Dienstag, 29.09.2020
 
Seit 16:35 Uhr Forschung aktuell
StartseiteForschung aktuellJets, Senken, Staub und vieles mehr12.08.2015

Komet Tschurjumow-GerasimenkoJets, Senken, Staub und vieles mehr

Morgen früh um 04.03 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit zieht der Komet Tschurjumow-Gerasimenko durch den sonnennächsten Punkt Bahn. Seit mehr als einem Jahr fliegt die Raumsonde Rosetta neben dem Kometen her – und ist jetzt in der perfekten Position, um die durch die Sonneneinstrahlung stark zunehmende Aktivität des Kometen zu verfolgen.

Von Dirk Lorenzen

Der Komet 67P, Tschurjumow-Gerasimenko, aufgenommen aus einer Entfernung von rund 500 Kilometern von einer Kamera der Weltraum-Sonde Rosetta. (picture-alliance / dpa/ESA/Rosetta/NAVCAM)
Der Komet 67P, Tschurjumow-Gerasimenko, aufgenommen aus einer Entfernung von rund 500 Kilometern von einer Kamera der Weltraum-Sonde Rosetta. (picture-alliance / dpa/ESA/Rosetta/NAVCAM)
Mehr zum Thema

Der Rosetta Blog Aktuelles über die Raumsonde

Was ist auf den Bildern zu sehen?

Holger Sierks, der Leiter des Teams der hochauflösenden Osiris-Kamera an Bord von Rosetta, hat zunächst viele Bilder der Kometenoberfläche gezeigt: Im Laufe von einigen Monaten sind deutliche Veränderungen zu erkennen: Vor allem in den sehr flachen Bereichen tut sich überraschend viel: Es entstehen Senken, die sich zum Teil über Hunderte Meter ausdehnen, etwa fünf Meter tief sind und von Tag zu Tag größer werden. In der großen flachen Region namens Imhotep auf dem Kometen haben sich innerhalb weniger Monate rund 40 Prozent der Fläche verändert. In den eher zerklüfteten Regionen des Kometen passiert dagegen nicht ganz so viel: Allerdings haben die Forscher auch da offenbar Stellen gefunden, wo Kliffs abgebrochen sind, es gibt etliche lange Risse in den Eis- und Staubbrocken. Jedenfalls ist offensichtlich, dass die Sonne den Kometen immer stärker erwärmt und Tschurjumow-Gerasimenko entsprechend aktiver wird.

Hat die Raumsonde auch den Schweif des Kometen beobachtet?

Den Schweif kann Rosetta nicht sehen, denn der Schweif erstreckt sich recht weit hinter dem Kometen. Dafür ist die Rosetta zu dicht am Kometen dran. Aber Rosetta kann das Material beobachten, aus dem dann der Schweif wird – nämlich die Staub- und Gasmassen, die aus dem Kometen austreten. Aus dem Kometen sprudeln förmlich an allen Ecken und Ende Gas- und Staubteilchen heraus. Die Forscher sind vor allem von einem hellen Ausbruch fasziniert, einer regelrechten Fontäne. Der Komet hat ja in etwa die Form einer Badeente und vor genau zwei Wochen ist am Hals eine sehr helle Staubfontäne ins All geschossen, wohl mit mindestens 40 Kilometern pro Stunde. Sie ist auf einem Bild zu sehen und erscheint heller als der gesamte Kometenkern – auf den beiden Fotos 18 Minuten zuvor und danach ist aber nichts zu sehen. Da muss der Komet also urplötzlich Material ausgestoßen haben. Andere Fontäne schießen aus einem abgeschatteten Gebiet heraus, das aufgrund der Drehung des Kometen bereits seit vier Stunden im Dunkeln liegt.

Haben die Forscher eine Erklärung für diese Phänomene?

Noch nicht. Bisher staunen sie vor allem. Klar ist nur, dass die Sonnenhitze die oft eher feste oder aus Staub bestehende Oberfläche durchdringt und bis zu den flüchtigen Eisen darunter vordringt. So könnten diese Senken zu erklären sein. Wie aber die Jets zünden, wenn schon lange keine Sonne mehr auf sie scheint, ist noch völlig offen.

Was passiert in der Umgebung des Kometen?

Rosetta ist zum Teil wie durch einen Schneesturm geflogen. Auf den Bildern sind zahllose Staubteilchen oder kleinere Brocken zu sehen, die durch das Blickfeld fliegen. Manche sind unscharf, waren also nur wenige Meter von der Kamera entfernt. Rosetta navigiert unter anderem mit Sternsensoren, die das Sternmuster in ihrem Blickfeld analysieren. Die geraten durch die vielen Punkte durcheinander – daher hat man Rosetta jetzt in rund 300 Kilometer Entfernung vom Kometen gebracht. Näher dran wäre es allmählich fast gefährlich. Auf einer anderen Bildserie ist ein Brocken zu erkennen, der vom Kometen abgebrochen ist und ins Weltall entschwindet. Da die Entfernung von der Sonde nicht genau bekannt ist, lässt sich nur sagen, dass der Brocken zwischen einem und 40 Meter groß ist.

Wer jetzt Interesse hat: Sind die Bilder auch im Internet zu bestaunen?

Leider ist die Arbeitsgruppe vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung sehr restriktiv, was das Zeigen von Bildern angeht. Die Staubfontäne am Hals des Kometen bekommen alle zu sehen – die anderen Bilder hält man für die breite Öffentlichkeit wohl erst noch unter Verschluss. Der Leiter des Kamerateams verwies auf einen Fachartikel, der bald in der Fachzeitschrift Astronomy and Astrophysics erscheinen soll. Das kann also leider noch länger dauern.

 

 

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk