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StartseiteForschung aktuellEuropas Kometensonde Rosetta erwacht17.01.2014

KometenbesuchEuropas Kometensonde Rosetta erwacht

Raumfahrt. - Die europäische Raumsonde Rosetta steht vor der Ankunft am Kometen Tschurjomow-Gerasimenko. Vor zehn Jahren begann die Reise dieses unbemannten Raumschiffs,den größten Teil der Zeit verbrachte es im Tiefschlaf. Am Montag soll sie erwachen; danach werden die ersten Instrumente eingeschaltet.

Von Guido Meyer

Die Raumsonde Rosetta (ESA)
Die Raumsonde Rosetta (ESA)

Der Wecker ist gestellt. Nur noch wenig mehr als 66 Stunden wird es dauern, bis die Raumsonde Rosetta aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht. In den hatten Europas Raumfahrttechniker sie 2011 versetzt. Seitdem ist Rosetta sozusagen ohne Bewusstsein geflogen und dabei bis zur Umlaufbahn des Planeten Jupiter vorgedrungen. 

"Wir haben uns so weit von der Sonne entfernt, dass nicht einmal unsere leistungsfähigen Solarsegel genügend Energie liefern konnten. Seit dem 8. Juni 2011 haben wir von der Raumsonde nichts mehr gehört."

Paolo Ferri ist Leiter des Rosetta-Missionsbetriebs bei Europas Weltraumagentur ESA. In wenigen Wochen soll Rosetta an ihrem Zielkometen Tschurjomow-Gerasimenko ankommen. Für die beteiligten Wissenschaftler gab es bereits ein böses Erwachen, beispielsweise für den Geophysiker Günter Kargl vom Institut für Weltraumforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Graz.

"Die generelle Idee in der Planung der Rosetta-Mission war, dass man beim Kometen ankommt, bevor er wirklich aktiv wird. Das Beobachten des Aktivwerdens des Kometen, das ist ja eigentlich die Grundidee der Rosetta-Mission an sich. Nur hat man es eben für einen späteren Zeitpunkt geplant."

Beobachtungen mit dem Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte in den chilenischen Anden haben in den letzten Wochen gezeigt, dass der Komet schon viel früher aktiv werden wird als geplant - nämlich schon in rund 650 Millionen Kilometern Entfernung von der Sonne statt 450 Millionen, wie ursprünglich berechnet. 

"Der Komet wird schon im März aktiv werden, bevor Rosetta ihn erreicht hat. Dann werden sich Gas- und Staubteilchen von ihm lösen. Aufgrund von Lichtveränderungen auf der Oberfläche glauben wir, dass es drei aktive Regionen auf dem Kometen gibt. Diese drei Regionen waren bei den letzten drei Sonnenumläufen des Kometen für die Bildung seines Schweifs verantwortlich."

Mark McCaughrean ist der leitende wissenschaftliche Berater in der Direktion für Wissenschaft und robotische Exploration bei der ESA – und er sorgt sich aufgrund des verfrühten Erwachens des Kometen um die Sonde, genauso wie Günter Kargl von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, die Experimente an Bord von Rosetta betreibt. 

"Die größte Gefahr besteht, dass die Sonde anfängt zu taumeln, weil sie eben durch irreguläre Gasströme abgelenkt werden kann. Für die richtige Mission muss ständig mit Treibstoff, also mit den Triebwerken, die Position des Orbiters korrigiert werden. Wenn der Komet natürlich früher aktiv wird, muss man früher anfangen zu korrigieren. Und damit ist natürlich auch die Missionslebensdauer verkürzt, weil man natürlich eine höheren Treibstoffverbrauch hat."

Die nördliche Hemisphäre des Kometen bietet sich nach neuesten Messungen zum Anflug an. Sie ist weniger aktiv als die südliche, von der Staubteilchen mit rund fünfzig Kilometern pro Stunde ins All fliegen. Für eine Warteschleife oder eine größere Kurskorrektur der Raumsonde ist es zu spät. 

Günter Kargl: "Essentiell wurde das vor 20 Jahren schon geplant, zu welchem Zeitpunkt man sich wo befindet. Das ganze Spacecraft, Treibstoff – alles ist dafür ausgelegt für ein bestimmtes Missionsprofil. Solche Profile werden nur im extremen Notfall geändert. Wenn der Komet wirklich sehr viel früher als geplant aktiv wird, könnte es sein, dass genau dieser Notfall eintritt und man sich Gedanken machen muss, wie man das wieder in eine schöne Mission hereinbringt."

Eine – hoffentlich – "schöne Mission", die am Montag in die heiße Phase eintritt. Dann soll die Sonde ihre Navigationsinstrumente aufwärmen, ihre Eigendrehung stoppen und ihre Hauptantenne zur Erde ausrichten. Erste Signale aus den Tiefen des Alls sollen am selben Abend auf der Erde eintreffen – vorausgesetzt, der programmierte Wecker an Bord der Sonde klingelt am Montagvormittag laut genug.

 

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