zu kommen. Seit ihr Informationsnetz offengelegt wurde, kann die Regierung mit US-amerikanischer Satellitenhilfe den Funkverkehr der Terroristen kontrollieren und jedes Mobiltelefonat nahezu problemlos orten - was den bislang schwersten Schlag in ihrer 44-jährigen Geschichte wesentlich erleichterte.

Von Peter. B. Schumann

Rebellen der FARC (1999) (AFP)
Rebellen der FARC (1999) (AFP)
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Geglückte Befreiungsaktion in Kolumbien

Zu Hunderttausenden demonstrierten die Kolumbianer am 4. Februar 2008 im ganzen Land gegen die Bewaffneten Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens, kurz FARC genannt. Sie hatten die Nase voll von der Guerilla, die vor vier Jahrzehnten mit dem hehren Ziel angetreten war, die Landbevölkerung gegen gewalttätige Großgrundbesitzer zu verteidigen und die seit den 80er Jahren selbst zu einem der brutalsten Gewalttäter Lateinamerikas degeneriert. "KEINE FARC MEHR", hieß deshalb die Parole der Bewegung, die eine Gruppe junger Leute übers Internet ins
Leben rief. Einer ihrer Organisatoren:

"Wir haben uns im Januar spontan zusammengefunden und die Gesellschaft zu einer Manifestation aufgerufen. Wir wollten dieser Terrorgruppe deutlich machen, dass sie nicht die ‚Armee des Volkes’ ist, wie sie immer behauptet, und dass sie ihre Waffen niederlegen und alle Entführten freilassen sollte."

Es gelang sogar, Millionen Menschen zu einer weltweiten Front der Ablehnung zu mobilisieren: dem ersten Schlag gegen diese ehemalige Rebellenarmee in diesem Jahr. Der zweite folgte vier Wochen später, am 1. März. Der kolumbianische Verteidigungsminister Juan Manuel Santos:

"Ich teile dem Land mit, dass in einer gemeinsamen Aktion von Militär und Polizei Raúl Reyes gefallen ist, Mitglied im Sekretariat der FARC. Das ist der bisher schwerste Schlag, der diesen Terroristen zugefügt werden konnte."

Das 'Sekretariat’ ist die Befehlszentrale der FARC, und Raúl Reyes galt innerhalb der siebenköpfigen Führung als der zweitwichtigste Mann: als mediengewandter Sprecher, Finanzchef, oberster Diplomat bei Friedensverhandlungen und wahrscheinlich auch Militärstratege der Organisation. Deshalb gehörte er zu den meist gesuchten Verbrechern Kolumbiens. Der Überfall auf das FARC-Lager verursachte einen bis heute schwelenden Grenzkonflikt, denn er fand auf ecuadorianischem Gebiet statt. Dabei erbeuteten die Kolumbianer zwei Laptops, die ihnen wertvolle Informationen über Geldquellen und vor allem über das Informationssystem der FARC lieferten. Angeblich haben auch die Präsidenten von Ecuador und Venezuela die Guerilla finanziell unterstützt, was die beiden heftig bestreiten. Der 3. Schock, den die FARC im März erlitt, war wohl eher ein Schicksalsschlag.

"Mit größtem Bedauern informieren wir, dass unser Oberkommandierender Manuel Marulanda Veles am 26. März gestorben ist nach kurzer Krankheit in Folge einer Herzattacke, in den Armen seiner Lebensgefährtin, umgeben von seiner Leibgarde und allen Einheiten, die für seine Sicherheit sorgten."

FARC-Kommandeur Timoschenko hebt die persönliche Sicherheit besonders hervor, denn es gibt Zweifel an seiner Version vom natürlichen Tod Marulandas. Andere Quellen behaupten, der Gründer der FARC sei bei einem Scharmützel mit der Armee tödlich getroffen worden. Wie auch immer: Die beiden wichtigsten Anführer des 7-köpfigen 'Sekretariats’ leben nicht mehr. Timoschenkos Verlautbarung zeugt aber auch von der Weltferne, in der sich offensichtlich der Führungszirkel befindet.

"Wir nehmen physisch von ihm Abschied im Namen der Abertausenden von FARC Kämpfern und bolivianischen Milizionären und der Millionen von Kolumbianern und Bürgern in aller Welt, die ihn hoch schätzen und bewundern trotz der widerlichen Medienkampagne gegen die FARC."

96 Prozent der Kolumbianer - so eine jüngste Umfrage - verachten diese sog. Revolutionären Streitkräfte, weil sie in den letzten Jahrzehnten nichts als Gewalt verbreitet haben - ganz ähnlich wie die Paramilitärs, die sie bekämpfen. Doch von denen haben sich inzwischen viele dem Demobilisierungsprogramm der Regierung angeschlossen. Auch die Reihen der FARC lichten sich allmählich. Immer öfter stellen sich Guerilleros den Behörden: sie wollen in den Genuss von Straffreiheit und Eingliederungshilfen kommen, wenn sie keine schweren Menschenrechtsverletzungen begangen haben. Die Moral der Truppe ist derart ruiniert, dass ein FARC-Kämpfer sogar seinen Vorgesetzten liquidierte, den dritten Mann des Führungskaders. Radio Caracol berichtet:

"In einem Hubschrauber schaffte die Armee die Leiche von Iván Ríos herbei. Der Körper zeigte einen Einschuss an der Stirn, der ihm von Alias Rojas, einem Vertrauensmann, zugefügt worden war. Er trennte danach die rechte Hand des Toten ab, um sie den Behörden zu übergeben. Die Armee brachte auch die Leiche von dessen Lebensgefährtin mit, die Rojas ebenfalls erschossen hat."

Die FARC-Kämpfer hatten noch nie Skrupel, ihre Waffen einzusetzen. Doch diese Tat besitzt eine neue 'Qualität’: die Terroristen bringen auch bedenkenlos ihre eigenen Leute um, damit sie - wie Rojas, der Sicherheitschef des von ihm Ermordeten - eine üppige Belohnung kassieren können. Andererseits ist die Armee inzwischen in der Lage, die Guerilla-Einheiten derart zu bedrängen, dass diese mitunter die Waffen strecken. Selbst Kommandeure geben auf, wenn ihre Lage hoffnungslos erscheint - so z.B. Karina, die einzige Frau unter den Anführern.

"Ich habe mich durch den Druck der Armee auf uns ergeben. Und ich möchte natürlich die Vergünstigungen der Regierung erhalten, die all jenen versprochen wurden, die die Waffen niederlegen. Deshalb lade ich alle meine Kampfgenossen ein, ihr Leben zu ändern und sich dem Plan der Wiedereingliederung der Regierung anzuschließen."

Hunderte sollen inzwischen ihrem Beispiel gefolgt sein. Von sogar tausend spricht der Verteidigungsminister. Das alles geschah in den ersten Monaten dieses Jahres. Die FARC ernannte einen neuen Chef: Alfonso Cano, ein Anthropologe und bisher der Chefideologe der Guerilla. Er gilt nicht als Hardliner und soll - so wird gerade bekannt - im Juni seine Truppen angewiesen haben, "direkten Kontakt" zur Regierung aufzunehmen "für einen humanitären Austausch". Das dürfte die Antwort gewesen sein auf das Angebot, das der kolumbianische Präsident Uribe im Mai unterbreitet hat.

"Wir garantieren ihnen die Freiheit und zwar unter der Bedingung, dass sie mit der Abgabe der Waffen auch die Entführten abliefern. Außerdem werden wir ein System bedingter Freiheit schaffen, um frühere FARC-Kämpfer nach Frankreich ausreisen zu lassen, wo sie ihre Freiheit genießen können. Ihre juristischen Probleme werden wir hier in Kolumbien lösen. Außerdem haben wir einen Fonds von 100 Millionen Dollar eingerichtet, um Belohnungen zu zahlen an jene Guerilleros, die die FARC verlassen und die Entführten freigeben."

Die Befreiungsaktion kam der Kontaktaufnahme zuvor, und es gibt bisher keinerlei Anzeichen von Seiten der FARC, diesen Weg der Verhandlung einzuschlagen. Dagegen scheinen Konflikte die neue Führungsriege zu erschüttern. Dort streiten sich offensichtlich der pragmatische Intellektuelle Cano und der Dogmatiker Mono Jojoy, der als Kriegstreiber gilt und vom Land stammt. Die übrigen Mitglieder der Kommandozentrale sind Leute aus der Stadt. Sie könnten möglicherweise die Chance für die Rückkehr in ein ziviles Leben ergreifen, statt in feuchtheißen Urwaldgebieten oder unwirtlichen Gebirgsgegenden einen zunehmend hoffnungslosen Kampf zu führen und so zu enden wie Reyes und Marulanda oder gar wie Ríos.

Auch können die Befehlshaber sich ihrer Truppen nicht mehr sicher sein, seit sie mit ihnen kaum noch Funkkontakt halten. Die Computer von Reyes hatten das Informationsnetz der FARC offengelegt, und seither kann die Regierung mit US-amerikanischer Satellitenhilfe den Funkverkehr der Terroristen kontrollieren und jedes Mobiltelefonat nahezu problemlos orten. Dieses Informationsdefizit hat den schwersten Schlag, den die FARC in ihrer 44-jährigen Geschichte hinnehmen musste, wesentlich erleichtert: die Befreiungsaktion am letzten Mittwoch. Verteidigungsminister Santos:

"Bei der Operation ist es gelungen, jene Truppe der FARC zu unterwandern, in deren Gewalt sich in den letzten Jahren eine große Anzahl von Entführten befunden hat. Außerdem gelang es, das Sekretariat der FARC zu unterwandern. So war es möglich, César, den Anführer dieser Truppe, davon zu überzeugen, die Entführten zu einem Ort zu schaffen, wo sie ein Hubschrauber abholen sollte, um sie dem neuen Oberbefehlshaber der FARC Alfonso Cano zu überstellen."

Dieser Schachzug war nur möglich, weil zwischen der Zentrale und dem Trupp von César aus Sicherheitsgründen keine Funkverbindung mehr bestand und er den vermeintlichen Befehl Canos nicht zu überprüfen vermochte. Es sieht gegenwärtig so aus, als ob hier tatsächlich eine minutiös vorbereitete Operation des militärischen Geheimdienstes zum Erfolg geführt hat, gestützt auf US amerikanische Satelliten-Daten und eine Spezialeinheit, die von israelischen Agenten trainiert worden ist. Lösegeld – 20 Millionen Dollar für die 3 US-amerikanischen Militärberater – scheint dagegen nicht im Spiel gewesen zu sein. Das wurde auch sofort und vehement von Botschafter Brownfield zurückgewiesen.

"Null, nichts, weder einen Penny, noch einen Dollar, noch einen Peso, noch einen Euro, absolut nichts haben wir gezahlt. Die Regierung der USA arbeitet seit 5 Jahren mit der Regierung Kolumbiens, seiner Armee und seinen Ordnungskräften zusammen und zwar in technologischer Hinsicht und in den Bereichen Geheimdienst, Information, Training, gemeinsame Übungen und Ausrüstung von Operationen dieser Art. Die Zusammenarbeit hat hervorragende Ergebnisse gebracht für die 15 befreiten Entführten."

Die FARC sind geschwächt wie niemals zuvor. Ihre Truppenzahl hat sich in den letzten Jahren fast halbiert: von ursprünglich 18.000 auf weniger als 10.000. Manche Kommentatoren halten sogar nur noch 4.000 bis 5.000 Mann für möglich. Ihre Einheiten sind zersplittert, ihr Kommunikationsnetz ist durchlöchert, und oft ist sogar die Versorgung prekär. Das macht sie aber nicht weniger gefährlich. Ein Sprecher der Armee:
"Bei einer Operation in Bojacá, 30 km nordöstlich von Bogotá, wurden 1.062 kg höchst explosiven Sprengstoffs sicher gestellt… Nach unseren bisherigen Informationen war er für Anschläge in der Hauptstadt bestimmt. Er war in 54 Plastiksäcke verpackt und hätte einen ganzen Häuserblock in die Luft jagen können. In Bogotá wurden danach Individuen
verhaftet, die dabei waren, weiteren Sprengstoff für Truppen in anderen Landesteilen zu beschaffen."

Die Nachrichten über gelungene Aktionen gegen die FARC häuften sich in der letzten Woche. Das mag Zufall gewesen sein, aber es nützte dem kolumbianischen Präsidenten Uribe. Seine Politik der ‚starken Hand’ hat auf ganzer Linie gesiegt. Seinen venezolanischen Kollegen Chávez und dessen vollmundigen Aktionismus hat er ins Abseits manövriert. Und auch dem französischen Präsidenten Sarkozy hat er bewiesen, dass ein Uribe nun mal über die erfolgreichere Taktik verfügt. 91 Prozent der Kolumbianer würden ihn sofort wieder zum Präsidenten wählen. Sie hoffen, dass es ihm gelingt, die Reste der FARC zu besiegen. Dabei wird er mit Sicherheit nicht auf Forderungen eingehen, wie sie Raúl Reyes im Februar, kurz vor seinem Tod, formulierte.

"Wir fordern die Anerkennung als kriegführende Kraft und die Streichung aus der Liste der Terroristen. In der humanitären Übereinkunft, die wir vorgeschlagen haben, verlangen wir außerdem die Entmilitarisierung der Gebiete um Florida und Pradera. Danach lassen wir die vorgesehene Gruppe frei, damit alle unsere Guerilleros und Guerilleras aus den Gefängnissen Kolumbiens und aus denen der USA entlassen werden."

Die Forderungen waren damals schon vermessen und wurden von der Regierung abgelehnt. Die FARC besitzen gegenwärtig noch 27 sog. verhandelbare Geiseln – Soldaten, Polizisten und Zivilisten, mit denen sie eigene Leute freipressen wollen. Außerdem halten sie – zum Teil seit 10 Jahren – zwischen 700 und 750 Entführte fest, für die sie kein Lösegeld erhielten und über deren Herkunft und Schicksal nur wenig bekannt ist. In früheren Zeiten waren es oft ganze Busse voller Menschen, die sie verschleppten. Doch Geiselnahmen sind längst kein Geschäft mehr. Mit Drogenhandel finanzieren die FARC hauptsächlich ihren Terror. Trotzdem ist die materielle Lage einzelner ihrer Gruppen prekär – wie Rojas, der Mörder von Ríos, beschreibt:

"Unsere Lage wurde durch die Pression der Armee verursacht, die uns seit 15 Tagen eingekreist hatte. Die Lebensmittelsversorgung wurde immer prekärer. Die Jungs meiner Abteilung sind jetzt in einer schwierigen Situation. Sie dürften nur noch für zwei Tage zu essen haben. Und der Druck auf das Operationsgebiet hält an."

Genau diese Taktik praktiziert gegenwärtig das Militär. Es versucht, bewaffnete Auseinandersetzungen zu vermeiden, und beschränkt sich darauf, Guerrilla-Einheiten zu orten, zu umzingeln und von jeglicher Kommunikation abzuschneiden. Damit sollen die Kämpfer zur Aufgabe oder zum Verrat ihrer Kommandanten gezwungen werden. Im Fall von Rojas hatten sie genauso Erfolg wie bei Karina, die sich kurz darauf ergeben hat. Ziel ist es: das Leben der Geiseln zu schonen, das bei Angriffen in höchster Gefahr wäre. Verteidigungsminister Santos:

"Deshalb appellieren wir wieder an die neuen Anführer der FARC: sie sollen ihre Waffen niederlegen, damit ihre Leute nicht weiter töten oder geopfert werden. Die Regierung wiederholt: Wenn sie ernsthaft und ehrlich bereit sind zu verhandeln, dann bieten wir ihnen einen würdigen Frieden an."

Noch sind die Bedingungen hierfür nicht klar definiert. Doch sie dürften ähnlich aussehen wie für die Paramilitärs: Haftstrafen mit einer begrenzten Anzahl von Jahren für Gewalttäter und für alle Übrigen Resozialisierung, verbunden mit Starthilfen. Das ist zwar ein steiniger Weg für die Beteiligten auf beiden Seiten Dadurch wurde aber die durch Paramilitärs verursachte Gewalt im
Land vermindert. Die Regierung hat den FARC demonstriert, dass sie sowohl mit brutaler Härte als auch mit größtem Geschick erfolgreich zuschlagen kann und sogar in der Lage war, ihnen ihr wertvollstes Faustpfand zu rauben: Ingrid Betancourt kurz nach ihrer Befreiung:

"Das ist ein Wunder, das ich mit allen teilen will, die mit uns gelitten haben. Es erfüllt uns Kolumbianer mit Stolz, denn es gibt keine historischen Beispiele für eine so perfekte Operation. Ich weiß nicht, ob Mono Jojoy oder Alfonso Cano die Geschehnisse kennen. Aber ich will ihnen sagen, dass ihre Leute, unsere Wächter, die dort zurückblieben, von der Armee bewusst nicht getötet wurden. Und ich hoffe, dass sie auch von den FARC nicht zur Rechenschaft gezogen werden. Sie trifft für das, was geschehen ist, keine Schuld."

Und dann dankte Ingrid Betancourt dem kolumbianischen Präsidenten mit herzlichen Worten. Nur gibt es bis heute kein einziges Bild, auf dem sich beide umarmen, sondern lediglich eine Filmaufnahme, auf der sich Betancourt und Uribe über einen Tisch hinweg die Hände reichen. Man darf nicht vergessen: während des Wahlkampfs von 2002 haben beide aus konträren Positionen um die Präsidentschaft gekämpft. Und erst gestern hat die Franco-Kolumbianerin, die sich zur Zeit bei ihrer Familien in Paris befindet, über Radio France International die Haltung Uribes gegenüber den FARC kritisiert.

"Ich denke, dass Präsident Uribe und ganz Kolumbien bestimmte Dinge korrigieren müssen. Der Präsident hat mit seiner ‚Politik der nationalen Sicherheit’ viel Erfolg. Aber seine letzten Äußerungen haben mir gezeigt, dass es jetzt an der Zeit ist, den Stil zu ändern. Wir müssen auf den Feind zugehen und ihm Respekt und Toleranz zeigen, damit er das Gesicht wahren kann. Es ist der Augenblick gekommen, die radikale, extremistische, hasserfüllte Wortwahl zu ändern."

Worte einer Frau, die von den FARC vielfach erniedrigt und schwer misshandelt wurde. Die ehemalige Präsidentschafts-Kandidatin der Grünen ist bereit, in die Politik zurückzukehren – das hat sie gestern wieder bestätigt – und bei den nächsten Wahlen im Jahr 2010 gegen Uribe anzutreten. Bei dessen gegenwärtiger Popularität hätte sie zwar keine Chance. Doch noch ist völlig offen, ob Uribe überhaupt ein zweiter Wahlgang erlaubt wird. Der Oberste Gerichtshof hat vor kurzem seine letzte Wahl für nicht verfassungskonform erklärt. Dann könnte Ingrid Betancourt – nach einer Blitzumfrage der Wochenzeitschrift Semana – tatsächlich die erste Präsidentin Kolumbiens werden. Doch gegenwärtig will sie sich um Dringlicheres kümmern.

"Alle, die noch immer in den Wäldern sind, wissen, dass ich meine Versprechen halte: Ich werde keine Sekunde ruhen und mich für die Freiheit von euch einsetzen. Wir werden alles tun, um mit den FARC Verbindung aufzunehmen und mit allen Ländern, die helfen können, damit ihr schnell frei kommt."

Am 20. Juli sind die Kolumbianer zu einem neuen Marsch für die Freiheit der Entführten aufgerufen. Doch Ingrid Betancourt will an solchen Massenveranstaltungen in Kolumbien vorläufig nicht teilnehmen. Anschläge der FARC werden befürchtet.

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